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Russisch-Ukrainischer Krieg
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Der Russisch-Ukrainische Krieg (bis Februar 2022 hauptsächlich als Russisch-Ukrainischer Konflikt, allgemein als Ukrainekrise, Ukrainekrieg oder Russlands Krieg gegen die Ukraine bezeichnet) begann Ende Februar 2014 in Form eines regionalen bewaffneten Konflikts auf der ukrainischen Halbinsel Krim. Im Anschluss an die vÜlkerrechtswidrige Annexion der Krim folgten weitere Eskalationen durch Russland insbesondere mit dem Aufbau prorussischer bewaffneter Milizen im ostukrainischen Donbass, die dort gemeinsam mit regulären russischen Truppen gegen die ukrainischen Streitkräfte und Freiwilligenmilizen kämpften. Die mit internationaler Hilfe zustande gekommenen Minsker Abkommen von September 2014 und Februar 2015 sahen fßr den Krieg in der Ostukraine einen dauerhaften Waffenstillstand vor; tatsächlich erreicht wurde bestenfalls eine Stabilisierung des lokalen Konflikts mit fortlaufenden Provokationen durch die russisch-separatistische Seite.
Nach einem relativen Abflauen baute Russland ab Sommer 2021 massiv Truppen an der ukrainischen Grenze auf, bestritt aber Angriffspläne. Ab dem 24. Februar 2022 folgte ein groĂ angelegter Angriff durch die russische Armee aus mehreren Richtungen mit dem Ziel, die ukrainische Regierung zu stĂźrzen und durch ein prorussisches Regime zu ersetzen. Die russischen Truppen zogen sich nach schweren Verlusten ab Ende März 2022 aus dem Norden und Nordosten der Ukraine zurĂźck, um ihre Offensive ausschlieĂlich auf den Osten des Landes zu konzentrieren. Im SĂźden war mit der GroĂoffensive eine von Russland kontrollierte Landverbindung zwischen dem russischen Festland und der 2014 annektierten Krim geschaffen worden. Die russische Offensive kam im Sommer kaum voran, und ab Ende August ging die ukrainische Armee im Osten und SĂźden zu einer Gegenoffensive Ăźber, die bis Oktober 2022 erhebliche GeländerĂźckgewinne erzielte. Präsident Wladimir Putin kĂźndigte im September 2022 eine Mobilmachung Russlands an und Russland annektierte im Monat darauf groĂe Teile der SĂźd- und Ostukraine und leitete dort die Russifizierung ein. Nach dem russischen RĂźckzug wurden in den zuvor besetzten Gebieten Beweise fĂźr schwere Kriegsverbrechen der russischen Truppen gegen Zivilisten entdeckt.
Contents
⢠Vorgeschichte
⢠Flßchtlinge
⢠Minsk II
⢠Spionageverdacht
⢠Opfer
⢠Siehe auch
⢠Literatur
⢠Dokumentarfilme
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Bezeichnungen und Ăberblick
Der seit 2014 andauernde Konflikt wurde in deutschsprachigen Medien häufig als Ukraine-Konflikt bezeichnet.cite-ref-25[25] Auch die Bezeichnung russisch-ukrainischer Konflikt lässt sich nachweisen,cite-ref-26[26] je nach Aktualität wurde auch Ukraine-Krise verwendet.cite-ref-27[27] Die Bezeichnung Russisch-Ukrainischer Krieg wurde unter anderem vom Historiker Andreas Kappeler schon ab 2014 verwendet, aber auch von Andreas Umland.cite-ref-28[28] Zum Teil wurde der Konflikt vor dem Einmarsch Russlands im Februar 2022 als BĂźrgerkrieg bezeichnet,cite-ref-29[29] was auch der offiziellen russischen Sichtweise entsprach sowie der russischen Propaganda, die jegliche Beteiligung des Landes abstrittcite-ref-30[30] und auch dessen offenen Angriff im FrĂźhjahr 2022 lediglich als âSpezial-Operationâ bezeichnete.
Der Konflikt begann Ende Februar 2014 mit der russischen Besetzung der unter ukrainischer Hoheit stehenden Schwarzmeer-Halbinsel Krim; dies erfolgte unter Einsatz russischer Streitkräfte ohne Hoheitszeichen (âGrĂźne Männchenâ).cite-ref-krim-mdr-bpb-2-1[2] Im Anschluss annektierte Russland die gesamte Krim und betrieb anti-ukrainische Agitation und Propaganda mit dem Ziel der Destabilisierungcite-ref-31[31] vor allem in den Städten Charkiw, Odessa, Mariupol, Luhansk und Donezk. Während die Lage in Charkiw, Odessa und Mariupol wieder unter ukrainische Kontrolle kam, wurden in den Oblasten Donezk und Luhansk bewaffnete sogenannte Volksmilizen aktiv, unterstĂźtzt durch Interventionen paramilitärischer russischer Gruppen.cite-ref-menschnrechtsaktiv-32-0[32] Auch nach Einschätzung eines Kommandanten einer solchen Einheit gingen die kriegerischen Handlungen in der Ostukraine nicht von Donbass-Bewohnern selbst, sondern wie auf der Krim von diesen russischen Sondertruppencite-ref-sueddeutsche-2231494-33-0[33] sowie SĂśldnern wie der Gruppe Wagner aus. Russland unterstĂźtzte diese seit Beginn der Kampfhandlungen zudem durch Lieferungen auch von schweren Waffen.cite-ref-34[34]cite-ref-nzz-feuerpause-35-0[35] Aufgrund der vielfältigen Indizien dementierten auch die staatsnahen russischen Medien ab September 2014 nicht mehr die Anwesenheit russischer Soldaten, sondern verbreiteten das Narrativ, die Soldaten wĂźrden âin ihrer Freizeitâ dort kämpfen.cite-ref-36[36]
Im Juni 2014 beklagte der UNHCHR in den nicht von der ukrainischen Regierung kontrollierten Gebieten eine von den dortigen Milizen geschaffene Atmosphäre der Angst mit TĂśtungen, Folterungen und anderen Menschenrechtsverletzungencite-ref-37[37] sowie den totalen Zusammenbruch von Recht und Ordnung und sprach von einer Terrorherrschaft der bewaffneten Gruppen Ăźber die BevĂślkerung mit Freiheitsberaubungen, EntfĂźhrungen, Folterungen und Exekutionen.cite-ref-unhchr28-38-0[38] Hunderttausende Menschen flĂźchteten aus den betroffenen Gebieten. Beim Abschuss des zivilen Malaysia-Airlines-Flugs 17 Ăźber den von den dortigen Milizen kontrollierten Gebieten der Oblast Donezk durch eine aus Russland stammende Flugabwehrrakete im Juli 2014 wurden 298 Zivilisten getĂśtet, darunter 80 Kinder. Anfang August 2014 konnte die Ukraine Donezk und Luhansk zu groĂen Teilen blockieren. Es folgte eine erheblich verstärkte UnterstĂźtzung aus Russland, die es den prorussischen Kräften nicht nur erlaubte, Ende August die Belagerungsringe zu sprengen, sondern auch Gebiete im SĂźden einzunehmen, in denen kaum Bestrebungen zur Abspaltung bekannt waren.cite-ref-39[39]cite-ref-1tagnachmerkel-40-0[40]
Anfang September 2014 trat mit dem Protokoll von Minsk (âMinsk Iâ) ein brĂźchiger Waffenstillstand in Kraft, welcher von der Organisation fĂźr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) Ăźberwacht werden sollte; dennoch starben in einem Zeitraum bis Mitte Dezember 1300 Bewaffnete und Zivilisten.cite-ref-41[41] Ende Januar 2015 machte die OSZE die Separatisten fĂźr ein weiteres Scheitern bei der Implementierung des Abkommens verantwortlich. Russland seinerseits verweigerte der OSZE die vereinbarte Ăberwachung der Grenze.cite-ref-nzz-ch-42-0[42] Trotz des erneuerten Waffenstillstandsvertrages Minsk II im Februar 2015 folgte direkt die Einnahme Debalzewes, aber auch danach verzeichneten die Beobachter der OSZE vor September 2015 keinen Tag, an dem der Waffenstillstand eingehalten wurde; ein GroĂteil der schweren Waffen war zwar zeitweilig von der Frontlinie abgezogen worden, deren Verbleib konnte von der OSZE jedoch nur auf ukrainischer Seite verfolgt werden.cite-ref-waffosze-43-0[43] Ab dem 1. September 2015 wurde ein von der Kontaktgruppe nochmals vereinbarter Waffenstillstand mehrheitlich bis Anfang November eingehalten, danach nahmen die Kampfhandlungen wieder zu.cite-ref-44[44] Im Juni und Juli 2016 stiegen die Opferzahlen auf den hĂśchsten Stand innerhalb eines Jahres.cite-ref-nzzeuropasv-45-0[45]cite-ref-krimgrenze-46-0[46] In der gesamten Geltungszeit dieses âvollständigen Waffenstillstandsâ verdoppelte sich die Zahl der GetĂśteten bis Oktober 2016.cite-ref-bilanzverh-47-0[47] Entlang der in Minsk vereinbarten Kontaktlinie lebten zehntausende Menschen in der bis 15 Kilometer breiten âGrauen Zoneâ ohne kommunale Verwaltungen, ohne Polizei, Ărzte, oft ohne Wasser und Strom. Die Truppen rĂźckten einander immer näher, bis 2018 gab es Distanzen von nur noch 200 Metern, wobei jedoch der Einsatz schwerer Waffen eher abgenommen hatte. Schon zu diesem Zeitpunkt war die Mehrzahl der zivilen Opfer durch Minen und alte Blindgänger zu beklagen, nicht durch Beschuss.cite-ref-menschnrechtsaktiv-32-1[32]
Auch im weiteren Zeitraum bis Ende 2019 starben fast täglich Soldaten oder Zivilisten, auch durch Einsatz verbotener schwerer Waffen.cite-ref-48[48]cite-ref-neuehoffnung-49-0[49]cite-ref-50[50] RegelmäĂig nahmen die Kämpfe im Spätherbst zu. Im Jahr 2018 wurden bis zu tausend Waffenstillstandsverletzungen pro Tag gezählt.cite-ref-hug2-18-51-0[51]cite-ref-52[52]cite-ref-w-chentlich2019-21-1[21] Ein weiterer Anlauf zu einer âvollständigen und umfassendenâ Waffenruhe fĂźhrte nach Inkrafttreten am 27. Juli 2020 zu einer Reduktion der WaffenÂstillstandsÂverletzungen. Ihre Zahl verringerte sich auf 276 innerhalb zweier Wochen, im Vergleich zu 8097 in den zwei Wochen zuvor. Ab August bis November 2020 lag der Monatsdurchschnitt konstant auf unter fĂźnf Prozent des Vorjahres.cite-ref-53[53]cite-ref-54[54]
Ab FrĂźhjahr 2021 wurden massive russische Truppenverbände in die Nähe der ukrainischen Grenze verlegt.cite-ref-12-55-0[55] Russlands Präsident Wladimir Putin lieĂ um den Jahreswechsel 2021/22 im Rahmen einer als ManĂśver angekĂźndigten militärischen Operation weitere russische Truppen in die Nähe der Grenze verlegen â auch in Gebiete des benachbarten Belarus; an der Kontaktlinie blieb es bis Februar 2022 dennoch ruhiger als vor dem geltenden Waffenstillstand von 2020.cite-ref-menschnrechtsaktiv-32-2[32] Am 21. Februar 2022 erkannte Russland die staatliche Unabhängigkeit der von prorussischen Separatisten im Osten der Ukraine kontrollierten und als âVolksrepublikenâ Donezk und Lugansk proklamierten Gebiete in der Oblast Donezk und der Oblast Luhansk an. Die folgende Invasion durch Russland auf mehreren Fronten begann am 24. Februar 2022. Der Einmarsch stellte einen eklatanten Bruch der europäischen Friedensordnung gemäà der Charta von Paris von November 1990 bzw. dem Budapester Memorandum von Dezember 1994 dar. Auch der russisch-ukrainische Freundschaftsvertrag von 1997 sollte die Souveränität der Ukraine in ihren Grenzen garantieren. Der von Russland, das nach Ansicht der meisten Beobachter nicht mit intensiven Kampfhandlungen gerechnet hatte, vermutlich geplante rasche Durchmarsch kam frĂźh zum Erliegen, die Einkreisung Kiews kam nicht zustande. Bei den besetzten Gebieten um Donezk schafften es die Truppen nicht oder kaum Ăźber die seit 2015 bestehende Kontaktlinie hinaus, nur an der russischen Grenze zwischen Luhansk und Charkiw drangen russische Truppen vor. Hingegen konnten die Truppen, die von der Krim her vorgestoĂen waren, zusammen mit amphibischen Landungen Gebiete im SĂźden sichern und Mariupol blockieren; ein VorstoĂ auf Odessa scheiterte jedoch.
Die russischen Truppen mussten sich ab Ende März 2022 nach schweren Verlusten aus dem Norden und Nordwesten der Ukraine zurĂźckziehen, nachdem erste Kriegsziele nicht erreicht werden konnten. Die russische Regierung gab an, fortan ihre Offensive ausschlieĂlich auf den Osten des Landes zu konzentrieren, wo die russischen Truppen unter massivem Artillerieeinsatz und starken Verlusten Geländegewinne machen konnten. Bei ihrem RĂźckzug kamen schwere Kriegsverbrechen der russischen Truppen gegen Zivilisten in den zuvor besetzten Gebieten zum Vorschein. Ab Mai 2022 gelang es der Ukraine durch rasch ansteigende Waffenlieferungen westlicher Staaten, insbesondere der USA, die Fortschritte der russischen Kräfte zu bremsen und empfindliche Schläge gegen russische Logistik- und Kommandoeinrichtungen zu fĂźhren. Im September 2022 erzielte eine ukrainische Gegenoffensive insbesondere im Gebiet Charkiw bedeutende GeländerĂźckgewinne, worauf Russland mit einer Teilmobilmachung und der vĂślkerrechtswidrigen Annexion der SĂźdostukraine reagierte. Im November 2022 musste Russland aufgrund einer ukrainischen Offensive im Monat zuvor sowie aufgrund mangelnder eigener Mannstärke groĂe Teile der Oblast Cherson räumen. Seither stagniert die Front weitestgehend, eine weitere groĂe ukrainische Offensive wurde jedoch angekĂźndigt.cite-ref-56[56]cite-ref-57[57] Im Januar 2023 kĂźndigten westliche Partner der Ukraine an, moderne westliche Kampfpanzer zu liefern â womit im Monat darauf begonnen wurde.cite-ref-58[58]cite-ref-59[59]
Verlauf im Detail
Vorgeschichte
Europäische Sicherheitsarchitektur seit 1990
Mit dem Ende des Ost-West-Konflikts beschlossen die KSZE-Staaten in der Charta von Paris am 21. November 1990 die Grundsätze fĂźr ein geeintes âNeues Europaâ. Demnach sollten Menschenrechte und demokratische Werte das GrundgerĂźst eines von seiner Vergangenheit befreiten Europas bilden, also in der Sowjetunion Reformen bis zur vollständigen Demokratisierung durchgefĂźhrt werden. Nur zwei Tage zuvor, am 19. November 1990 unterzeichneten Leonid Krawtschuk und Boris Jelzin einen Freundschaftsvertrag zwischen der Ukrainischen SSR und der RSFSR und damit die gegenseitige Anerkennung der staatlichen Souveränität der Ukrainischen und der Russischen Republik.cite-ref-60[60]cite-ref-kappeler252-61-0[61] Nach dem Zerfall der Sowjetunion und des Warschauer Paktes sowie der GrĂźndung der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) mit den Belowescher Vereinbarungen bzw. der Erklärung von Alma-Ata (alles 1991) erkannte Russland im Budapester Memorandum von 1994 die ukrainische Souveränität erneut an; im Gegenzug gab die Ukraine ihre Nuklearwaffen ab. In der Partnerschaft fĂźr den Frieden arbeiteten NATO und Russland seit 1994 zusammen. Die Zusammenarbeit wurde 1997 mit der NATO-Russland-Grundakte noch vertieft, und in der NATO-Ukraine-Charta von 1997 wurde eine militärische Partnerschaft zwischen der NATO und der Ukraine vereinbart. Im gleichen Jahr unterzeichnete die Ukraine einen neuen Freundschaftsvertrag mit Russland, der erstmals die explizite vorbehaltlose Anerkennung der territorialen Integrität und Unverletzbarkeit der Grenzen der Ukraine beinhaltete und dazu (bis zu seiner AufkĂźndigung 2018) einen Beitritt der Ukraine in ein âgegen den Vertragspartner gerichtetes BĂźndnisâ ausschloss.cite-ref-62[62] Das âSchreckgespenstâ der ukrainischen Sicherheitspolitik war damit schon 1998 eine mĂśgliche zukĂźnftige Entfremdung Russlands von der NATO, die einen Positionsbezug erzwingen wĂźrde.cite-ref-m-ller-center-for-security-studies-66-63-0[63]
Als Folge des Ersten Tschetschenienkriegs 1994 intensivierten osteuropäische Staaten ihre BemĂźhungen um einen NATO-Beitritt, die zu den NATO-Osterweiterungen von 1999 und 2004 fĂźhrten, aber erst ab 2007 von Russland als âgebrochene Versprechenâ kritisiert wurden.cite-ref-sirius18-64-0[64] Die russische Regierung fĂźhrte seither an, dass die Ausdehnung des BĂźndnisgebietes der NATO nach Osten, bis an die Grenzen Russlands, die russischen Sicherheitsinteressen beeinträchtige.cite-ref-65[65]cite-ref-sirius18-64-1[64]cite-ref-66[66]cite-ref-67[67]
Auf ihrem Gipfel 2008 in Bukarest stellte die NATO sowohl der Ukraine als auch Georgien eine Mitgliedschaft in Aussicht.cite-ref-68[68] Nach einer Intervention von Deutschland, Frankreich und GroĂbritannien wurde ein âAktionsplan fĂźr die Mitgliedschaftâ (englisch Membership Action Plan, MAP) der Ukraine jedoch verwehrt. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel lehnte Schritte in diese Richtung ab und US-Präsident Barack Obama unternahm im Gegensatz zu seinem Amtsvorgänger keine MaĂnahmen in Richtung NATO-Beitritt der Ukraine. Die Janukowytsch-Regierung verabschiedete 2010 ein Gesetz, unter anderem um die Beziehungen zu Russland zu verbessern, das dem Land die Teilnahme an einem Militärblock untersagte. NATO-Generalsekretär Anders Rasmussen erklärte im Oktober 2013, dass die Ukraine 2014 definitiv nicht der NATO beitreten werde. Von 2009 bis 2014 spielte nach Angaben von Michael McFaul eine Erweiterung der NATO in Besprechungen zwischen Obama und Medwedew oder Putin keine Rolle.cite-ref-69[69]
Auch um die innenpolitische Macht des Herrschaftssystems zu sichern, stellte Russland sich selbst mehr und mehr als in einer strategischen und kulturellen Gegnerrolle zum âkollektiven Westenâ befindlich dar.cite-ref-70[70] NATO und EU wurden zunehmend als vollständig von den USA gesteuerte Machtinstrumente interpretiert. Damit geriet die Ukraine, wie schon lange befĂźrchtet, zwischen die Fronten, und der 1998 noch hoffnungsvoll formulierte âukrainische Beitrag zur âEuropäisierungâ Russlandsâcite-ref-m-ller-center-for-security-studies-66-63-1[63] wendete sich zu einer Gefahr fĂźr das Land.
Beziehungen zwischen der Ukraine und Russland
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Hauptartikel
:
Russisch-ukrainische Beziehungen
Mit dem Zerfall der Sowjetunion unterzeichneten die Russische Sozialistische FÜderative Sowjetrepublik und die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik am 19. November 1990 einen Freundschaftsvertrag, in dem die existierenden Grenzen gegenseitig anerkannt wurden. Am 23. Juni 1992 wurde der Vertrag von der unabhängigen Russischen FÜderation und der unabhängigen Ukraine bestätigt, 1997 folgte der russisch-ukrainische Freundschaftsvertrag.cite-ref-71[71] Im Jahr 2003 schlossen die Staatspräsidenten Putin und Kutschma in Kiew den russisch-ukrainischen Grenzvertrag ab und regelten damit den einzigen unklaren Grenzverlauf bei Kertsch. Die Beziehungen beider Länder verschlechterten sich spätestens Ende 2004 rapide: Bei der ukrainischen Präsidentschaftswahl gewann der prowestliche Kandidat Wiktor Juschtschenko gegen den von Putin unterstßtzten Kandidaten Wiktor Janukowytsch. Sowohl 2006 als auch 2009 stoppte Russland danach im russisch-ukrainischen Gasstreit vorßbergehend die Gaslieferungen an die Ukraine.cite-ref-72[72]
Im Februar 2010 wurde Janukowytsch doch noch zum Präsidenten der Ukraine gewählt.cite-ref-73[73] Ab August 2013 sorgte das zunächst auch von ihm verfolgte Assoziierungsabkommen mit der EU zunehmend fßr Spannungen zwischen der Ukraine und Russland. Putin sah durch das Abkommen seine Pläne, die Zollunion mit Belarus und Kasachstan durch den Beitritt der Ukraine zur Eurasischen Union auszubauen, als gefährdet an.cite-ref-74[74] So sagte der Putin nahestehende russische Politiker Sergei Glasjew im September 2013 bei einem Treffen mit ukrainischen Politikern, dass Russland bei einer Unterzeichnung des Abkommens sich nicht mehr an Verträge, die die Grenzen zwischen den beiden Ländern garantieren, gebunden fßhle. Es werde zu Aufständen und separatistischen Unruhen in den russischsprechenden Gebieten kommen und Russland werde vermutlich auf deren Seite intervenieren, falls es darum gebeten werde.cite-ref-75[75] Trotz des Drucks aus Moskau und hohen Erwartungen der EU hielt die Regierung von Janukowytsch zunächst an dem Abkommen fest. Ihre Haltung zu dem Assoziierungsabkommen mit der EU änderte sich aber, als das Land in eine wirtschaftliche Schieflage geriet und niemand in der EU das ernstzunehmen schien.cite-ref-76[76]
Euromaidan und Annexion der Krim 2014
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Hauptartikel
:
Euromaidan
und
Annexion der Krim 2014
Im Spätherbst 2013 kam es nach der AnkĂźndigung der ukrainischen Regierung unter Wiktor Janukowytsch, die Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens mit der Europäischen Union zu verschieben, in Kiew zu ausgedehnten Massenprotesten fĂźr eine stärkere europäische Integration. Die Proteste richteten sich zunehmend gegen die als korrupt empfundene Regierung der Ukraine, es kam zu Todesopfern. Drei Monate nach Beginn der Proteste unterschrieben Präsident, Opposition sowie die AuĂenminister Deutschlands, Frankreichs und Polens (Weimarer Dreieck) die Vereinbarung Ăźber die Beilegung der Krise in der Ukraine vom 21. Februar 2014. Noch in derselben Nacht flĂźchtete Janukowytsch aus Kiew nach Charkiw. Am 22. Februar versuchte er von Donezk aus, das Land zu verlassen, wurde jedoch am Abflug gehindert.cite-ref-77[77] Am gleichen Tag wurde er vom ukrainischen Parlament fĂźr abgesetzt erklärt. Janukowytsch wurde auf seine an Russland gerichtete Bitte hin durch eine russische Spezialoperation auf die Krim und am 24. Februar nach Russland gebracht.cite-ref-offenherzigkeit-78-0[78] Die Absetzung Janukowytschs entsprach rein verfassungsrechtlich gesehen â weil ohne DurchfĂźhrung eines Amtsenthebungsverfahrens gemäà Artikeln 108 und 111 der Verfassung der Ukraine â nicht der Verfassung, und das offizielle Russland nahm fortan den Standpunkt ein, in der Ukraine habe es einen âverfassungswidrigen Umsturzâ gegeben.cite-ref-berst-rzte-flucht-janukowitsch-79-0[79] Ab dem 27. Februar 2014 begann Russland seine zunächst verdeckte Intervention auf der Krim und wenige Tage nach dem Referendum vom 16. März annektierte es diese.cite-ref-krim-mdr-bpb-2-2[2] Von Beginn an wurde der russischen Regierung von einigen westlichen Medien vorgeworfen, Unruhen während und nach dem Euromaidan zu schĂźren in der Absicht, den mehrheitlich russischsprachigen Osten und SĂźden der Ukraine zu destabilisieren.cite-ref-80[80] Die meisten russischen Medien hingegen vermitteln einen komplett anderen Standpunkt zu den Ereignissen.cite-ref-81[81]
Am 27. Februar wurde von der Werchowna Rada, dem ukrainischen Parlament, eine Ăbergangsregierung unter Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk gewählt.cite-ref-82[82] Nicht mehr im Kabinett vertreten war die bis dahin in Regierungsverantwortung stehende und an Russland angelehnte Partei der Regionen, deren Parlamentsfraktion in der Rada nach dem Austritt von mindestens 72 Abgeordneten geschwächt war und zusammen mit den Kommunisten in die Opposition wechselte.cite-ref-83[83] Zuvor, am 23. Februar 2014, hatte das Parlament eine Herunterstufung des Status der russischen Sprache beschlossen, das dazu nĂśtige Ănderungsgesetz wurde jedoch vom Ăbergangspräsidenten Oleksandr Turtschynow mit einem Veto blockiert. Damit hatte Russisch nie seinen offiziellen Status im SĂźden und Osten des Landes verloren.cite-ref-84[84]cite-ref-85[85] Nach dem Regierungswechsel fanden Demonstrationen statt, die prorussisch oder proukrainisch genannt wurden; die prorussischen Anliegen blieben in ihrem genauen Ziel unscharf, und russische Fahnen wurden auch nur verwendet, um der groĂen Zahl der Europafahnen etwas entgegenzusetzen. Die Anzahl der Demonstranten und die der Gegendemonstranten waren ungefähr ausgeglichen; Ukrainer reisten fĂźr die Gegendemonstrationen in andere Landesteile, während Teilnehmer der prorussischen Demonstrationen zum Teil aus Russland stammten.
Am 18. März griff der Ministerpräsident Forderungen der Oppositioncite-ref-feder-86-0[86] auf und stellte in einer an die BevĂślkerung der Ostukraine gerichteten Rede eine neue Verfassung in Aussicht, die den Regionen mehr Autonomie geben sollte.cite-ref-neue-verfassung-87-0[87] Das Hauptziel der dortigen Demonstranten war nicht der Anschluss an Russland, sondern mehr Unabhängigkeit von der Zentralregierung.cite-ref-ntv-emmerich-88-0[88] Nach Teilnehmerangaben war das Zeigen russischer Fahnen während der Demonstrationen nicht so zu verstehen, dass man Teil Russlands werden wollte, sondern als âAntwort auf die Europa-Flaggen auf dem Maidanâ.cite-ref-89[89] Landesweit stammten die BefĂźrworter einer Annäherung an Europa aus einer jungen, bĂźrgerlichen und urbanen Mittelschicht, während die EU-Gegner eher einer ruralen und oft älteren oder unterprivilegierten BevĂślkerung entstammten.cite-ref-90[90]cite-ref-91[91]cite-ref-92[92]
Nach der Charta von Paris von 1990 sollten zukĂźnftig Menschenrechte und demokratische Werte das GrundgerĂźst eines von seiner Vergangenheit befreiten Europas bilden.cite-ref-1-93-0[93] Russland hatte seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 aber an der Hegemonie Ăźber den postsowjetischen Raum festgehalten; fĂźr Russland lag die Ukraine im sogenannten ânahen Auslandâ oder in der âSphäre seiner privilegierten Interessenâ.cite-ref-94[94] Keineswegs gehe es Russland um vĂślkerrechtliche Fragen, sondern um Machtinteresse, so Erich Csitkovits. FĂźr die Souveränität eines jeden Staates gelte hingegen die Maxime, dass jeder âseine Ausrichtung frei entscheidenâ kĂśnne.cite-ref-erich-95-0[95]cite-ref-96[96] Mehr denn je beanspruchte Putin eine russische âexklusive eigene Hegemonialsphäreâ betreffend die Ukraine.cite-ref-kappeler333-97-0[97] Auf der anderen Seite bestand das Interesse der USA darin, die Ukraine in die US-amerikanische Einflusssphäre zu ziehen. Dieser Ansatz wurde auch unter der Präsidentschaft von Barack Obama von AuĂenministerin Hillary Clinton (2009 bis 2013) fortgefĂźhrt, auch wenn Obama selbst diesen Ansatz im Zuge seines Neustarts mit Russland zurĂźckstellte.cite-ref-6-98-0[98]cite-ref-erich-95-1[95] Somit Ăźberlagerten sich geopolitische Interessen Russlands mit denen der EU und der Vereinigten Staaten, was den Konflikt wesentlich mit herbeigefĂźhrt hat.cite-ref-6-98-1[98]cite-ref-erich-95-2[95]cite-ref-99[99]
Im FrĂźhjahr 2014 nahm Wladimir Putin Bezug auf eine historische Region im Osten und SĂźden der Ukraine namens Neurussland, die im späten 18. Jahrhundert Teil des Russischen Reichs wurde.cite-ref-plathneurussland-100-0[100] Er verwendete den Begriff, um AnsprĂźche Russlands auf die SĂźd- und Ostukraine historisch zu untermauern.cite-ref-101[101] Putin kritisierte die Grenzziehung der frĂźhen SowjetfĂźhrung bei der GrĂźndung der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik (USSR) und erklärte: âIch erinnere daran â das ist Neurussland. Charkiw, Donezk, Luhansk, Cherson, Mykolajiw, Odessa â sie gehĂśrten in zaristischer Zeit nicht zur Ukraine, sondern wurden ihr von der Sowjetregierung Ăźbergeben. Weshalb sie dies tat, das weiĂ allein Gott.â Diese laut Putin willkĂźrliche Grenzziehung fĂźhrte dazu, dass etwa 8 Millionen ethnischer Russen in der Ukraine, also auĂerhalb Russlands, lebten. Dies verwendete Putin fĂźr eine aggressive Ukrainepolitik, die, so der Historiker Andreas Kappeler, imperial und von einem ethnonationalen Revisionismus geprägt sei. Tatsächlich fielen die Grenzen der USSR mit den in Volkszählungen ermittelten ethnischen Grenzen zusammen. Die USSR umfasste also die Gebiete mit einer ukrainischen BevĂślkerungsmehrheit.cite-ref-102[102] Zudem war Putins geographische Definition von Neurussland ahistorisch, da die im 18. Jahrhundert entstandene Provinz auf die Steppe nĂśrdlich des Schwarzen Meeres begrenzt gewesen war und sich nicht bis nach Charkiw, Luhansk oder Donezk erstreckt hatte.cite-ref-103[103] Neben lokalen Aktivisten beteiligten sich am Neurusslanddiskurs auch russische Nationalisten und Mitglieder des 2012 gegrĂźndeten ultranationalistischen Isborsk-Klubs. Alexander Dugin richtete eine Website ein, auf der er vorschlug, die Idee Neurussland und die bis dahin konkurrierenden Konzepte Eurasien und Russische Welt miteinander zu verbinden.cite-ref-plathneurussland-100-1[100]
Ein gewichtiger Grund fßr das Verhalten Russlands ist die Furcht der Machtelite im Kreml vor einer ähnlichen Bßrgerrevolution in Russland. Eine erfolgreiche Demokratisierung im Bruderland Ukraine hätte fßr Russland eine Vorbildfunktion, was der Kreml durch die Destabilisierung der Ukraine verhindern wollte.cite-ref-104[104]cite-ref-kappeler333-97-1[97]
Eine Umfrage des Kyiv International Institute of Sociology (KIIS) zwischen dem 8. und 16. April 2014 in den acht Üstlichen und sßdlichen ukrainischen Oblastencite-ref-105[105] ergab, dass lediglich 11,7 % der Befragten mehr oder minder starke Sympathie fßr die bewaffneten Besetzer Üffentlicher Gebäude in ihrer Region aufbrachten; in den Bezirken Donezk und Luhansk waren es 18,1 % bzw. 24,4 % der Befragten.cite-ref-106[106]cite-ref-kiis-umfrage-april-2014-107-0[107]
Einen Beitritt ihrer jeweiligen Oblast zur Russischen FĂśderation befĂźrworteten 15,4 % der Befragten, in Donezk dagegen 27,5 % und in Luhansk 30,3 %. Die Euromaidan-Unruhen sahen 41,7 % der Befragten lediglich als âBĂźrgerproteste gegen Korruption und Tyrannei der Diktatur Janukowytschâ an, in Donezk 20 % und in Luhansk 26,8 %. Jedoch werteten 46 % der Befragten diese Geschehnisse als einen âvon der Opposition mit Hilfe des Westens organisierten Staatsstreichâ, in Donezk sogar 70,5 % und in Luhansk 61,3 %.cite-ref-kiis-umfrage-april-2014-107-1[107]cite-ref-108[108]cite-ref-faz-veser-umfrage-109-0[109]
Von der Eskalation ab März 2014 bis zu den Protokollen von Minsk
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Hauptartikel
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Krieg im Donbass
Zur Bekämpfung sezessionistischer Bestrebungen wurden deren AnfĂźhrer verhaftet und angeklagt. Demonstrationen wurden zeitweise verboten, wie auch zeitweise die Ausstrahlung russischer Fernsehsender im ukrainischen Netz.cite-ref-diepresse-110-0[110]cite-ref-111[111]cite-ref-112[112] Der ukrainische Ăbergangspräsident Oleksandr Turtschynow machte am 15. März âKreml-Agentenâ fĂźr die Massenproteste verantwortlich und warnte vor einer russischen Invasion im Osten des Landes. Russland wurde beschuldigt, den Separatismus im Land mit reisenden Aufwieglern entlang der Grenzen anzustacheln â die GrĂźndung einer ukrainischen Nationalgarde sollte u. a. zum Grenzschutz dienen.cite-ref-113[113]cite-ref-reuters-114-0[114]cite-ref-115[115]
Nach Medienberichten, wonach Russen in Bussen Ăźber die Grenze gekommen seien, um fĂźr einen Anschluss an Russland zu demonstrieren, erwog Andrij Parubij, Sekretär des Sicherheits- und Verteidigungsrats, am 18. März die EinfĂźhrung einer Visumspflicht fĂźr russische StaatsbĂźrger.cite-ref-116[116] Am 20. März sprach sich Jazenjuk jedoch gegen die Visumspflicht aus, weil an der Beibehaltung des visumfreien Verkehrs eine groĂe Zahl von BĂźrgern sehr interessiert sei â in erster Linie solche BĂźrger im SĂźden und Osten des Landes, die in Russland arbeiten oder Verwandte haben.cite-ref-117[117] Erst am 17. April 2014 verhängte die ukrainische Ăbergangsregierung verschärfte Einreisekontrollen fĂźr männliche russische BĂźrger im Alter zwischen 16 und 60 Jahren und fĂźr Krimbewohner.cite-ref-118[118]cite-ref-119[119] Seit dem 18. März waren â explizit an die Menschen im Osten gerichtetcite-ref-120[120] â DezentralisierungsmaĂnahmen eingeleitet worden, die in den folgenden Jahren mit Kompetenzerweiterungen auf kommunaler Ebene umgesetzt wurden.cite-ref-121[121] Ebenfalls am 20. März forderte die Ăbergangsregierung die Mitglieder der sogenannten âSelbstverteidigungskräfteâ des Kiewer Unabhängigkeitsplatzes zur Abgabe aller illegalen Waffen bis zum Folgetag auf.cite-ref-waffen-abgeben-122-0[122] Nach Ausrufung der âVolksrepublik Donezkâ erklärte Ăbergangspräsident Turtschynow am 7. April, man werde eine Abspaltung nach dem Vorbild der Krim nicht zulassen. Gegen diejenigen, die zu den Waffen gegriffen hätten, werde nach einem Ultimatum, das bei Abgabe von Waffen Straffreiheit garantierte, durchgegriffen.cite-ref-123[123] Am 11. April kĂźndigte Turtschynow an, die ukrainische Armee werde gegen die Bewaffneten eingesetzt werden.
In der Nacht vom 10. auf den 11. April Ăźberschritt eine mit automatischen Waffen ausgerĂźstete Gruppe von rund 50 Mann von Rostow am Don kommend die russisch-ukrainische Grenze. AngefĂźhrt wurde die Gruppe von Igor Girkin, Kampfname âStrelkowâ. Girkin war russischer StaatsbĂźrger und war bis 2013 fĂźr den russischen Inlandsgeheimdienst FSB aktiv. Am 12. April besetzten die Männer die Polizeiwache in Slowjansk, rund 90 km nĂśrdlich von Donezk gelegen. Am folgenden Morgen gerieten ukrainische Spezialeinheiten in der Nähe der Stadt in einen Hinterhalt. Dabei wurde ein Offizier des ukrainischen Sicherheitsdienstes SBU getĂśtet und drei weitere Mitglieder der Sicherheitskräfte verletzt. Dies war das erste Todesopfer in einer bewaffneten Auseinandersetzung im Osten der Ukraine und markierte nach der Methodik des Uppsala Conflict Data Programs das Ăberschreiten der Trennlinie zwischen Frieden und bewaffnetem Konflikt. Die Gruppe wurde finanziert und angewiesen vom Kreml-nahen russischen Oligarchen Konstantin Malofejew und dem Ministerpräsidenten der Autonomen Republik Krim Sergei Aksjonow, der nach russischem Recht ein russischer Staatsbeamter war.cite-ref-124[124] In einem Interview fĂźr die russische rechtsextreme Wochenzeitung Sawtra (Morgiger Tag) erklärte Girkin im November 2014: âDen AuslĂśser zum Krieg habe ich gedrĂźckt. Wäre unsere [bewaffnete] Einheit nicht Ăźber die Grenze [aus Russland in die Ukraine] gekommen, wäre alles so ausgegangen wie in Charkiw und Odessa.âcite-ref-125[125]
Am 14. April 2014 lief das Ultimatum mit Straffreiheit ab, das der ukrainische Innenminister Arsen Awakow dem Militäreinsatz vorausgehen lieĂ; im Brennpunkt solle die Stadt Slowjansk stehen. In Kiew wandte sich der Vorsitzende der Partei der Regionen, Alexander Jefremow, gegen den âEinsatz der Armee gegen BĂźrgerâ und Julija Tymoschenko befĂźrchtete das Eingreifen Russlands.cite-ref-126[126]
Am 15. April 2014 begann der Einsatz der ukrainischen Armee. Der Flugplatz Kramatorsk wurde von Luftlandetruppen gestĂźrmt.cite-ref-127[127] Die Armee war jedoch fĂźr einen solchen Einsatz weder ausgebildet noch ausgerĂźstet. Am 16. April geriet der Sondereinsatz bei Kramatorsk ins Stocken, als sich dem vorrĂźckenden Militär mehrfach Zivilisten in den Weg stellten.cite-ref-128[128] Einzelne Besatzungen stellten sich auf die Seite der prorussischen Separatisten, da âsie nicht auf das eigene Volk schieĂen wolltenâ.cite-ref-129[129]cite-ref-130[130] In einem Dorf bei Kramatorsk wurde eine Kolonne von Dorfbewohnern umringt und an der Weiterfahrt gehindert. Der Kommandeur der Truppe bot schlieĂlich an, die Waffen zu entladen und in seine Kaserne zurĂźckzukehren.cite-ref-131[131] Beim Versuch, eine Kaserne der ukrainischen Armee in Mariupol zu stĂźrmen, wurden nach Angaben der ukrainischen Ăbergangsregierung drei der etwa dreihundert Aufständischen von den Soldaten erschossen und 13 verwundet. 63 Personen seien in Gewahrsam genommen worden.cite-ref-132[132]cite-ref-133[133]
Ăber Ostern, während eines ersten diplomatischen LĂśsungsversuchs, der in der gemeinsamen Genfer Erklärung vom 17. April der AuĂenminister der USA, Russlands, des AuĂenbeauftragten der EU und des InterimsauĂenministers der Ukraine vereinbart worden war, wurde der Sondereinsatz unterbrochen. Separatisten in der Ostukraine lehnten eine direkte Räumung besetzter Gebäude ab. In Ăbereinstimmung mit dem russischen AuĂenministerium forderten sie zuerst die âAbgabe von Waffen der Milizen des Rechten Sektorsâ in Kiew, auĂerdem ein Ende des Militäreinsatzes der ukrainischen Regierung sowie das Recht auf russische StaatsbĂźrgerschaft.cite-ref-134[134]
Am 22. April 2014 ordnete Ăbergangspräsident Turtschynow die Wiederaufnahme der âAntiterrormaĂnahmenâ im Osten des Landes an. Es seien am selben Tag Leichen von âbrutal gefoltertenâ Menschen in der Nähe von Slowjansk gefunden worden, darunter ein von separatistischen Milizen entfĂźhrtes Mitglied der Vaterlandspartei.cite-ref-135[135] Zuvor wurden der 19-jährige Student Jurij Poprawka, der 25-jährige Jurij Djakowskyj und der Lokalpolitiker Wolodymyr Rybak, der versucht hatte, die ukrainische Flagge am Stadtrat von Horliwka wieder anzubringen, entfĂźhrt. Ihre Leichen wurden später im Fluss Kasennyj Torez entdeckt und wiesen Folterspuren auf. Igor Girkin bekannte sich im Mai 2020 in einem Interview dazu, den Befehl gegeben zu haben, Poprawka und Djakowskyj erschieĂen zu lassen. Zudem erklärte er, an der TĂśtung des Lokalpolitikers Wolodymyr Rybak beteiligt gewesen zu sein.cite-ref-136[136] Es handelte sich um eines der ersten Kriegsverbrechen während des Krieges.cite-ref-137[137]
Am 23. April räumte Wjatscheslaw Ponomarjow ein, dass unter den regierungsfeindlichen Kämpfern auch Freiwillige aus dem Ausland seien. Er bestand darauf, dass es sich nicht um russische Spezialeinheiten, sondern um âFreundeâ und âFreiwilligeâ handele.cite-ref-138[138] Am 30. April räumte Ăbergangspräsident Turtschynow ein, die ukrainische Regierung habe die Kontrolle Ăźber Teile der Gebiete Donezk und Luhansk verloren; sie seien in den Händen moskautreuer Kämpfer. Die Ereignisse zeigten die âMachtlosigkeit und in einigen Fällen kriminelle Niedertrachtâ der Polizei.cite-ref-139[139]cite-ref-140[140]
Im Verlauf des 2. Mai 2014 starben in Odessa insgesamt 48 Personen, die meisten Todesopfer (mehr als 40) forderte ein am Abend durch Molotow-Cocktails entstandenes Feuer im zentralen Gewerkschaftshaus der Stadt.cite-ref-unhchr-21video-141-0[141]
Am 3. Mai stßrmten 5000 Krimtataren die Grenze zwischen dem ukrainischen Festland und der von Russland annektierten Krim-Halbinsel, obwohl russische Spezialkräfte versuchten, die Grenze abzusichern. Sie wollten damit ihrem Anfßhrer Mustafa Abduldschemil Dschemilew die Einreise auf die Krim ermÜglichen, die ihm von Russland untersagt worden war.cite-ref-142[142]cite-ref-143[143]cite-ref-144[144]
Regionale Referenden im Mai 2014
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Hauptartikel
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Referendum im Osten der Ukraine 2014
Bereits unmittelbar nach der sog. Genfer Erklärung hatten prorussische Aktivisten ein Referendum fĂźr den 11. Mai 2014 angekĂźndigt. In dieser Befragung sollte Ăźber eine nicht genauer definierte Eigenständigkeit einer âVolksrepublik Donezkâ abgestimmt werden.cite-ref-tele190414-145-0[145]cite-ref-146[146] Am 27. April 2014 riefen Aufständische in der nordĂśstlich angrenzenden Oblast Luhansk eine âVolksrepublik Luganskâ aus, dort sollte ebenfalls am 11. Mai 2014 eine Befragung zur Eigenständigkeit durchgefĂźhrt werden. Russlands Präsident Putin forderte die Separatisten am 7. Mai 2014 auf, das geplante Referendum zu verschieben, um âdie Bedingungen fĂźr einen Dialog zu schaffenâ.cite-ref-147[147]
Am 8. Mai erklärte die ukrainische Ăbergangsregierung ihre Bereitschaft zu einem nationalen Dialog, in dem ein âKonsens Ăźber SchlĂźsselfragen der ukrainischen Gesellschaftâ erzielt werden solle.cite-ref-zeit-merkel-putin-148-0[148]
Während der Befragung wurden widersprĂźchliche Konsequenzen einer Zustimmung formuliert: Roman Ljagin als Wahlleiter der âZentralen Wahlkommissionâ erklärte, der Status der Region bleibe nach dem Referendum unverändert, es gehe nur um den Ausdruck des Willens zur Selbstbestimmung.cite-ref-151[151] Am 11. Mai 2014 wurden die Befragungen der prorussischen Aktivisten durchgefĂźhrt: Die Art der DurchfĂźhrung und Auszählung der Stimmen âunter Waffenâ sowie die unglaublich schnell publizierten Resultate von knapp 90 (Donezk) und 96 Prozent (Luhansk) fĂźr eine Autonomie waren unglaubwĂźrdig.cite-ref-152[152] Sowohl Vorbereitung als auch DurchfĂźhrung entsprachen noch weniger den internationalen Standards als schon das Referendum auf der Krim.cite-ref-153[153]
Stahlarbeiter der Unternehmen von Rinat Achmetow marschierten am 15. Mai in Arbeitskleidung in fßnf Städte. Man wolle keine politische Botschaft verbreiten, sondern die Ordnung wiederherstellen, wurden die Männer zitiert. Von prorussischen Paramilitärs und Zivilisten, die sie in den letzten Tagen und Wochen unterstßtzt hatten, wurde berichtet, dass sie verschwunden seien. Unter Einsatz ihrer Betriebsfahrzeuge begannen die Stahlarbeiter, Barrikaden zu demontieren, und gingen gemeinsam mit Polizisten auf Patrouillen.cite-ref-154[154] Aus der Stadt Mariupol wurden die prorussischen Paramilitärs vertrieben.cite-ref-155[155]
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Hauptartikel
:
Kampf um Mariupol 2014
Am 20. Mai 2014 war der AuĂenminister der Ukraine auf Staatsbesuch in Berlin, wo man die Kiewer Position der Nichtteilnahme der Separatisten aus Donezk und Luhansk an den âRundtisch-Gesprächenâ unterstĂźtzte, während Präsident Wladimir Putin erneut auf deren Teilnahme bestand.cite-ref-unhcr-mai-156-0[156]
Die âVolksrepublikenâ Donezk und Lugansk grĂźndeten am 24. Mai 2014 eine KonfĂśderation Neurussland, deren Flagge von einer Kriegsfahne der zaristischen Marine inspiriert war und offenbar nicht zufällig der Flagge der KonfĂśderierten Staaten von Amerika ähnelte.cite-ref-plathneurussland-100-2[100]
Am 26. Mai, einen Tag nachdem Petro Poroschenko zum Präsidenten gewählt worden war, besetzten regierungsfeindliche Kräfte den Flughafen von Donezk. Der Präsident hatte seine erste Dienstreise in das halbwegs verschonte Donezk unternehmen wollen, um zu vermitteln.cite-ref-157[157] Die Rebellenstellungen wurden von ukrainischen Kampfhubschraubern und Truppen angegriffen. Dabei wurden mindestens 50 Freischärler getÜtet; die Leichen von 31 von ihnen wurden in ihre Heimat Russland ßberfßhrt.cite-ref-158[158] Der Journalist Christopher Miller besuchte am nächsten Tag den Zentralfriedhof, wo 33 Leichen angeliefert wurden. Fast alle hatten russische Pässe.cite-ref-159[159]
Siehe auch
:
Erste Schlacht um den Flughafen Donezk
Am 27. Mai verlautete aus dem Umfeld des Gouverneurs der Oblast Donezk, Serhij Taruta, dass mittlerweile nur noch 20 % der kämpfenden Aufständischen aus der Region selbst stammten, die restlichen 80 % der âSĂśldnerâ seien âimportiertâ.cite-ref-160[160] âUnsere klare Erwartung an Moskau ist, dass es seine MĂśglichkeiten einer Einflussnahme auf die unterschiedlichen Separatisten-Gruppen nutzt und gemeinsam mit der neuen ukrainischen FĂźhrung das weitere Einsickern von Kämpfern und Waffen Ăźber die russisch-ukrainische Grenze unterbindetâ, sagte dazu der deutsche AuĂenminister Frank-Walter Steinmeier am 30. Mai.cite-ref-einsickern-unterbinden-161-0[161] In den umkämpften Städten Slowjansk, Donezk oder Kramatorsk standen junge Ukrainer oft kampf- und kriegserfahrenen Freischärlern gegenĂźber.
Am 29. Mai wurde vor der Stadt Slowjansk von prorussischen Kräften ein Hubschrauber der ukrainischen Armee abgeschossen. Dabei wurden 14 ukrainische Soldaten getĂśtet, darunter ein General.cite-ref-162[162] Der ukrainische Verteidigungsminister kĂźndigte am 30. Mai an, der Einsatz der Armee werde so lange weitergefĂźhrt werden, âbis das normale Leben wieder Einzug in der Region hältâ.
Seit dem Beginn der Offensive des ukrainischen Militärs Mitte April waren zu diesem Zeitpunkt in der Region bereits mehr als 200 Menschen getĂśtet worden.cite-ref-163[163] Die Regierung in Kiew und das US-AuĂenministerium warfen Russland vor, die prorussischen Milizen mit weiteren Freischärlern und Waffen zu unterstĂźtzen, diesmal hatte Russland den Milizen Panzer und Raketenwerfer Ăźberlassen.
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Hauptartikel
:
Kämpfe an der ukrainisch-russischen Grenze (2014)
In der Nacht zum 14. Juni schossen prorussische Milizen eine Iljuschin Il-76 der ukrainischen Luftwaffe beim Landeanflug auf den Flughafen Luhansk mit einer Boden-Luft-Rakete vom Typ 9K38 Igla und groĂkalibrigen Maschinengewehren ab. Die neun Besatzungsmitglieder und 40 Fallschirmjäger kamen ums Leben.cite-ref-164[164]cite-ref-165[165] Der ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Kowal erklärte am 14. Juni bei einem Treffen mit Poroschenko, in den vergangenen Tagen seien mehr als 250 Freischärler getĂśtet worden. Ein âbedeutender Teilâ von ihnen seien Russen gewesen.cite-ref-166[166]
Am 17. Juni sagte Andrij Parubij, Russland habe seine Truppen an der Grenze zur Ukraine wieder aufgestockt.cite-ref-167[167] Der russische Verteidigungsminister Schoigu bestätigte den Aufmarsch von Truppen an der ukrainischen Grenze als âSicherheitsmaĂnahmeâ. Pläne fĂźr einen Einmarsch dementierte der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses der russischen Staatsduma, Wladimir Komojedow.cite-ref-168[168]
Die diplomatischen Beziehungen zwischen Kiew und Moskau verschlechterten sich im Juni 2014 weiterhin.cite-ref-truppen-marschieren-169-0[169] Der ukrainische AuĂenminister Andrij Deschtschyzja erklärte, Russland verhindere nicht, dass Verstärkung fĂźr die Freischärler Ăźber die gemeinsame Grenze gelange. Sollte Russland weiterhin zur Verschärfung der Lage im Osten der Ukraine beitragen, mĂźsse die Ukraine als âletztes Mittelâ die diplomatischen Beziehungen zu Russland abbrechen.cite-ref-170[170] Während der tatsächliche Einfluss Moskaus auf die Separatisten unbekannt bleibt, deuten Indizien auf eine Beteiligung âirgendwo zwischen bewusstem Wegsehen und aktiver UnterstĂźtzungâ, Arsen Awakow zeigte online das Bordbuch eines SchĂźtzenpanzers, der am 31. Mai aus einem russischen Waffenplatz ausgebucht worden sein soll,cite-ref-nzz-feuerpause-35-1[35] schrieb die NZZ. So seien âLastwagen mit GeschĂźtzen, gepanzerte Truppentransporter oder gar Kampfpanzerâ nicht Dinge, âdie einem Grenzwächter einfach so entgehen, wenn er gerade kurz nicht aufgepasst hatâ. In der Ukraine wurden Provokationen an der Grenze befĂźrchtet, die zu einer offenen Intervention aus Russland fĂźhren kĂśnnten.cite-ref-171[171]
Bei Kämpfen zwischen Separatisten und Regierungstruppen sowie bei Angriffen auf Üffentliche Einrichtungen waren von Mitte April bis Mitte Juni 2014 mehr als 300 Menschen ums Leben gekommen, wobei die weitaus meisten Zivilisten waren.cite-ref-un15614-172-0[172]
Waffenruhe der Regierung Ende Juni 2014
Ab 21. Juni wurde vom ukrainischen Präsidenten Poroschenko einseitig ein einwĂśchiger Waffenstillstand ausgerufen, der zunächst von den Separatisten nicht angenommen, aber vom russischen Präsidenten â wie schon frĂźher â unter dem Vorbehalt begrĂźĂt wurde, dass die ukrainische Regierung direkte Gespräche mit den Separatisten fĂźhren solle.cite-ref-173[173] Während der ganzen zehntägigen Waffenruhe wurde das Hauptanliegen der Ukraine, eine bessere Kontrolle der Grenze durch Russland, von Russland zwar als MĂśglichkeit mit internationalen Beobachtern âerĂśrtertâ,cite-ref-nyt29062014-174-0[174] wurde aber bis auf nur gerade die Beobachtung von 2 Zonen von je einigen hundert Metern Breite, dies erst einen Monat später, nicht umgesetzt.cite-ref-us-osce24-175-0[175]
Am 22. Juni bot Poroschenko in einer Fernsehansprache âgemäĂigten Aufständischenâ Gespräche an. Mit militanten prorussischen Gruppen, die âTerrorakte, Morde oder Folterâ begangen hätten, sei hingegen kein Dialog mĂśglich, auch stehe die territoriale Einheit der Ukraine nicht zur Disposition. Die prorussischen Separatisten erklärten, nur unter Vermittlung Russlands mit der Regierung in Kiew sprechen zu wollen.cite-ref-176[176]
Am 23. Juni verkßndeten im Raum Donezk auch die prorussischen Separatisten eine Waffenruhe. Als Reaktion auf Poroschenkos Gesprächsangebot werde das Feuer bis zum 27. Juni eingestellt. Laut Separatistenfßhrer Alexander Borodai kÜnnten während der Feuerpause Verhandlungen ßber eine Friedensregelung beginnen.cite-ref-177[177] Unmittelbar vorausgegangen war ein Treffen von Separatistenfßhrern mit der Schweizer Diplomatin Heidi Tagliavini als damaliger Vertreterin der OSZE und dem ukrainischen Ex-Präsidenten Leonid Kutschma als Abgesandtem Poroschenkos.cite-ref-178[178] Am 24. Juni wurde ein Hubschrauber der ukrainischen Regierung abgeschossen.cite-ref-179[179]
Mehrere Vertreter der Separatisten machten auch noch im Laufe des folgenden Wochenendes den âAbzug der ukrainischen Truppen aus den umkämpften Gebietenâ zur Bedingung fĂźr Gespräche.cite-ref-bedingungen-und-waffen-180-0[180]
Die Reaktionen der Bewaffneten auf die Waffenruhe waren widersprĂźchlich, manche Gruppen hatten der Verlängerung des Waffenstillstands zugestimmt, andere Rebellengruppen setzten die Kämpfe offenbar fort. So eroberten Aufständische am 27. Juni eine Munitionsfabrik bei Donezk.cite-ref-nyt29062014-174-1[174] Der Waffenstillstand wurde seitens der Separatisten einhundert Mal gebrochen und 27 ukrainische Soldaten verloren dabei ihr Leben.cite-ref-bruchwst-183-0[183]cite-ref-184[184] Trotz der Zwischenfälle gab SeparatistenfĂźhrer Borodai bekannt, die Verpflichtungen gegenĂźber der Ukraine erfĂźllt zu haben, nachdem die beiden Gruppen von OSZE-Beobachtern freigelassen worden waren, die seine Leute vor einiger Zeit verschleppt hatten.cite-ref-185[185] Die ebenfalls geforderte Ăbergabe mehrerer Grenzposten an der Grenze zu Russland durch die Rebellen an ukrainische Verbände erfolgte jedoch nicht.cite-ref-nyt29062014-174-2[174]
Abbruch der Waffenruhe und ukrainische RĂźckeroberung von Slowjansk und Vormarsch auf Donezk und Luhansk
In einer Telefonkonferenz mit den Präsidenten Russlands, Frankreichs und der deutschen Bundeskanzlerin am 29. Juni 2014 beklagte der ukrainische Präsident Poroschenko, dass Russland noch immer Kämpfer und Kriegsgerät Ăźber die Grenze in die Ostukraine schleuse und sich die Kämpfer der Separatisten nicht an den Waffenstillstand hielten. Am gleichen Tag demonstrierten in Kiew AngehĂśrige der freiwilligen Kampfverbände gegen eine Verlängerung der von Präsident Poroschenko verfĂźgten Waffenruhe. Sie forderten ihn auf, das Kriegsrecht zu verhängen und die ausgesetzte Antiterroroperation gegen prorussische Bewaffnete in der Ostukraine wieder aufzunehmen.cite-ref-186[186]cite-ref-bruchwst-183-1[183] Am Folgetag verkĂźndete der ukrainische Präsident Petro Poroschenko, dass man die ausgelaufene Waffenruhe in der Ostukraine nicht verlängert habe, sondern die âAntiterroroperation der Armee gegen die Separatistenâ fortsetze.cite-ref-187[187]
Ab dem 1. Juli beschossen die ukrainischen Streitkräfte wieder Stellungen von Separatisten im Osten der Ukraine. Auch die Luftwaffe kam zum Einsatz, wobei regierungsfeindliche Kräfte den Abschuss zweier Flugzeuge meldeten.cite-ref-188[188]
Am 3. Juli bestätigte das ukrainische Parlament Walerij Heletej als neuen Verteidigungsminister.cite-ref-189[189] Am selben Tag umstellten AngehÜrige des Bataillons Donbass in Kiew das ukrainische Parlament. Als Begrßndung wurde angegeben, man befßrchte terroristische Anschläge von prorussischen Gruppen.cite-ref-190[190] Währenddessen lieferte sich die Armee mit den Separatisten einen Artillerie-Schusswechsel bei Slowjansk.cite-ref-191[191]
Am 5. Juli 2014 hatte die ukrainische Armee die Stadt Slowjansk von den Separatisten zurĂźckerobert. Diese konzentrierten sich darauf, Donezk zu halten, und hatten sich auch aus Kramatorsk zurĂźckgezogen. Bis zum 7. Juli 2014 nahm die ukrainische Armee weitere Ortschaften ein, darunter die grĂśĂeren Städte Druschkiwka, Bachmut und Kostjantyniwka.cite-ref-192[192]cite-ref-193[193] Nach diesem Vormarsch waren Teile der Truppen gebunden, weil sie verminte Gebäude und StraĂen in diesen Städten säubern mussten.cite-ref-194[194] 700 Minen an Häusern, BrĂźcken und StraĂen seien alleine bis zum 7. Juli entschärft worden.cite-ref-195[195] Zwei EisenbahnbrĂźcken und eine StraĂenbrĂźcke wurden von den Separatisten zerstĂśrt.cite-ref-196[196] RIA zitiert zudem einen Oberst a. D., der sagt, es käme zu einer Wende zu Gunsten Kiews, wenn es den ukrainischen Regierungskräften gelingt, die Kontrolle Ăźber die GrenzĂźbergänge in den Gebieten Donezk und Luhansk zu Ăźbernehmen. (Damit kĂśnnte der implizit erwähnte Nachschub der Separatisten unterbunden werden.)
Am 14. Juli ging ein ukrainisches Transportflugzeug An-26 sĂźdĂśstlich von Luhansk verloren, zwei Besatzungsmitglieder wurden getĂśtet, 2 wurden von Separatisten festgehalten, 4 weitere entkamen.cite-ref-197[197]cite-ref-198[198] Der ukrainische Verteidigungsminister Heletej machte indirekt Russland fĂźr den Abschuss mitverantwortlich. Die Maschine sei in 6500 Meter HĂśhe von einer Rakete getroffen worden und die Separatisten besäĂen keine derart leistungsfähigen Waffen, sodass die Rakete wahrscheinlich von Territorium Russlands aus abgefeuert worden seicite-ref-199[199] oder ein russisches Jagdflugzeug die ukrainische Transportmaschine abgeschossen habe. Separatisten Ăźbernahmen die Verantwortung fĂźr den Abschuss.cite-ref-200[200]cite-ref-201[201]
In der zweiten Julihälfte gelangten die GroĂstadt Sjewjerodonezk, die Stadt Rubischne und der Eisenbahnknoten Popasna in der Oblast Luhansk sowie die Stadt Torezk in der Oblast Donezk unter Kontrolle der ukrainischen Regierungstruppen, während sich die Separatisten in Richtung Donezk zurĂźckzogen und dort Stellungen bei den Städten Awdijiwka und Horliwka ausbauten.cite-ref-202[202]cite-ref-203[203]
Abschuss des Fluges MH17 und weiterer Kriegsverlauf
â
Hauptartikel
:
Malaysia-Airlines-Flug 17
und
Resolution 2166 des UN-Sicherheitsrates
Am 17. Juli 2014 wurde eine Boeing 777, unterwegs als Malaysia-Airlines-Flug 17, mit 298 Menschen an Bord Ăśstlich von Donezk abgeschossen.cite-ref-204[204] Schon gleichentags verwiesen Medien weltweit auf WidersprĂźche, in die die Rebellen sich vor ihrem Dementi verstrickt hätten: SeparatistenfĂźhrer Strelkov habe Ăźber den Abschuss eines militärischen Frachtflugzeugs in dem russischen Online-Netzwerk vk.com gepostet; dieser Eintrag wurde wenig später gelĂśscht.cite-ref-205[205] Ein im Januar 2015 verĂśffentlichter Recherchebericht eines Teams aus Experten des Algemeen Dagblad aus Rotterdam, der Netzwerkspezialisten Correctiv sowie Mitarbeitern des Spiegel kam zu der Feststellung, dass der Abschuss von MH17 weder durch die Kiewer Regierungstruppen noch durch die Separatisten, sondern durch das russische Militär selbst erfolgte von einem Platz aus, der durch die Separatisten kontrolliert wurde. Der Abschuss erfolgte per Boden-Luft-Rakete durch das Buk-Flugabwehrraketensystem mit der Kennung 3x2 â das Zeichen x steht hier fĂźr eine vom Militär unkenntlich gemachte Zahl â der 53. Flugabwehrbrigade aus Kursk.cite-ref-206[206] Der offizielle Untersuchungsbericht bestätigte den Abschuss durch das Buk-System, während fĂźr die Strafuntersuchung Australien, Belgien, Malaysia, die Niederlande und die Ukraine im September 2017 eine weitere Zusammenarbeit zur Ermittlung der Verantwortlichen vereinbarten.
Am 22. Juli gaben Vertreter der USA bekannt, dass das russische Rostow am Don, ihren Erkenntnissen nach, die logistische Drehscheibe fĂźr die UnterstĂźtzung der Separatisten durch Russland sei. Panzer, Raketenwerfer und andere Waffen seien auch noch nach dem Abschuss des malaysischen Passagierflugzeuges in die Ukraine gesandt worden.cite-ref-wp22072014-207-0[207]
Um ihre VorwĂźrfe einer Beteiligung Russlands an den Kämpfen zu untermauern, verĂśffentlichten die USA am 27. Juli unkommentiert kommerziell erhältliche Luftaufnahmen des Anbieters DigitalGlobe, die Selbstfahrlafetten und Brandspuren von Mehrfachraketenwerfern auf der russischen Seite der ukrainisch-russischen Grenze zeigen sollten. Direkt auf den Bildern wurden Einschlagkrater in der Ukraine bei ukrainischen Truppen den Abschussstellungen in Russland zugeordnet. Die Interpretation der Bilder wurde den Medien Ăźberlassen.cite-ref-208[208] Die Aussagen waren dementsprechend unterschiedlich; US-Medien sprachen von ârussischer Artillerieâ, andere Medien nur von ârussischen Kräftenâ. Gemäà dem vom Spiegel befragten Experten ist die wichtigste Information, âdass hier keine Amateure am Werk sind. Um solche ArtilleriemanĂśver und Raketenangriffe zu fahren, muss man ausgebildet sein.(âŚ) Wer sie ausgebildet hat, verraten die Aufnahmen nichtâ.cite-ref-209[209] Bellingcat verĂśffentlichte im Dezember 2016 eine ausfĂźhrliche Studie zu 149 Stellungen, von denen âohne Zweifelâ in die Ukraine geschossen worden war. Weitere 130 Stellungen wurden dabei trotz ihrer Sichtbarkeit auf den kommerziell erhältlichen Satellitenbildern nicht in die Kategorie der gesicherten BeschĂźsse aufgenommen, ebenso wenig Positionen, die mehr als 2 km von der Grenze entfernt waren.cite-ref-210[210]
Der Nationale Sicherheits- und Verteidigungsrat der Ukraine gab am 23. Juli 2014 den Verlust von zwei Erdkampfflugzeugen vom Typ Suchoi Su-25 bekannt. Die beiden Maschinen sollen mit Flugabwehrraketen von russischem Territorium aus in einer HĂśhe von 5200 Metern abgeschossen worden sein. Die Piloten konnten sich mit dem Schleudersitz retten.cite-ref-211[211] Weiter soll laut der ukrainischen Nachrichtenagentur UNIAN ein Raketenwerfer des Typs Tornado mit anderen schweren Waffen die Grenze Ăźberquert haben, also ein System, das sonst nur in Russland existiert.cite-ref-212[212] Es wurden innerhalb weniger Tage zudem mehrere russische Drohnen gesichtet oder abgeschossen, die der Feuerleitung der schweren Artillerie der Separatisten dienen.
WĂśchentlich wurden im Juli im Donbass mehrere BrĂźcken gesprengtcite-ref-213[213] und private Anlagen oder Infrastruktur zerstĂśrt.cite-ref-214[214] Es konnten auch mehrere Terror-Anschläge auf BrĂźcken auĂerhalb umkämpfter Gebiete verhindert werden. Das Eisenbahnunternehmen der Ukraine beziffert die Schäden aus Terrorakten auf dreihundert Millionen Dollar.cite-ref-215[215]
Am 30. Juli 2014 rief der ukrainische Präsident Poroschenko die Separatisten zu Gesprächen in der Hauptstadt von Belarus auf, die dort unter Vermittlung des belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenka stattfänden. An diesen Gesprächen solle auĂer dem frĂźheren Präsidenten Leonid Kutschma und Vertretern der OSZE auch der russische Botschafter in Kiew teilnehmen: Die Separatisten gaben keine eindeutige Antwort auf dieses Angebotcite-ref-216[216]
Westliche Beobachter schätzten weiterhin, dass Russland die Zahl seiner Bodentruppen an der ukrainischen Grenze auf 17 Bataillone mit bis zu 45.000 Soldaten aufgestockt habe. Vereinzelte Sichtungen von Fahrzeugen Russlands mit aufgemalten Friedenstruppensymbolen in dem Gebiet wurden als Vorbereitung einer mÜglichen Intervention unter dem Deckmantel einer Friedensmission interpretiert. Ukrainische Truppen drängten die Separatistenverbände derweil nach ukrainischen Regierungsangaben weiter zurßck und schnitten die Stadt Donezk vom ßbrigen Gebiet der Separatisten ab, nicht jedoch vor der lÜchrigen Grenze zu Russland. Nach wie vor schlossen sich Freiwillige aus Russland den Separatisten als SÜldner an und wurden schwere Waffen aus Russland geliefert.cite-ref-218[218]cite-ref-219[219]
Am 10. August wurde gemeldet, dass die ukrainische Armee Donezk eingekesselt habe.cite-ref-220[220] Am 11. August warnte die deutsche Bundesregierung Russland vor âeigenmächtigen Ukraine-Hilfenâcite-ref-221[221] und EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso warnte Wladimir Putin vor einem militärischen Eingreifen in der Ukraine.cite-ref-222[222]
Russischer âHilfskonvoiâ August 2014 sowie GrenzĂźbertritt russischer Militärtechnik
Am 12. August 2014 brach von der russischen Militärbasis Alabino im SĂźdwesten Moskauscite-ref-223[223] ein russischer Hilfskonvoi mit 280 Lastwagen, angeblich zwecks Transports von humanitären HilfsgĂźtern, zur Ostukraine auf und sollte das Kriegsgebiet laut den ursprĂźnglichen Plänen Ăźber ukrainisches Gebiet erreichen.cite-ref-224[224]cite-ref-225[225] Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) war bereit, âdie Fracht zu Ăźbernehmen und zu verteilenâ,cite-ref-226[226] und forderte Sicherheitsgarantien sowie Informationen hinsichtlich der Fracht.cite-ref-227[227] Viele Lastwagen waren kaum beladen oder sogar leer; die russischen BehĂśrden erklärten, dass dies dem maximalen Ladegewicht und der Notwendigkeit von Reservefahrzeugen geschuldet sei â eine fĂźr Russen âlächerliche BegrĂźndungâ fĂźr einen als Arbeitstier sowie zwĂślfmaligen Rallye-Dakar- und achtmaligen Africa-Eco-Race-Gewinner bekannten Lastwagentyp.cite-ref-wirklich-228-0[228]cite-ref-229[229] Der GroĂteil des Konvois Ăźberquerte die Grenze unkontrolliert: Am 22. August rĂźckten Teile des Konvois ohne Zustimmung der Ukraine auf ukrainisches Gebiet vor. Das Rote Kreuz hatte die von der Ukraine verlangte Begleitung des Konvois durch seine Mitarbeiter aus SicherheitsgrĂźnden abgelehnt.cite-ref-230[230] Der staatliche Nachrichtensender Rossija 24 sendete am 26. August 2014 eine TV-Reportage aus der Maschinenbaufabrik Luhansk. Dort war davon die Rede, eine Maschinenfabrik habe ihre Produktion von Luhansk nach Russland verlegt.cite-ref-231[231] Tatsächlich waren die Lastwagen nach dem Entladen der wenigen HilfsgĂźter auf Parkplätzen vor Maschinenfabriken gesammelt worden. Journalisten wurden nicht mehr in die Nähe gelassen. Nach Beobachtung lokaler Journalisten verlieĂen die Lastwagen die Maschinenfabriken beladen. Ukrainische Fabriken produzierten wichtige Teile fĂźr russische Panzer, Flugzeuge und Schiffsantriebe, schon im Dezember 2013 wurde die Wichtigkeit der ukrainischen Lieferungen betont und am 1. Januar 2014 trat eine russische Verordnung in Kraft, welche die Abhängigkeit vom Ausland reduzieren helfen sollte.cite-ref-wirklich-228-1[228]cite-ref-polemik-232-0[232]cite-ref-233[233]cite-ref-234[234] Währenddessen hatte die Regierung in Kiew am 14. August einen eigenen Hilfskonvoi von 75 Fahrzeugen losgeschickt.cite-ref-235[235]
Am 15. August geriet nach ukrainischer Darstellung eine russische Militärkolonne auf ukrainischem Gebiet unter Artilleriefeuer, die Meldung wurde zwar kontrovers aufgenommen,cite-ref-hysterie-236-0[236] jedoch sollen russische Truppen nach Angaben russischer Menschenrechtler beim verdeckten Munitionstransport fßr Separatisten mehr als 100 Soldaten verloren haben.cite-ref-237[237] Am 14. August 2014 ßberschritten unter den Augen britischer Journalisten 23 Militärfahrzeuge die Grenze der Ukraine.cite-ref-fazvom-14-8-14-238-0[238] In einer Videobotschaft am 16. August 2014 verkßndete Separatistenfßhrer Alexander Sachartschenko, man sei im Begriff, 150 gepanzerte Fahrzeuge und 30 Panzer zu erhalten. Sachartschenko gab wiederholt zu, dass 1000 russische Freiwillige in den Reihen der Separatisten kämpfen.cite-ref-reu160414-239-0[239] Am 17. August wurde bekannt, dass ein weiteres Militärflugzeug der ukrainischen Armee von den Separatisten abgeschossen worden war, und erneut wurde behauptet, dass diese Verstärkung aus Russland erhielten.cite-ref-240[240] Der Sprecher des russischen Präsidenten kommentierte die Aussagen des Separatistenfßhrers vom Vortag und bestritt zumindest die Lieferung von Militärtechnik.cite-ref-241[241]
Ukrainische Stellen meldeten den Verlust eines weiteren Hubschraubers und die Eroberung von zwei Schßtzenpanzern der 76. Luftlandedivision Russlands bei Luhansk. Russische Medien dementierten die Meldung umgehend und gaben an, die bei den Fahrzeugen gefundenen russischen Unterlagen seien seit fßnf Jahren veraltet,cite-ref-242[242] jedoch konnte ein Journalist im Heimatort der Einheit zwei neue Gräber fotografieren,cite-ref-243[243] dazu wurde in Woronesch die Beerdigung eines Zugfßhrers der Einheit gemeldet.cite-ref-244[244]
Die NATO warf der Russischen FÜderation erstmals Üffentlich vor, Artillerieeinheiten ßber die Grenze in die Ukraine geschickt und sie gegen ukrainische Truppen eingesetzt zu haben.cite-ref-245[245] Als die russische Moderatorin einer News-Sendung einen Militär bat, die Anwesenheit russischer Truppen in der Ukraine glaubwßrdig zu dementieren, erhielt sie zur Antwort, sie solle diese Frage nicht stellen, weil die Antwort eine Lßge wäre.cite-ref-246[246]
Intervention regulärer russischer Streitkräfte Mitte August 2014
Bis Anfang August waren die von den Separatisten gehaltenen Gebiete kontinuierlich zusammengeschrumpft. Die Regierungskräfte schienen kurz zuvor die Kontrolle Ăźber die Grenze wiederzuerlangen und einen Keil zwischen die beiden Volksrepubliken DNR und LNR zu treiben; am 20. August erlangten sie die Kontrolle Ăźber Ilowajsk.cite-ref-247[247]cite-ref-galeottiputinswars188-248-0[248] Der neu ernannte Ministerpräsident der DNR Alexander Sachartschenko erklärte am 15. August, dass substanzielle Verstärkung aus Russland eingetroffen sei, bestehend aus 1.200 in Russland ausgebildeten Kombattanten, 150 gepanzerten Fahrzeugen und 30 Panzern.cite-ref-arutunyanhybridwarriors167-249-0[249] Am 24. August erfolgte ein Ăberraschungsangriff von 4000 regulären russischen Armeeeinheiten mit T-72-Panzern der 6. Panzerbrigade und Fallschirmjägern auf Ilowajsk.cite-ref-galeottiputinswars188-248-1[248] Dabei kam das Modell T-72B3 zum Einsatz, das von Russland, aber nicht von der Ukraine verwendet wurde.cite-ref-250[250] Am 26. August wurden zehn festgenommene russische Fallschirmjäger im ukrainischen Fernsehen präsentiert. Die russische Seite behauptete, die in 20 Kilometer Entfernung von der russischen Grenze in Gefangenschaft geratenen Soldaten hätten sich verlaufen.cite-ref-251[251] Einen Tag später wurde die Stadt Nowoasowsk an der KĂźste des Asowschen Meeres eingenommen. Die Separatisten und russischen Nationalisten verwendeten den Begriff âNordwindâ fĂźr die verdeckte Intervention Russlands im Donbass.cite-ref-arutunyanhybridwarriors167-249-1[249]
Reguläre russische Soldaten kämpften laut SeparatistenfĂźhrer Alexander Sachartschenko âfreiwilligâ fĂźr die Separatisten in der Ukraine.cite-ref-252[252] Die russische Menschenrechtsorganisation Memorial hält die freiwillige Teilnahme von Soldaten âim Urlaubâ ohne Genehmigung durch die militärische FĂźhrung fĂźr vĂśllig unglaubwĂźrdig.cite-ref-253[253] Auch die NATO gab am 28. August bekannt, dass russische Truppen die Grenze zur Ukraine Ăźberquert hätten. Artillerie und andere Fahrzeuge der russischen Streitkräfte hätten nach Satellitenaufnahmen die Grenze Ăźberschritten und etwa 1000 Soldaten rĂźckten bei Mariupol vor. Die Truppen hätten ihre Identität verschleiert und trĂźgen weder Hoheitsabzeichen noch andere Identifikationsmerkmale an ihren Uniformen.cite-ref-254[254]
Der Präsident Polens BronisĹaw Komorowski sprach bereits von der DurchfĂźhrung einer Invasion Russlands in der Ukraine.cite-ref-255[255] US-Präsident Obama gab sich Ăźberzeugt, dass russische Truppen das Territorium der Ukraine mehrfach vorsätzlich verletzt hätten, und zwar um die sich abzeichnende militärische Niederlage der Aufständischen zu verhindern.cite-ref-256[256]cite-ref-257[257]
Die Presse berichtete am gleichen Tag von der Einkesselung von rund 7000 ukrainischen Soldaten im sĂźdĂśstlich von Donezk gelegenen Ilowajskcite-ref-258[258] bei Charzysk. In Gesprächen mit Bewohnern von Ilowajsk sprachen diese davon, dass es russische Soldaten waren, die als âFriedenstruppenâ mit den Ukrainern kämpften.cite-ref-259[259] Nach ukrainischen Angaben kamen 366 unbewaffnete ukrainische Soldaten beim mit Russland vereinbarten âsicheren Abzugâ ums Leben.cite-ref-260[260]
Siehe auch
:
Schlacht um Ilowajsk
Am 30. August 2014 meldete das ukrainische Militär, dass russische Panzer das Dorf Nowoswitliwka stark unter Beschuss nähmen und praktisch âjedes Hausâ zerstĂśrten.cite-ref-261[261] Am 1. September 2014 meldeten ukrainische Truppen am Flughafen Luhansk einen Angriff eines russischen Panzerbataillons. Nach schweren Verlusten zogen sich die ukrainischen Truppen vom Flughafen zurĂźck. DafĂźr machte die Ukraine Russland verantwortlich.cite-ref-262[262] Am 3. September fuhr ein groĂer Konvoi der russischen Truppen von Ilowajsk aus wieder zurĂźck Ăźber die Grenze nach Russland.cite-ref-263[263]cite-ref-264[264] Die OSZE-Beobachtermission berichtete am 4. September Ăźber vermehrte militärische Aktivitäten in und um Mariupol, Ăźber schwere Kämpfe in Schyrokyne (24 km Ăśstlich von Mariupol) und Besimenne (34 km Ăśstlich von Mariupol) zwischen der ukrainischen Armee und irregulären Einheiten.cite-ref-265[265]
Protokolle von Minsk und vorläufige Stabilisierung des Konfliktes
Unterzeichnung des Protokolls von Minsk
Bereits im Mai 2014 bezeichnete Deutschland die SchlieĂung der russischen Grenze als wichtigste MaĂnahmecite-ref-einsickern-unterbinden-161-1[161] â es wurde zu einem Kriterium des am 5. September 2014 unterzeichneten Protokolls von Minsk (âMinsk Iâ), welches das Einfrieren der Front unter Aufsicht der OSZE vorsah, die Ăberwachung der russischen Grenze durch die OSZE sowie ein RĂźckzug schwerer Waffen. Die Ăberwachung der russischen Grenze war aber selbst im Dezember 2014 noch nicht erfĂźllt worden, obschon die Chefunterhändlerin der OSZE dies eine Grundvoraussetzung nannte.cite-ref-266[266] Russland erklärte gar, eine âBewachung der russisch-ukrainischen Grenze durch internationale Beobachter (sei) nicht mĂśglich.âcite-ref-267[267]
Der Waffenstillstand blieb von Anfang an brĂźchig â weiterhin starben innerhalb eines Monats Ăźber 300 Menschen, die ersten Zivilisten keine drei Tage nach dem Abkommen.cite-ref-268[268]cite-ref-269[269] Ein russischer âHilfskonvoiâ mit 220 Lastwagen querte die Grenze im September vĂśllig unkontrolliert,cite-ref-270[270] womĂśglich mit Waffen,cite-ref-271[271] bis am 21. Dezember 2014 waren zehn Konvois angekommen, alle grĂśĂtenteils unkontrolliert.cite-ref-272[272]cite-ref-273[273]
â
Hauptartikel
:
Zweite Schlacht um den Flughafen Donezk
Ende September 2014 kam es trotz Waffenstillstands zu einer zweiten Schlacht um das weitläufige Gelände um den Flughafen Donezk. Sämtliche Anlagen des Flughafens wurden innerhalb von drei Monaten durch Artillerie- und Panzerbeschuss nahezu vollständig zerstÜrt.
Der Donezker SeparatistenfĂźhrer Sachartschenko erklärte im Oktober, seine Verbände hätten seit dem Abkommen Ăźber den Waffenstillstand 38 Ortschaften erobert.cite-ref-274[274] Während der russische Präsident die Grenzen der Ukraine âunterstĂźtzeâ,cite-ref-275[275] wurden weitere Panzer aus Russland in die Ukraine verschoben.cite-ref-276[276] Pro Tag melden ukrainische Stellen bis 40 FeuerĂźberfälle durch feindliche Truppen.
In verschiedenen Verlautbarungen der Separatisten wurden laut RIA Novosti GebietsansprĂźche ausgedrĂźckt, wobei explizit von âbefreienâ und von Mariupol die Rede war und der Satz fiel: âVorgestern haben wir damit begonnen, das Feuer zu erwidernâ.cite-ref-277[277]cite-ref-278[278] Putin sagte, die Ukraine mĂźsse sich nicht âan das eine oder andere Dorf klammernâ, wenn sie die Einheit des Landes erhalten wolle.cite-ref-nyt281014-279-0[279]
Die OSZE meldete im November, die Milizen hätten seit Beginn der Waffenruhe neue Gebiete unter ihre Kontrolle gebracht, und warnte vor der Gefahr einer Eskalation des Konflikts.cite-ref-280[280]cite-ref-281[281] Kämpfe dauerten an um das Elektrizitätswerk von Luhansk, um die VerbindungsstraĂe von Luhansk nach Donezk bei Debalzewe sowie um den Flughafen von Donezk. Der Vize-Generalsekretär der UNO erklärte, es gäbe keine Zweifel, dass die russisch-ukrainische Grenze durchlässig sei und dies den Friedensprozess erschwere.cite-ref-282[282]
Am 4. Dezember 2014 hielt Wladimir Putin â wie alljährlich â im Kreml seine Rede zur Lage der Nation, wobei er von der Wiedergewinnung der Krim als einer âheiligen Leistungâ sprach. Gleichzeitig drohte er dem Westen mit der Stärke seiner Armee.cite-ref-faz-13302190-283-0[283]cite-ref-284[284]cite-ref-285[285]
Wahlen in der Ukraine 2014
Bei den ukrainischen Parlamentswahlen vom 27. Oktober errangen proeuropäische Parteien eine Mehrheit.cite-ref-286[286] Die Wahl konnte in den Separatistengebieten nicht stattfinden. Der Friedensplan hatte dort Kommunalwahlen nach ukrainischem Recht vorgesehen, als Datum dafĂźr war Mitte September der 7. Dezember bekannt gegeben worden.cite-ref-287[287]cite-ref-288[288] Trotzdem fanden am 2. November entgegen der Bestrebungen der OSZE-Kontaktgruppe in den abtrĂźnnigen Gebieten in Donezk und Lugansk gemäà Formulierung der OSZE âsogenannte Wahlenâ statt. Die OSZE schloss eine Beobachtung des Vorganges aus, da er den Friedensplan gefährde. Diese Meinung teilte UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon, dessen Ansprache und Erklärungen das Wort âWahlenâ konsequent in AnfĂźhrungszeichen stellten.cite-ref-289[289]cite-ref-290[290]cite-ref-291[291] Dabei konnten gemäà Angaben des Vorsitzenden der zentralen Wahlkommission in Donezk auch ausländische Freischärler mitstimmen.cite-ref-292[292]cite-ref-293[293] SeparatistenfĂźhrer Sachartschenko wurde zum Sieger in der so genannten âVolksrepublik Donezkâ erklärt, Igor Plotnizki in der âVolksrepublik Luganskâ.cite-ref-294[294] Wer sich beteiligte, konnte nach Abgabe des Stimmzettels zu symbolischen Preisen Lebensmittel nach Hause nehmen. Die Tagesschau kommentierte: âSich das Wählen bezahlen lassen zu mĂźssen, ist schlimm, es sich mit Lebensmitteln bezahlen lassen zu mĂźssen, ist tragisch.âcite-ref-295[295]cite-ref-296[296] Nur Russland erkannte die âWahlâ an.cite-ref-297[297] Als Reaktion auf die umstrittenen Wahlen kĂźndigte der ukrainische Präsident Poroschenko Anfang November 2014 an, nach der Verletzung des Abkommens von Minsk werde die Regierung in Kiew nun ihren Handlungsplan âĂźberarbeitenâ. Die in der Ostukraine abgehaltenen Wahlen hätten âden gesamten Friedensprozess in Gefahr gebracht und die Lage im Donbass erheblich verschlechtert.âcite-ref-298[298]
Im Dezember verkĂźndete die Regierung in Kiew fĂźr die Ostukraine einseitig eine befristete Feuerpause, der sich die Aufständischen im Donbass anschlossen. Die âformlosâ zustande gekommene beidseitige Waffenruhe brachte, im Gegensatz zu dem vor Monaten in Minsk ausgehandelten Waffenstillstand, der seit dem 5. September in Kraft war, fĂźr eine gewisse Zeit eine Beruhigung, bevor im Januar wieder heftige Gefechte unter anderem am Flughafen von Donezk ausbrachen.cite-ref-299[299]
Unterzeichnung des Abkommens von Minsk II
Anfang 2015 kam es erneut zu schweren Kämpfen um den Flughafen Donezk, der Hafenstadt Mariupol und dem Bahnknotenpunkt Debalzewe. Aufgrund dessen trafen sich am 11. Februar 2015 die FĂźhrer des Normandie-Formats zur Aushandlung eines erneuten Waffenstillstandes. Am 12. Februar 2015 wurde in Minsk mit der Unterzeichnung eines neuen Waffenstillstands (âMinsk IIâ) ein erneuter Versuch einer Deeskalation und Befriedung unternommen.
Bereits am 17. Februar 2015 wurde der Waffenstillstand durch die Eroberung von Debalzewe durch die von russischen Truppencite-ref-nzz-92835-300-0[300] und den von Russland unterstĂźtzten Separatisten gebrochen.cite-ref-301[301] Der im Abkommen erneut vereinbarte RĂźckzug schwerer Waffen und deren Verbleib konnte von der OSZE auf ukrainischer Seite durch wiederholte Besuche dokumentiert werden. Zum Verbleib der schweren Waffen auf Seiten der Milizen verfĂźgte die OSZE bis Mitte März 2015 Ăźber keine Informationen.cite-ref-waffosze-43-1[43]cite-ref-verbleib-302-0[302] Der Waffenstillstand wurde erst nach einer neuen Vereinbarung ab dem 1. September 2015 grĂśĂtenteils eingehalten, weiterhin beobachtete die OSZE jedoch Kampfpanzer in den besetzten Gebieten, die nicht den RĂźckzugsgebieten entsprachen, wobei die Drohnen der OSZE immer wieder und anhaltend bis zum Kontrollverlust elektronisch gestĂśrt wurden.cite-ref-303[303]cite-ref-304[304]
Siehe auch
:
Kampf um Debalzewe
und
Minsk II
Nach Minsk II
Auch nach der Einnahme von Debalzwere durch russische Truppen und Separatisten kam es weiterhin zu Verletzungen des Waffenstillstandes, insbesondere um Stanyzja Luhanska nordĂśstlich Luhansk, dazu im Gebiete um den Flughafen von Donezk und Pisky sowie die Umgebung von Schyrokyne Ăśstlich von Mariupol.cite-ref-306[306]
Im April 2015 kam es nach einem Monat relativer Ruhe erneut zu Besorgnis erregenden Kämpfen, sodass am 13. April in Berlin die vier AuĂenminister Laurent Fabius (Frankreich), Pawlo Klimkin (Ukraine), Frank-Walter Steinmeier (Deutschland) und Sergei Lawrow (Russland) zusammenkamen, um den Abzug schwerer Waffen âendgĂźltig abzuschlieĂenâ. Zudem sprachen sie sich in ihrer gemeinsamen Abschlusserklärung fĂźr eine Stärkung der internationalen Beobachtermission im Krisengebiet aus.cite-ref-307[307]
Am 3. Juni 2015 eskalierte die Lage in und um die Stadt Marjinka erneut durch die Bewegung schwerer Waffen der regierungsfeindlichen Truppencite-ref-308[308]cite-ref-309[309] und den Einsatz von Artillerie- und Mehrfachraketenwerfer aus der Stadt Donezk heraus; artilleristische Gegenschläge der Ukraine beschädigten zivile Einrichtungen in der Stadt und lieĂen einen Teil des Stromnetzes der Umgebung ausfallen.cite-ref-310[310]cite-ref-311[311] Im weiteren Verlauf des Juni 2015 nahmen die Kämpfe an der gesamten Frontlinie zu.cite-ref-312[312]cite-ref-313[313]cite-ref-314[314] Am 23. Juni 2015 tagte das Normandie-Format in Paris. In einer Erklärung wurde festgestellt, dass aktuell keine der Konfliktparteien die Vereinbarungen von Minsk II erfĂźlle.cite-ref-315[315] Bis Anfang Juli 2015 waren seit dem Inkrafttreten von Minsk II weitere 1147 Menschen getĂśtet worden.cite-ref-316[316]
Am 21. Juli 2015 bekannten sich die Konfliktparteien in der Ukraine-Kontaktgruppe in Minsk erneut zu dem im Februar vereinbarten Abzug schwerer Waffen, darunter Panzer und Artillerie, bis zu 30 km von der Frontlinie.cite-ref-317[317] Trotz der vereinbarten Waffenruhe vom 21. Juli 2015 kam es Ende Juli weiter zu Kämpfen.cite-ref-318[318] Am 31. Juli 2015 entschied das ukrainische Verfassungsgericht, dass mehr Autonomie fĂźr die Oblaste Donezk und Luhansk, die zu dem im Februar 2015 ausgehandelten Friedensplan von Minsk II gehĂśrt, nicht gegen die Verfassung der Ukraine verstoĂe.cite-ref-319[319]
FĂźr die erste Hälfte des Monats August 2015 meldete die ukrainische Armee 1400 Angriffe, die gegen das Waffenstillstandsabkommen verstieĂen. So waren alleine am 15. August 175 solcher Angriffe erfolgt.cite-ref-320[320]cite-ref-321[321] Von März 2015 bis August 2015 starben trotz Waffenstillstand Ăźber 800 Personen.cite-ref-kyiv178-322-0[322]cite-ref-323[323] Obschon am 27. August 2015 durch die Kontaktgruppe ein erneuter Waffenstillstand zum Schulbeginn vereinbart wurde, wurde eine Offensive befĂźrchtet, die in der staatlichen russischen Presse auch noch nach der Vereinbarung in blumigen Worten ausgemalt wurde.cite-ref-324[324] In anderen Meldungen wurden im Vorfeld des Schulbeginns am 1. September 2015 gar Provokationen mit Beschuss von Schulen befĂźrchtet.cite-ref-325[325] Die Waffenruhe wurde jedoch weitgehend eingehalten, was oft als Ăberraschung kommentiert wurde. Ministerpräsident Jazenjuk erinnerte trotzdem daran, dass âein Waffenstillstand nicht mehr sei als eine Vorbedingung fĂźr den Minsker Stufenplanâ mit dem Abzug der Freischärler und nach ukrainischen Gesetzen durchgefĂźhrten Wahlen in den besetzten Gebieten.cite-ref-326[326] Analysten brachten die Veränderung mit dem BedĂźrfnis Russlands in Zusammenhang, aus der internationalen Isolation auszubrechen, was mit anhaltenden Kampfmeldungen aus der Ukraine nicht zu schaffen war.cite-ref-327[327] Der âVorsitzende des Volkssowjetsâ Andrej Purgin, der als Falke galt, war während dieser Zeit in den besetzten Gebieten entmachtet worden.cite-ref-328[328] In der Folge nahmen die Kämpfe jedoch im Laufe des Herbstes 2015 wieder zu. Ein erneuter Versuch eines Waffenstillstandes am 22. Dezember 2015 war innerhalb eines Tages gescheitert.cite-ref-329[329]
2016
Im Jahr 2016 hoffte Russland auf eine Anerkennung seiner GebietsansprĂźche in der Ukraine im Gegenzug fĂźr die UnterstĂźtzung während des Wahlkampfs von Donald Trump respektive der von Russland ohnehin gewĂźnschten Verhinderung von Hillary Clinton als Präsidentin. Im August 2016 legte Konstantin Kilimnik Trumps Wahlkampfmanager Paul Manafort den sogenannten âMariupol-Planâ vor, laut welchem eine âautonome Republikâ in der Ostukraine hätte geschaffen werden sollen. FĂźhrer der Republik sollte der nach Russland geflĂźchtete Wiktor Janukowytsch werden, während das Gebilde formell Teil der Ukraine sein sollte, aber de facto von Putin kontrolliert worden wäre.cite-ref-330[330]cite-ref-331[331]
Auf eine neue Intensivierung der Kämpfe im August 2016 reagierte der ukrainische Botschafter in Deutschland Andrij Melnyk im Deutschlandfunk mit der Bitte an Europa um defensive Waffen.cite-ref-332[332] Ende August 2016 zählten die OSZE-Beobachter an einem einzigen Tag mindestens 996 Explosionen.cite-ref-333[333] Zum Schulanfang am 1. September war eine Beruhigung erhofft und wie im Vorjahr ein Waffenstillstand vereinbart worden und vorläufig auch eingetreten. Auch dieser Waffenstillstand brÜckelte zusehends; allein in der ersten Novemberwoche 2016 zählte die OSZE annähernd 3.500 Explosionen von Minenwerfer-Geschossen, Artillerie, Panzern und Mehrfachraketenwerfern.cite-ref-334[334]cite-ref-schweizdonezk-335-0[335] Russland berichtete von angeblichen verhinderten Terroranschlägen auf der Krim. Klar war, dass in der Grenzregion geschossen wurde; bei zwei Vorfällen wurden ein russischer Soldat und ein Mitarbeiter des Inlandsgeheimdienstes getÜtet sowie Personen verhaftet.cite-ref-krimgrenze-46-1[46] Bei einem der angeblichen Terroranschläge schossen Männer in russischen Uniformen um sich; es blieb unklar, ob es sich um Deserteure oder reguläre russische Soldaten handelte.cite-ref-336[336] Präsident Putin nutzte die Zwischenfälle dennoch, um der Ukraine zu unterstellen, an Verhandlungen nicht interessiert zu sein. Weitere Gespräche im Normandie-Format seien unsinnig.cite-ref-krimgrenze-46-2[46]
Ab 22. September 2016 sollte ein (weiterer) kleiner RĂźckzug von der Kontaktlinie, vereinbart durch die Trilaterale Kontaktgruppe, stattfinden.cite-ref-337[337] Die OSZE bestätigte am 24. September eine Entmilitarisierung in Solotoje, einer von drei âPilotregionenâ. In den zwei weiteren in der Ăbereinkunft genannten Kleinstädten Stanyzja Luhanska und Petrowskojecite-ref-338[338] scheiterten mehrere Versuche.cite-ref-339[339] Bei den drei Pilotregionen ging es um je vier Quadratkilometer an der 480 Kilometer langen Front.cite-ref-340[340] Anfang Dezember 2016 machte der Leiter der OSZE-Beobachtungsmission, Alexander Hug, in der schärfstmĂśglichen diplomatischen Form deutlich, dass âMänner in Uniformen und AnzĂźgenâ, welche behaupteten, die Interessen der Menschen zu vertreten, fĂźr die Zivilisten in den Konfliktgebieten verantwortlich seien und diese Verantwortung nicht wahrnähmen. Auch humanitäre Hilfe werde behindert. Die Anzahl der WaffenÂstillstandsÂverletzungen bleibe hoch, habe in jener Woche Ende November zugenommen, und es seien in jener Woche 362 Mal Explosionen verbotener schwerer Waffen dokumentiert worden.cite-ref-341[341] Nachdem noch in der letzten Adventswoche täglich Menschen gestorben waren, sagten auch die Freischärler einem von der OSZE vermittelten Waffenstillstand Ăźber die Weihnachtstage zu.cite-ref-342[342] Die am 23. Dezember um 23 Uhr (MEZ) in Kraft getretene Waffenruhe wurde sofort wieder gebrochen.cite-ref-343[343] Die OSZE konnte fĂźr das ganze Jahr den Tod von 88 Zivilisten durch Kampfhandlungen verifizieren.cite-ref-civdi1617-344-0[344]
Im November 2016 weihte Putin im Herzen Moskaus, in der Nähe des Borowizki-Turms, eine monumentale Statue des Kiewer GroĂfĂźrsten Wladimir I. ein. Putin lobte Wladimir I. als âSammler und BeschĂźtzer der russischen Länder und vorausschauenden Staatsmann, der die Grundlagen fĂźr einen starken, geeinten, zentralisierten Staat legte, der zur Vereinigung einer groĂen Familie gleicher VĂślker, Sprachen, Kulturen und Religionen fĂźhrteâ. Der Grundstein wurde eigens aus der antiken Stadt Chersones am SĂźdufer der Krim herbeigeschafft. Diese Statue symbolisiert den russischen Anspruch auf das Erbe Kiews und unterstreicht die Bedeutung der Kiewer Rus fĂźr die historische Identität des heutigen Russlands.cite-ref-345[345]
2017
Ende Januar 2017 kam es zu Kämpfen um das ukrainische Awdijiwka und das von Separatisten gehaltene Makijiwka. Beide Seiten beschossen sich mit schweren Waffen, wobei innerhalb von drei Tagen 15 Zivilisten und Kämpfer getĂśtet wurden und die zerstĂśrte Infrastruktur in Awdijiwka Zehntausende von Menschen bei eisigem Winterklima ohne Strom und Wasser hinterlieĂ. Daraufhin wurde eine Evakuierung von tausenden von Personen eingeleitet.cite-ref-346[346]cite-ref-347[347] Im April 2017 verordnete Präsident Poroschenko fĂźr die Zeit des Osterfestes wenig optimistisch eine Waffenruhe zusätzlich zum bestehenden Waffenstillstand, was eine Verringerung der Kämpfe bewirkte.cite-ref-348[348]cite-ref-349[349]
Auf dem nicht näher definierten âTerritorium der DNRâ seien gemäà DNR-Angaben im ersten Halbjahr 127 Menschen getĂśtet worden. Dessen Pressedienst gab fĂźr den ganzen Konflikt die Zahl der lokalen Opfer mit 4461 an.cite-ref-350[350] Die Separatisten in den beiden âVolksrepublikenâ Donezk und Lugansk verkĂźndeten im Juli 2017 den Zusammenschluss in einem eigenen Staat unter dem Namen âKleinrusslandâ.cite-ref-351[351] Der Zusammenschluss wurde allerdings nicht vollzogen. Anfang November 2017 machte der Leiter der OSZE-Beobachtungsmission, Alexander Hug, deutlich, dass die Verantwortlichen sehr wohl fähig wären, fĂźr einen Waffenstillstand zu sorgen. Wieder hatte die zum Schulanfang im September âneuvereinbarteâ, aber alte Ruhe gewirkt, also wäre es mĂśglich, einen Waffenstillstand einzuhalten. Die Verletzungen seien von 22.000 im August auf 8.500 im September gesunken. Bis November nahm die Zahl wieder zu.cite-ref-hug1117-352-0[352] Die OSZE hatte fĂźr das ganze Jahr den Tod von 86 Zivilisten durch Kampfhandlungen verifizieren kĂśnnencite-ref-civdi1617-344-1[344] sowie 400 Verletzte.cite-ref-353[353] Neal Walker, Repräsentant der UNO in der Ukraine, stellte fĂźr das Jahr 2017 fest, dass die Ukraine weltweit das Land mit der hĂśchsten Anzahl von Todesopfern durch Minen sei.cite-ref-354[354]
2018
Wie schon in der Vergangenheit verpuffte ein Waffenstillstand zu Weihnachten 2017 nach wenigen Tagen. In der zweiten Woche des Jahres 2018 stellte die OSZE an manchen Tagen eine vierstellige Zahl von Waffenstillstandsverletzungen fest. Westliche Politiker wie Angela Merkel und Emmanuel Macron forderten Russland auf, in das Koordinationszentrum JCCC zurĂźckzukehren, unter welchem die bis zu 70 russischen Vertreter auch Sicherheitsgarantien fĂźr die OSZE-Beobachter abgegeben hatten. Alexander Hug, der Leiter der OSZE-Mission, erhoffte, die Zahl der Beobachter auf 800 ausbauen zu kĂśnnen.cite-ref-355[355] Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die ukrainische Regierung von einer âAnti-Terror-Operationâ (ATO) gesprochen; im Januar 2018 bezeichnete das ukrainische Parlament in einem neuen Gesetz die beiden Sezessionsgebiete als âvon Russland besetztes Gebietâ und Russland als âAggressorâ. Das Wort âKriegâ wurde dabei vermieden. Das Gesetz zur Reintegration des Donbass wurde mit 280 Stimmen in der Rada verabschiedet. Trotz langer Debatten konnte sich die Rada nicht auf ein Datum einigen, an dem die âbewaffnete Aggression der Russischen FĂśderationâ begann, weshalb der Erlass kein solches Datum nennt. Dies ist eine Unklarheit im Bezug auf die strafrechtliche Verfolgung Beteiligter. Als humanitäres Zugeständnis sollten Geburts- und Sterbeurkunden, die in den besetzten Gebieten ausgestellt wurden, anerkannt werden. Nicht aufgehoben wurde nach Diskussion der Vertrag Ăźber Freundschaft, Zusammenarbeit und Partnerschaft mit Russland.cite-ref-356[356] Nach der Ablehnung eines RĂźckweisungsantrags fehlten fĂźr das Inkrafttreten nur noch die Unterschriften des Parlamentspräsidenten und des Präsidenten.cite-ref-357[357] Nach der Unterschrift des Präsidenten unter das Reintegrationsgesetz âĂber die Besonderheiten der staatlichen Politik zur Gewährleistung staatlicher Souveränität der Ukraine auf vorĂźbergehend besetzten Gebieten in den Regionen Donezk und Luhanskâ wurde Ende April aus der ATO die âOperation der Vereinigten Streitkräfteâ (OOS).
Im Mai wurde die von Russland zur Krim gebaute strategisch und symbolisch wichtige Krim-BrĂźcke fĂźr StraĂe und Bahn mit Putin am Steuer eines Lkw erĂśffnet. (Sie wurde im Mai 2022 und im Juli 2023 durch mehrere Sprengungen beschädigt.)
Im Jahr 2018 hatten sich die Konfliktparteien gemäà dem Leiter der OSZE-Mission bis zum 30. März schon auf drei Waffenstillstände geeinigt, zum Beispiel auf Ostern hin. Dennoch kam die Gewalt zu keinem Ende. Problematisch ist auch die räumliche Nähe der Konfliktparteien, die sich teilweise auf kĂźrzeste Distanz gegenĂźber stĂźnden, was die Situation unberechenbar mache. Technisch vereinbart sei ein Abstand von zwei Kilometern, faktisch gehe es bis hinunter auf kaum mehr als ein Dutzend Meter. Dies mache auch humanitäre Hilfe und den Wiederaufbau sehr schwierig.cite-ref-hugapril18-358-0[358] Die Kontaktlinie mit einer Länge von 500 Kilometern verfĂźgte im FrĂźhling 2018 Ăźber nur fĂźnf Ăbergänge, wobei sich in der Luhansker Region nur ein Ăbergang befand und dieser Ăbergang weiterhin nur zu FuĂ passierbar war. Die Leute gäben trotzdem nicht auf, sagte Alexander Hug von der OSZE, und Ăźberquerten bis zu 40.000 Mal pro Tag diese fĂźr sie inakzeptable Kontaktlinie. Eine Aufarbeitung der erhobenen Daten der OSZE zu Waffenstillstandsverletzungen fand bis im April 2018 nicht statt; es gab keinen Prozess, durch den Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen wĂźrden; eine Waffenstillstandsverletzung hat gemäà dem Leiter der Mission kaum Disziplinarverfahren oder andere Konsequenzen zur Folge und es entstĂźnden dadurch auch kaum politische âUnkostenâ fĂźr die politischen Verantwortungsträger, selbst in jenen Fällen, in denen die Verantwortlichen zweifelsfrei bekannt seien.cite-ref-hugapril18-358-1[358]
Am 16. Mai filmte die Ăberwachungskamera bei der von der Schweiz unterstĂźtzten Wasseraufbereitungsanlage bei Donezk Grad-Raketenbeschuss in das von der Regierung gehaltene Gebiet.cite-ref-359[359] Die Wasserversorgung war zeitweise unterbrochen und erst am 23. Mai wieder in Betrieb. Dreihunderttausend Menschen sind auf die dortige Trinkwasserversorgung angewiesen, aber regierungsfeindliche Truppen und die Armee standen dort weniger als 300 Meter auseinander. Die OSZE verlangte eine grĂśĂere Entflechtung.cite-ref-360[360] Innerhalb einer Woche waren zu der Zeit wieder 2 Zivilisten getĂśtet worden, darunter ein 13-jähriger Junge.cite-ref-361[361] Der Chef der OSZE-Beobachtermission beklagte erneut den sinnlosen Kreislauf der Gewalt, fĂźr den es keine Logik gebe;cite-ref-362[362] Das Einzige, wofĂźr es sich wirklich zu kämpfen lohne, sei das Ziel von âNull zivilen Opfernâ.cite-ref-363[363] Anfang Juli war die mindestens vierte Waffenruhe fĂźr die Erntezeit vereinbart worden, fĂźr später eine weitere auch in den Vorjahren Ăźbliche fĂźr den Schulanfang Anfang September. Die NZZ meldete am 27. Juli, die OSZE hätte âweniger VerstĂśĂe gegen die Waffenruheâ gemeldet,cite-ref-364[364] es wurden im Juli von der OSZE deren 15.000 gezählt.cite-ref-365[365] Auf Seiten der ukrainischen Armee kamen von Anfang Juli bis zum zwanzigsten August zwĂślf Soldaten ums Leben und 70 wurden verletzt.cite-ref-366[366] Am 28. August, kurz vor Schulbeginn, waren nur 70 Waffenstillstandsverletzungen beobachtet worden,cite-ref-367[367] und auch am ersten Tag der neuerlichen Waffenruhe stellte die OSZE weiter die gleiche Zahl an Waffenstillstandsverletzungen fest, wenn auch fĂźr einmal ohne schwere Waffen.cite-ref-368[368]
Am 31. August 2018 starb der AnfĂźhrer der Separatisten in Donezk, Alexander Sachartschenko, durch eine Explosion in Donezk.cite-ref-369[369] Am 25. November beschossen russische Sicherheitskräfte ukrainische Schiffe in der Meerenge von Kertsch, die ihrerseits auf einen Waffeneinsatz verzichteten (siehe Russische Provokation bei Kertsch 2018). 23 ukrainische MarineangehĂśrige wurden von Russland als âKriminelleâ inhaftiert, wodurch ihnen zugleich der Status von Kriegsgefangenen verweigert wurde.cite-ref-370[370] Die Ukraine verhängte im Zusammenhang mit der bewaffneten Aggression in der StraĂe von Kertsch und weiteren aggressiven Handlungen der Russischen FĂśderation im Asowschen Meer und Schwarzen Meer sowie der gegenwärtigen Gefahr einer groĂflächigen Invasion der Ukraine durch die Streitkräfte der Russischen FĂśderation vor dem Hintergrund der Besetzung des Territoriums der Autonomen Republik Krim und Teilen der Donezk- und Luhansk-Gebiete durch die Russische FĂśderationcite-ref-371[371] am 26. November fĂźr 10 Regionen der Ukraine fĂźr eine Dauer von 30 Tagen das Kriegsrecht. Es handelte sich um Regionen mit einer Grenze zu Russland oder den regierungsfeindlichen Gebieten in Donezk und Luhansk sowie zu Transnistrien.cite-ref-372[372] Am 27. November warf Poroschenko Russland eine massive Truppenkonzentration und eine Verdreifachung der Anzahl von Panzern entlang der gesamten Länge der ukrainischen Grenze vor und warnte vor einem drohenden âvollständigen Kriegâ.cite-ref-373[373] Eine Verlängerung des Kriegsrechts war bei Ausbleiben desselben Stand Mitte Dezember nicht geplant. Der Generalsekretär der OSZE rief Russland zu einer Geste des guten Willens auf und zur Freigabe und Freilassung der beschlagnahmten Schiffe und Besatzungen. Er bemerkte aber auch, dass schlicht der politische Wille fĂźr mehr Frieden fehle.cite-ref-374[374]
2019
Nach der russischen Aggression 2014 hob das ukrainische Parlament im Dezember desselben Jahres die gesetzlich festgeschriebene Blockfreiheit auf und strebte eine NATO-Mitgliedschaft an. In den folgenden Jahren stieg die Üffentliche Unterstßtzung dafßr bis Anfang 2019 auf 45 Prozent an. Nach Russlands militärischer Aufrßstung im Herbst 2018 verankerte das ukrainische Parlament die Mitgliedschaft in der NATO und in der EU im Februar 2019 als Staatsziel in der Verfassung.cite-ref-377[377]
Während der ersten Jahreshälfte kam es unverändert zu kontinuierlichen Verletzungen der Waffenstillstandsvereinbarungen. Eine Entflechtung der Truppen, die bereits im Jahr 2016 fĂźr drei Positionen vereinbart worden war, konnte Anfang Juli 2019 erreicht werden;cite-ref-neuehoffnung-49-1[49] Der Ăbergang bei Stanyzja Luhanska war der einzige der Oblast Luhansk und wurde seit Jahrencite-ref-378[378] von monatlich rund 200.000 Menschen auf einer wackeligen Holzkonstruktion benutzt. Die Truppen wurden um den Ăbergang zurĂźckgezogen und die ukrainischen Truppen fĂźhrten Entminungsarbeiten durch.cite-ref-379[379] Nachdem der im Mai ins Amt gekommene ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj im Juli in einem Telefonat mit Putin einen erneuten VorstoĂ zur LĂśsung des Problems gemacht hatte, vereinbarten die Konfliktparteien in Minsk eine weitere umfassende und zeitlich unbegrenzte Waffenruhe, die am 21. Juli, dem Tag der ukrainischen Parlamentswahl, in Kraft treten sollte. Nach ersten Angaben wurde der Waffenstillstand am ersten Tag von beiden Seiten ab dem Nachmittag während vier Stunden eingehalten, trotzdem starben nach ukrainischen Angaben zwei Soldaten der Regierungstruppen durch eine Sprengfalle.cite-ref-380[380]cite-ref-381[381]
Im zweiten Quartal 2019 waren laut OSZE 1700 Mal schwere Waffen bei Waffenstillstandsverletzungen eingesetzt worden, die Gesamtzahl inklusive Kleinwaffen lag bei Ăźber 85.000. Geschossen wurde vor allem nachts, das heiĂt, vor und nach der Patrouillen-Zeiten der OSZE. Sowohl bei der Nichteinhaltung von RĂźckzugslinien von Waffensystemen als auch bei der Behinderung durch Zugangsrestriktionen betrafen die weitaus grĂśĂte Anzahl der VerstĂśĂe die Gebiete, die nicht unter Kontrolle der Regierung waren.cite-ref-382[382] Im September 2019 wurden bei einem Gefangenenaustausch jeweils 35 Gefangene beider Seiten freigelassen, darunter die bei der russischen Provokation bei Kertsch 2018 gefangen genommenen ukrainischen Marinesoldaten, in Russland Inhaftierte wie der ukrainische Filmemacher Oleh Senzow und im Gegenzug der russische Journalist Kirill Wyschinski.cite-ref-383[383]cite-ref-384[384] Die internationalen Ermittler im Fall des Abschusses des Fluges MH17 protestierten gegen die Ăberstellung des mĂśglichen Zeugen Wladimir Zemach nach Russland, die von Russland fĂźr einen Austausch zu einer Bedingung gemacht worden war. Laut der Einschätzung des Redaktionsleiters der Deutschen Welle in der Ukraine konnte sich Russland hingegen einer Reihe von rechtlichen Problemen entledigen, hatte doch Russland die Verurteilung des Internationalen Seegerichtshofs im Mai 2019 zur Freilassung der Seeleute bislang einfach ignoriert, dazu mĂźsse sich Russland im internationalen Skandal um den ohne jeden Beweis in Russland verurteilten politischen Gefangenencite-ref-polgef-385-0[385] Oleh Senzow nicht mehr rechtfertigen.cite-ref-386[386] Russland gab die Identitäten der meist ukrainischen BĂźrger, die nach Russland Ăźberstellt worden waren, nicht bekannt.
Bei einem erstmaligen Treffen des neuen ukrainischen Präsidenten Selenskyj und Präsident Putin im Normandie-Format wurde nach 20 gebrochenen Vereinbarungencite-ref-387[387] Anfang Dezember 2019 erneut eine Waffenruhe verabredet. Im Wesentlichen verpflichtete man sich erneut auf die Minsker Vereinbarung, wobei die Ukraine auf den Punkt der Grenzkontrolle durch die Ukraine zurĂźckkam, während Putin eine Diskussion darĂźber als Zeitverschwendung bezeichnete.cite-ref-zeitverschwendung-388-0[388] Selenskyj hatte eine echte landesweite Kommunalwahl fĂźr Herbst 2020 vorgeschlagen: Die Wahlen begännen im Donbass, sobald dort Sicherheit herrsche, so die Aussage vor dem Treffen.cite-ref-389[389] Erreicht wurden beim Treffen eine Vereinbarung eines weiteren Ăźberfälligen Gefangenenaustausches, drei weitere Entflechtungszonen sowie als Neuerung eine Beobachtung der Konfliktzone nicht nur tagsĂźber, sondern auch während der Nacht. Die Minenräumung sollte geplant werden und die ĂbergangsmĂśglichkeiten fĂźr die ZivilbevĂślkerung erweitert werden.cite-ref-zeitverschwendung-388-1[388] Bei einem Gefangenenaustausch Ende Dezember 2019 kamen wiederum auch Zivilisten frei, die sich teils seit Jahren im Gewahrsam der regierungsfeindlichen Kräfte befunden hatten.cite-ref-390[390]
2020
In den ersten Wochen nach Inkrafttreten des 21. Waffenstillstandes lagen die täglich wechselnden Waffenstillstandsverletzungen im Bereich eines Viertels bis eines Drittels jener des Jahresdurchschnitts 2019,cite-ref-391[391]cite-ref-monitoring-mission-392-0[392] teils lagen die Zahlen aber auch ßber dem Durchschnitt der täglich gezählten Waffenstillstandsverletzungen des Vorjahres.cite-ref-393[393] Obschon eine Entminung vereinbart worden war, entdeckte die OSZE neue Minen, die den sogenannten bewaffneten Formationen zugeordnet wurden, auch Behinderungen der Beobachter in deren Gebieten wurden weiterhin erwähnt.cite-ref-394[394]cite-ref-monitoring-mission-392-1[392] Die Beobachtungen an den weiterhin ßberhaupt nur zwei beobachteten Grenzßbergängen zu Russland waren weiterhin eingeschränkt; zwar wurden sie rund um die Uhr beobachtet, jedoch war es den Beobachtern nicht mÜglich, ungehindert Feststellungen zu machen, da sie weder bei gezogenen Vorhängen bei Bussen noch bei verdunkelten Scheiben Aussagen machen konnten und auch den Bereich der RÜntgenanlagen nicht beobachten konnten.cite-ref-395[395] Am Schluss des ersten Quartals 2020 wurden fßr März 2020 im Schnitt täglich ßber 700 Waffenstillstandsverletzungen gezählt, im Vergleich zum Durchschnitt ßber das gesamte Vorjahr von ßber 800.cite-ref-396[396] Mit einem in Minsk vereinbarten Waffenstillstand, der am 27. Juli begann, reduzierten sich die Waffenstillstandsverletzungen der Monate August, September und Oktober 2020 im Vorjahresvergleich durchgehend um 95 Prozent.cite-ref-397[397]
2021
Im Januar 2021 entschied das Parlament der Ukraine, dass sich bis zu 2000 US-Soldaten und weitere 2000 Militärs aus NATO-Staaten im ganzen Land dauerhaft fĂźr taktische Ăbungen und Ausbildung ukrainischer Soldaten aufhalten dĂźrfen. DarĂźber hinaus kĂźndigte das Parlament sechs ManĂśver mit ausländischer Beteiligung in der Ukraine an.cite-ref-398[398] Ab Mitte Februar 2021 nahmen die WaffenÂstillstandsÂverletzungen zu: Bis Anfang April wurden nach ukrainischen Angaben bei Angriffen prorussischer Rebellen 20 ukrainische Soldaten getĂśtet und 57 weitere verletzt. Es wurden mit 1121 Ăźberdurchschnittlich viele WaffenÂstillstandsÂverletzungen von der OSZE im Donezbecken dokumentiert.cite-ref-399[399] Eine âStrategie der De-Okkupation und der Wiedereingliederung des vorĂźbergehend besetzten Territoriums der Autonomen Republik Krim und der Stadt Sewastopolâ des Rates fĂźr Nationale Sicherheit und Verteidigung der Ukraine wurde Ende März 2021 von Präsident Selenskyj bestätigt und die Umsetzung angeordnet.cite-ref-400[400] Laut dem ukrainischen Präsidenten erhĂśhte Russland Ende März/Anfang April die Truppenstärke an der Grenze zur Ukraine, inklusive schwerer Waffen und Kriegslogistik, wie es auch schon im Mai 2015 geschehen war; damals waren Erkennungszeichen wie Nummernschilder oder Abzeichen noch entfernt worden.cite-ref-401[401] Russland berief sich daraufhin auf eine âverschärfte Situation seitens der NATOâ und verkĂźndete, dass man entsprechende MaĂnahmen unternehme. Zugleich lief ein von der OSZE (Trilaterale Gruppe) ausgehandelter und regelmäĂig verlängerter Waffenstillstand am 31. März aus, ohne verlängert zu werden.cite-ref-402[402]cite-ref-403[403] Ab Ende März 2021 wurden von der Royal Air Force ĂberwachungsflĂźge durchgefĂźhrt, ebenso von der United States Air Force, dies mit Flugzeugen vom Typ Boeing RC-135, Global Hawk, EP-3E oder P-8 Poseidon.cite-ref-404[404] Es wurden auch FlĂźge Ăźber ukrainischem Staatsgebiet durchgefĂźhrt. Die FlĂźge ermĂśglichen neben einer visuellen Aufklärung auch das AbhĂśren der Kommunikation von Kommandanten der am Boden operierenden russischen Einheiten.cite-ref-5-405-0[405] Frankreich assistierte mit AufklärungsflĂźgen durch Mirage-2000-Flugzeuge.cite-ref-mirage2021-406-0[406]
Ab FrĂźhjahr 2021 zog Russland etwa 75.000 bis 100.000 Soldaten sowie schwere Waffen an der ukrainischen Grenze zusammen. Ukraine, EU und NATO kritisierten diesen Aufmarsch und appellierten an Putin, Aggressionen zu unterlassen sowie die territoriale Integrität der Ukraine zu respektieren.cite-ref-407[407]cite-ref-408[408] Im Juni 2021 beteiligten sich 32 NATO-Staaten an dem Marine-ManĂśver Sea Breeze, das die Ukraine seit 1997 jährlich mit den USA im Schwarzen Meer durchfĂźhrt. Es war das grĂśĂte Sea-Breeze-ManĂśver Ăźberhaupt.cite-ref-0-409-0[409] Wenige Tage vor Beginn der Sea-Breeze-Ăbung erhoben russische Staatsmedien den Vorwurf, das britische Kriegsschiff HMS Defender sei in angeblich ârussische Hoheitsgewässerâ nahe der von Russland annektierten Halbinsel Krim eingedrungen. Die britische Regierung erklärte, die HMS Defender sei durch ukrainische Gewässer gefahren. Die russische Regierung bestellte einen britischen VerteidigungsattachĂŠ und die Botschafterin zu Gesprächen ein und forderte zeitgleich von der NATO, sich nicht an dem ManĂśver zu beteiligen.cite-ref-410[410]cite-ref-411[411] Im Dezember 2021 legte Moskau sowohl der NATO als auch der USA zwei VertragsentwĂźrfe mit Maximalforderungen vor, laut denen eine Fortsetzung der NATO-Erweiterung nach Osten in den postsowjetischen Raum ausgeschlossen wĂźrde. Zugleich sollte es laut den EntwĂźrfen der NATO verboten sein, Truppen an den Grenzen Russlands zu stationieren oder in europäischen Staaten weitreichende Raketen aufzustellen. Dazu forderte Moskau, dass die NATO ihre Gipfelerklärung von 2008cite-ref-412[412] zurĂźcknimmt, in der sie der Ukraine und Georgien den Beitritt zur Allianz in Aussicht gestellt hat. Sie solle vielmehr rechtsverbindlich erklären, Truppen zurĂźckzuziehen, die nach dem Mai 1997 in Osteuropa stationiert wurden. Dabei berief sich Moskau auf die NATO-Russland-Grundakte von 1997 und das BedĂźrfnis Russlands nach Sicherheitsgarantien.cite-ref-413[413]cite-ref-414[414]cite-ref-415[415] Die russischen Vorschläge wurden als Forderung an die NATO zum RĂźckzug an die Oder-NeiĂe-Grenze verstanden und mit Verweis auf das Selbstbestimmungsrecht der betreffenden Staaten als inakzeptabel und nicht verhandelbar abgelehnt.cite-ref-416[416]cite-ref-417[417]cite-ref-418[418]cite-ref-419[419]
Russischer Angriff auf die Ukraine seit 2022
â
Hauptartikel
:
Russischer Ăberfall auf die Ukraine seit 2022
Siehe auch
:
Chronologie des russischen Ăberfalls auf die Ukraine
An der Kontaktlinie in der Ostukraine war es andauernd relativ ruhig; in den drei Wochen bis zum 3. Februar starben keine ukrainischen Soldaten.cite-ref-420[420] Mitte Februar lagen die WaffenÂstillstandsÂverletzungen unter dem Durchschnitt des ganzen Vorjahres.cite-ref-421[421] Erst als (eigene) False-Flag-Aktionen durch die russische Propaganda gemeldet wurden,cite-ref-422[422] stiegen die Zahlen.cite-ref-423[423] Am 21. Februar 2022 erkannte Russland die staatliche Unabhängigkeit der als âVolksrepublikenâ Donezk und Lugansk proklamierten Gebiete in den jeweiligen Oblasten an. In dieser Woche wurden die ukrainischen Streitkräfte und Munitionsbestände dezentralisiert und die Flugzeuge von groĂen Flugplätzen, den offensichtlichen Primärzielen eines Aggressors, abgezogen.cite-ref-424[424]
Am 24. Februar begann entlang der gesamten ukrainischen Grenze Russlands sowie aus Belarus der Ăberfall auf die Ukraine,cite-ref-425[425] im Raum Kiew mit einer Ăbermacht gegenĂźber der Ukraine von 12:1, dies laut vorläufiger Analyse des RUSI im November 2022.cite-ref-rusi301122-426-0[426] Als Kriegsziel gab Putin an, die Menschen schĂźtzen zu wollen, die âseit acht Jahren Misshandlung und Genozid ausgesetztâ wären.cite-ref-427[427] Die âSouveränität aller neu entstandenen Länder im post-sowjetischen Raumâ wolle er respektieren, behauptete er.cite-ref-428[428]
Der russische Angriff war offensichtlich als kurze Kommandoaktion geplant gewesen, deren eines Kriegsziel die Einnahme Kiews innerhalb einiger Tage zum Sturz der Regierung war. Die Armee hätte dabei vor allem eine Drohkulisse fßr die Geheimdienste sein sollen, welche diesen Plan der Enthauptung des Landes entworfen hatten. Die russischen Einheiten verfßgten laut vorläufigen Erkenntnissen von RUSI ßber Personenlisten, welche sowohl zu eliminierende und einzuschßchternde Personen umfassten als auch solche, die vermutlich oder sicher zur Zusammenarbeit bereit waren.cite-ref-rusi301122-426-1[426]
Nachdem der ukrainische Präsident weder geflßchtet noch gefangen genommen war und nach wochenlanger Umklammerung der Stadt von Norden, Westen und Osten musste Russland den Vorstoà nach Kiew Ende März aufgeben. Beim Abzug der russischen Truppen aus allen zuvor eroberten Gebieten in der Nordukraine offenbarten sich nach Kriegsrecht verbotene Plßnderungen und ein Muster von TÜtungen von Zivilisten, das auf Kriegsverbrechen hindeutete.cite-ref-pbs5-429-0[429]cite-ref-szmuster-430-0[430]cite-ref-guardiantrosti-431-0[431] Der Ort Butscha erlangte weltweite Bekanntheit durch die dort bekannt gewordenen Gräueltaten.
Das zweite Kriegsziel war die Erweiterung der Vasallenstaaten im Osten der Ukraine; vor Donezk konnten die ukrainischen Truppen ihre Stellungen den ganzen März und April hindurch halten, ebenso die nahe der russischen Grenze liegende GroĂstadt Charkiw, welche in der um sie gefĂźhrten Schlacht um Charkiw erheblich beschädigt wurde. Die zwischen Donezk/Luhansk und Charkiw an der russischen Grenze liegenden Gebiete wurden hingegen von Russland besetzt. Die Gebiete im SĂźden, wo seit 2014 eine Einnahme einer LandbrĂźcke durch Russland zur Krim befĂźrchtet worden war, wurden trotz der lange verteidigten belagerten Stadt Mariupol ebenfalls groĂenteils von Russland besetzt. Schon am 12. März gab es Meldungen, dass es in mehreren Städten im Bereich des von Russland besetzten Territoriums Versuche gegeben hatte, âprorussischeâ Aktionen zu organisieren. Lokale BehĂśrden verweigerten die Zusammenarbeit und die BevĂślkerung protestierte wie zum Beispiel in Cherson.
Der weitere Vormarsch von Cherson in Richtung Odessa war Anfang März bei Mykolajiw gescheitert. Gleichwohl wurde noch Mitte April (wie auch lange später noch) von Landverbindungen nach Transnistrien gesprochen; insbesondere das russische Militär war mit den politischen Beschränkungen der Ziele auf den Donbass unzufrieden und forderte im Gegenteil ehrgeizigere Ziele und eine Mobilmachung in Russland.cite-ref-432[432]cite-ref-433[433] Auch Igor Girkin kritisierte im Mai 2022, dass Sergei Lawrow nur noch die âBefreiungâ des Donbass anstatt der âEntnazifizierungâ und âDemilitarisierungâ der ganzen Ukraine als Ziel des Krieges ausgegeben habe. Nach Analyse des Institute for the Study of War (ISW) fĂźhrte die Heruntersetzung der Kriegsziele zu groĂer Unzufriedenheit unter den russischen Nationalisten und Militaristen, zudem wachse auch der Unmut des Teils der BevĂślkerung, der ohnehin gegen den Krieg insgesamt eingestellt sei.cite-ref-434[434]
Der letzte groĂe Erfolg der russischen Streitkräfte war die Eroberung von Sjewjerodonezk und Lyssytschansk Ende Juni / Anfang Juli.cite-ref-435[435] Bis August bewegten sich die Frontlinien kaum, trotz russischen Beschusses der ukrainischen Stellungen mit täglich zweitausend Tonnen oder rund 60.000 Schuss Artillerie.cite-ref-bbcgranaten-436-0[436]cite-ref-437[437]cite-ref-438[438] Nach diesem Stellungskrieg durchbrachen die Ukrainer Anfang September die russischen Linien in der Oblast Charkiw und drangen 50 Kilometer weit bis Ăźber Isjum hinaus vor, welches seit Ende März von Russland besetzt gewesen war. Wochenlang war zuvor von einer Offensive im SĂźden die Rede gewesen, wo im Juli und August russische Kommandoposten, Truppen und Munitionslager angegriffencite-ref-439[439] sowie die BrĂźcken Ăźber den Dnepr (und die Verbindung Ăźber den Fluss Inhulez) beschädigt worden waren, wodurch die russischen Truppen auf dem BrĂźckenkopf auf der rechten Seite des Flusses nicht mehr optimal versorgt werden konnten. Auch dort wurden bis ins erste Drittel des Monats September eine Reihe von DĂśrfern befreit.cite-ref-440[440] Durch eine Informationssperre seitens der Ukrainer wurden dieses wie auch späteres VorrĂźcken der ukrainischen Truppen nur verzĂśgert bekannt.
Die russischen BefĂźrworter einer Ausweitung des Krieges gewannen am 20. September die Oberhand. Durch sofortige Scheinreferenden, die bisher erst fĂźr die fernere Zukunft geplant waren, sollten die russisch okkupierten Gebiete der Ukraine zu ârussischenâ Gebieten erklärt werden, um behaupten zu kĂśnnen, âRusslandâ werde angegriffen. Kremlnahe Quellen betonten, so Meduza, dass die russischen BehĂśrden nicht einmal die Absicht hätten, eine âIllusion der Legitimitätâ zu schaffen; es gehe nur darum, âirgendeine Art von Abstimmung abzuhalten und Ăźber das Ergebnis zu berichtenâ.cite-ref-441[441]cite-ref-442[442]cite-ref-443[443]cite-ref-444[444]cite-ref-445[445] Wie aufgrund dieser Schritte erwartet, verkĂźndete Präsident Putin am 21. September die Mobilmachung Russlands. Dabei zeichnete er das Bild eines in seiner Existenz bedrohten Russlands, welches der Westen zu zerstĂśren und auszurauben trachte. Russland werde zur Verteidigung seiner territorialen Integrität alle zur VerfĂźgung stehenden Mittel einsetzen, gemeint waren auch die explizit erwähnten Atomwaffen: âDas ist kein Bluff.âcite-ref-durchpeitschen-446-0[446] Am 30. September 2022 kam es zur proklamierten russischen âAnnexionâ der SĂźd- und Ostukraine, kurze Zeit später erfolgte die ukrainische Befreiung von Lyman in der Oblast Donezk. Im Oktober 2022 gelang den ukrainischen Truppen auch ein Vordringen in die Oblast Luhansk. Auch im SĂźden wurden GeländerĂźckgewinne erzielt. Die strategisch wichtige Krim-BrĂźcke Ăźber die Meerenge von Kertsch wurde am 8. Oktober 2022 durch eine oder mehrere Explosionen und einen daraus entstehenden Brand beschädigt. Am 29. Oktober erfolgte seitens der Ukraine ein koordinierter Angriff mit Drohnen auf im Hafen von Sewastopol liegende Schiffe der russischen Schwarzmeerflotte. Wie längst absehbar zog sich Russland am 10. November, um einer Einkesselung seiner Soldaten zuvorzukommen, vom rechten Ufer des Dnepr bei Cherson zurĂźck.
Seit Ende Oktober 2022 hatte Russland derweil versucht, den Konflikt einzufrieren.cite-ref-447[447] Dazu gehĂśre auch, so der Politikwissenschaftler Herfried MĂźnkler, dass Russland versuche, den Krieg von der Front weg in die ganze Ukraine zu tragen. Es greife nun zivile Infrastruktur an, um den ukrainischen Leidensdruck zu erhĂśhen; Präsident Selenskyj spreche da zu Recht von systematischem Terror, das russische Vorgehen sei in jeder Hinsicht ein Kriegsverbrechen.cite-ref-448[448] Neben einem Zeitgewinn fĂźr die Ausbildung der ab Oktober mobilisierten Soldaten sollten laut NZZ der Raketenbeschuss und der Stillstand an den Fronten den europäischen UnterstĂźtzern der Ukraine das GefĂźhl einer Aussichtslosigkeit vermitteln.cite-ref-449[449] Am 5. September 2023 begrĂźndete Putin den Krieg gegen die Ukraine mit der antisemitischen Behauptung, der âethnische Judeâ Selenskyj sei installiert worden, um von âNazismusâ in der Ukraine abzulenken.cite-ref-450[450]
Die im August 2024 begonnene Kursk-Offensive ist ein strategischer VorstoĂ der ukrainischen Streitkräfte am Rande des im Nordosten an die Ukraine angrenzenden russischen Verwaltungsbezirkes Oblast Kursk. Dabei besetzte die Ukraine zahlreiche Ortschaften und drang mehrere Kilometer tief in russisches Gebiet ein.cite-ref-451[451] In den Oblasten Kursk und Belgorod wurde der Ausnahmezustand ausgerufen, in Russland der nationale Notstand, und zahlreiche Bewohner wurden evakuiert.cite-ref-rnd100824-452-0[452] Bis Ende März 2025 gelang es den russischen Kräften unter groĂem Aufwand, die ukrainische Armee weitgehend aus dem eroberten russischen Gebiet zu vertreiben.
Im Dezember 2025 begannen in Berlin zweitägige Gespräche ßber eine mÜgliche Beendigung des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj signalisierte dabei Kompromissbereitschaft, indem er erklärte, nicht mehr auf einen NATO-Beitritt der Ukraine zu bestehen, sofern stattdessen verbindliche Sicherheitsgarantien der USA sowie europäischer und weiterer Partner gewährt wßrden. Zudem sprach sich Selenskyj fßr einen Waffenstillstand entlang der aktuellen Frontlinie als Grundlage weiterer diplomatischer Verhandlungen aus.cite-ref-453[453]
Wirtschaftliche Interessen Russlands
Im August 2012 beauftragte die ukrainische Regierung von Mykola Asarow, der wie der damalige ukrainische Staatspräsident Wiktor Janukowytsch gute Beziehungen zur russischen StaatsfĂźhrung unterhielt, ein Konsortium, dem unter anderem Exxon Mobil, Royal Dutch Shell, OMV Rumänien und die staatliche ukrainische NAK Nadra Ukrainy angehĂśrten, ErdĂśl und Erdgas im ukrainischen Teil des Schwarzen Meeres zu fĂśrdern.cite-ref-454[454]cite-ref-4-455-0[455] Im Jahr 2013 erhielt der grĂśĂte Ăl- und Gasproduzent Italiens, Eni, eine Lizenz zur Ăl- und GasfĂśrderung an der OstkĂźste der Krim. Im Jahr 2014 wurde berichtet, dass bei einer Annexion der Krim die FĂśrderlizenzen neu vergeben werden kĂśnnten und bisherige Lizenzinhaber in eine rechtliche Grauzone kämen.cite-ref-4-455-1[455]
Den Autoren Christoph Brumme und Sonja Margolina zufolge waren wirtschaftliche Interessen ein Motiv fĂźr Russlands Ăberfall auf die Ukraine. Sie verwiesen auf Lithiumvorkommen im Donbas und den Getreidereichtum der Ukraine, was fĂźr Russland bei einer Einnahme der Ukraine eine âMonopolstellung auf dem Weltmarktâ bedeuten wĂźrde.cite-ref-03-456-0[456]cite-ref-nzz2024-03-23-457-0[457] Im Jahr 2022 bestätigte der russische General Wladimir Owtschinski, dass die ârussische Spezialoperationâ das Ziel habe, sich die ukrainischen Lithiumlager anzueignen. Er behauptete, Russland wĂźrde damit den Vereinigten Staaten zuvorzukommen. Tatsächlich war es das australische Unternehmen European Lithium, das Ende 2021 die SchĂźrfrechte fĂźr Lithiumvorkommen in der Oblast Donezk und in der Oblast Kirowohrad erhielt. Fast zeitgleich hatte auch das chinesische Unternehmen Chengxin Lithium dafĂźr einen Antrag gestellt, war jedoch abgewiesen worden.cite-ref-n-tv-de2024-06-23-458-0[458]cite-ref-nzz2024-03-23-457-1[457]
Zwar betragen Russlands wirtschaftliche Verluste durch den Krieg und die Sanktionen des Westens nach Einschätzung der US-Regierung bis 2025 voraussichtlich rund 1,3 Billionen Dollar, und die direkten finanziellen Aufwendungen fĂźr die DurchfĂźhrung der Krieges werden (Stand Herbst 2024) auf etwa 250 Milliarden US-Dollar geschätzt â Kosten, die fĂźr Russland nicht absehbar waren. Doch kontrollierte Russland in den besetzten Gebieten im Donbas laut einer im Sommer 2022 verĂśffentlichten Studie des kanadischen Thinktanks SecDev Energievorkommen, Metalle und Mineralien im Wert von mindestens 12,4 Billionen Dollar, darunter 41 Kohlefelder (63 Prozent der ukrainischen Kohlevorkommen), 27 Erdgasfelder, 9 Ălfelder, 6 Eisenerzlagerstätten, 2 Titanerzlagerstätten, 1 Strontium- und 1 Uranlagerstätte, 1 Goldlagerstätte und 1 groĂen Kalksteinbruch. Der Gesamtwert der nationalen Rohstoffbestände in der Ukraine wird auf Ăźber 26 Billionen US-Dollar geschätzt.cite-ref-n-tv-de2024-06-23-458-1[458] Der Wert von Lithium und seltenen Erden wird in der Ukraine auf rund 11,5 Billionen Dollar geschätzt.cite-ref-nzz2024-03-23-457-2[457] Im Januar 2024 erteilte die russische Besatzerverwaltung in der Oblast Donezk dem russischen Ministerium fĂźr Ăkologie und natĂźrliche Ressourcen die âGenehmigungâ zum Abbau von Lithium in der bei Kurachowe liegenden Lagerstätte Schewtschenko, wo das Lithiumvorkommen auf einen Wert von hunderten Milliarden US-Dollar geschätzt wird.cite-ref-n-tv-de2024-06-23-458-2[458]
Durch die grĂźne Transformation bzw. Energiewende in Europa ist Russlands gewohntes Geschäfts- und Existenzmodell, der Handel mit fossilen Energieträgern, bedroht. Zwar schafft die Energiewende neue Abhängigkeiten; denn Technologien wie Windräder, Photovoltaik und E-Auto-Batterien sind auf Lithium und seltene Erden angewiesen. Sie in Europa zu fĂśrdern, käme wegen hoher Umweltauflagen, niedriger Akzeptanz bei der BevĂślkerung und beträchtlicher Arbeitskosten zu teuer (weswegen sie aus China und Ländern des globalen SĂźdens importiert wurden); jedoch nimmt die Ukraine mit 800 Lagerstätten von 94 unterschiedlichen Bodenschätzen den vierten Platz in der Welt ein und wĂźrde Russland damit als Handelspartner verdrängen. Wenige Monate vor dem Beginn der russischen Invasion hatten die EU und die Ukraine einen Green Deal bzw. ein Transformationsprogramm fĂźr die Ukraine unterzeichnet; denn die ukrainische Volkswirtschaft war zu dem Zeitpunkt die energieintensivste der Welt mit der zugleich ineffektivsten und teuersten thermischen Stromerzeugung. Das Programm sah eine weitere wirtschaftliche Verflechtung beider Vertragsparteien sowie die Klimaneutralität der Ukraine bis zum Jahr 2060 vor. Neben Flächen fĂźr den Ausbau der Wind- und Solarenergie verfĂźgt die Ukraine auĂerdem Ăźber Infrastruktur, um grĂźnen Wasserstoff in die EU zu transportieren. AuĂerdem sind 22 von 30 Rohstoffen, die die EU als strategisch wichtig einstufte, in groĂen Mengen in der Ukraine vorhanden. Russland kĂśnnte nur dann von der Energiewende in Europa profitieren, wenn es in den Besitz der Ressourcen und Infrastrukturen auf ukrainischem Boden kommt. Europa wäre dann noch abhängiger von Russland. Falls Russland seine Kriegsziele erreichen sollte, kann Russland mehr rauben und gewinnen, als es im Frieden durch einen verringerten Export nach Europa verlieren wĂźrde.cite-ref-n-tv-de2024-06-23-458-3[458]cite-ref-nzz2024-03-23-457-3[457]
Laut Christoph Brumme hatte die russische Elite, insbesondere auch russische Generäle, ihr VermÜgen und Eigentum in der Ukraine zur Geldwäsche angelegt.cite-ref-03-456-1[456]
Humanitäre Lage und Kriegsverbrechen
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Hauptartikel
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Kriegsverbrechen im Russisch-Ukrainischen Krieg
Im russisch-ukrainischen Krieg wurden ab 2014 vielfach Kriegsverbrechen begangen. In seiner Anfangsphase wurde der Konflikt auĂerhalb der Ukraine noch nicht als offener Krieg empfunden, aber es kam frĂźh zu einer Zuspitzung der humanitären Lage und zu vielfältigen problematischen Situationen in Bezug auf Menschenrechte insbesondere auf Seiten regierungsfeindlicher Kräfte. Auf ukrainischer Seite waren seit Kriegsbeginn 2014 Untersuchungen mit Konsequenzen zu Vorfällen eingeleitet worden.cite-ref-459[459] Damit habe die ukrainische Armee bewiesen, dass sie solche Taten untersucht, sagte Ruslan Lewiew von der OSINT-Organisation Conflict Intelligence Team 2022.
Russland wurden nach der offenen Invasion Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen, die als Genozid gewertet werden. Der Einsatz diverser Waffen gegen zivile Ziele wurde als Kriegsverbrechen beurteilt, dazu kommen wahllose Bombardierungen ziviler Infrastruktur inklusive Spitälern sowie sexuelle Gewalt, Folter und Verschleppung von Zivilisten und deren mutmaĂliche systematische Verfolgung.cite-ref-460[460]cite-ref-461[461]cite-ref-462[462] Russland bestreitet sämtliche Vorfälle.
Frßhling und Sommer 2014 gemäà UNHCR
Am 15. April 2014 wurde vom UN-Hochkommissariat fĂźr Menschenrechte (UNHCHR) ein Bericht zur Situation der Menschenrechte in der Ukraine verĂśffentlicht. Die UN-BehĂśrde erklärte, dass es keine systematischen Repressionen und Ăbergriffe gegen die ethnisch russische BevĂślkerung im Osten der Ukraine gebe, wohl aber einzelne Angriffe. Navi Pillay, die Hochkommissarin fĂźr Menschenrechte, forderte die Kiewer Regierung auf, die Minderheiten zu respektieren und âfĂźr deren gleichberechtigte Teilnahme am politischen Leben einzutretenâ sowie das SchĂźren von Hass zwischen den BevĂślkerungsgruppen nicht zu dulden. Russland habe jedoch die Berichte darĂźber aufgebauscht, âum ein Klima der Angst und Unsicherheit zu erzeugenâ.cite-ref-463[463]
Laut einem Bericht im Mai 2014 habe sich die Menschenrechtslage in der Ostukraine und auf der Krim deutlich verschlechtert. In Teilen der Ostukraine herrsche ein âKlima der Gesetzlosigkeitâ, in dem es zu TĂśtungen, Folter, EntfĂźhrungen und EinschĂźchterung durch jene bewaffnete Gruppen komme, die Ăśffentliche Gebäude besetzten. Auch auf der Krim sei es zu einer generellen Verschlechterung der Menschenrechtslage gekommen, die ethnische Minderheit der Krimtataren werde diskriminiert. Die ukrainische Regierung, so der Bericht, habe bislang gut mit der UN-Mission kooperiert und bereitwillig Informationen zur VerfĂźgung gestellt.cite-ref-464[464] Im Bericht wurde angemerkt, dass das Vorgehen der ukrainischen Sicherheitskräfte im Rahmen der âAntiterrormaĂnahmenâ in puncto VerhältnismäĂigkeit âteilweise fragwĂźrdigâ sei.cite-ref-unhcr-mai-156-1[156] Das ukrainische AuĂenministerium begrĂźĂte den Bericht als objektiv.cite-ref-465[465] Die russische Regierung zeigte sich empĂśrt Ăźber das Dokument.cite-ref-unhchr-juni-466-0[466]cite-ref-467[467]cite-ref-unhchr-juni-466-1[466]
Auch der dritte Bericht im Juni hielt fest, bewaffnete Gruppen hätten in den Regionen Donezk und Luhansk eine Atmosphäre ständiger Angst geschaffen. Er erinnerte zudem an das auch von Russland anerkannte vÜlkerrechtliche Verbot von Hass- und Kriegspropaganda, dies nach Erwähnung von Beispielen russischer Propaganda.cite-ref-un15614-172-1[172]cite-ref-468[468]
Am 28. Juli meldete das UNHCHR fĂźr die betroffene BevĂślkerung der Ostukraine den totalen Zusammenbruch von Recht und Ordnung und berichtete von einer Terrorherrschaft der bewaffneten Gruppen mit Freiheitsberaubungen, EntfĂźhrungen, Folterungen und Exekutionen.cite-ref-unhchr28-38-1[38] Am 11. Juli hatte Amnesty International 100 EntfĂźhrungen mit Details dokumentiert. âDie meisten EntfĂźhrungen gehen auf das Konto von bewaffneten Separatistenâ.cite-ref-469[469] Ein Ziel sei es, âdie ZivilbevĂślkerung in Angst und Schrecken zu versetzen und zu kontrollierenâ, sodann die Zahlung von LĂśsegeld sowie der Gefangenenaustausch. Die Zahlen des Innenministeriums nennen 500 Fälle zwischen April und Juni, das UNHCHR registrierte 222 Fälle im Bericht vom 15. Juni.cite-ref-unhchr-21video-141-1[141] Schwere Gefechte fänden auch im Siedlungsgebiet statt, was zu Verlust von Leben, Eigentum und Infrastruktur fĂźhre und Tausende zur Flucht bewege (âheavy fighting located in and around population centres, resulting in loss of life, property and infrastructure and causing thousands to fleeâ). Es gebe auch JustizbehĂśrden in der so genannten âVolksrepublikâ, sagt ein Bewaffneter, âaber fĂźr alle Verräter reicht die Zeit nicht, und so erschieĂen wir sie eben.âcite-ref-470[470] Im November-Bericht wurden weitere Massenexekutionen, Zwangsarbeit, sexuelle Gewalt sowie das Verbot der ukrainischen Sprache in den Schulen erwähnt.cite-ref-reutersun-471-0[471]
Ab Herbst 2014 bis Ende 2015
Amnesty International berichtet im Herbst 2014 von Kriegsverbrechen auf den Seiten beider Konfliktparteien. Es habe vereinzelt Hinrichtungen gegeben.cite-ref-472[472] Es gebe ferner Beweise fĂźr willkĂźrlichen Beschuss, EntfĂźhrungen und Folter. Davon seien auch Zivilisten betroffen.cite-ref-473[473] Es soll auĂerdem Einsätze von Streubomben durch beide Konfliktparteien gegeben haben.cite-ref-474[474] Anfang April 2015 warf Amnesty International den prorussischen Milizionären Kriegsverbrechen vor, unter Mitwirkung der Kommandeure Michail Tolstych und Arsen Pawlow.cite-ref-475[475] Der Separatistenkommandeur Beresin bestätigte, dass die prorussischen Milizen aus Wohnvierteln heraus operierten und die BevĂślkerung faktisch als menschliche Schutzschilde nutzen wĂźrden.cite-ref-476[476]
In der Luhansker Volksrepublik erreichte die humanitäre Hilfe nicht alle Menschen. Nach Angaben des katholischen Bischofs Stanislaw Schyrokoradjuk kam es in seinem Bistum während des Winters 2014/15 zu einer unbekannten Anzahl von Hungertoten, insbesondere unter alten Menschen, die sich wegen der Kämpfe nicht aus dem Haus trauten. Zugleich forderte er die europäische Staatengemeinschaft auf, sich gemeinsam der russischen Aggression entgegenzustellen.cite-ref-477[477]
Ab dem Minsker Abkommen im September 2014 hatte eine gemeinsame ukrainisch-russische Militärkontaktstelle Joint Center for Control und Coordination (JCCC) mit Absprachen lokale Waffenstillstände, Gefangenenaustausch und Erleichterungen fßr die ZivilbevÜlkerung ermÜglicht. Im Dezember 2017 kßndigte Russland den Rßckzug seiner Vermittler an.cite-ref-478[478]
FlĂźchtlinge
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Hauptartikel
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Flucht vor dem russischen Ăberfall auf die Ukraine
2014â2021
Menschen flĂźchteten vor dem Zusammenbruch von Recht und Ordnung aus dem Donbass. Allein in der Ostukraine waren bis Mitte Juni 2014 mindestens 12.700 Vertriebene registriert worden.cite-ref-un15614-172-2[172] Anfang September 2014 gab das UNHCR bekannt, dass nach UN-Schätzungen wegen der Kämpfe mehr als eine Million Menschen ihre Häuser verlassen hatten. 814.000 Menschen seien auf russisches Territorium geflĂźchtet, rund 260.000 Menschen blieben innerhalb der Ukraine.cite-ref-479[479]cite-ref-480[480] FĂźr den Juni 2015 nannte das UNHCR eine Zahl von 2,2 Millionen FlĂźchtlingen, davon 746.000 in Russland. Im Januar 2015 hatte die Europäische Kommission rund 600.000 ins Ausland GeflĂźchtete (davon 500.000 nach Russland) sowie 633.000 FlĂźchtlinge innerhalb der Ukraine gemeldet. Die Situation fĂźr die BevĂślkerung habe sich in den nicht von der ukrainischen Regierung kontrollierten Zonen in Bezug auf Zugang zu Ăśffentlichen Diensten verschlechtert, Versorgung und BewegungsmĂśglichkeiten seien eingeschränkt.cite-ref-481[481] Berichten zufolge verlieĂen in der Folge insbesondere junge und gut ausgebildete Leute aus der Mittelschicht das Gebiet, das nach den Worten von Andrei Kurkow in eine ausweglose Katastrophe geraten war.cite-ref-482[482]
ab 2022
Nach Ende Februar 2022 waren nach dem russischen Ăberfall auf die Ukraine Millionen von Menschen auf der Flucht. GroĂteils handelte es sich um Frauen und Kinder, Männern zwischen 18 und 60 Jahren war zudem keine Ausreise gestattet; bis Ende März 2022 flohen Ăźber vier Millionen Ukrainer vor den Kämpfen und russischem Bombardement ziviler Ziele ins Ausland.cite-ref-483[483] Bis Stand 20. April 2022 erhĂśhte sich die Zahl auf 5 Millionen. Davon floh mit 2,8 Millionen der grĂśĂte Teil zunächst nach Polen.cite-ref-484[484] DarĂźber hinaus waren mehr als 7,7 Millionen BinnenflĂźchtlinge innerhalb der Ukraine auf der Flucht. Die meisten Menschen sind aus der Ostukraine in andere Landesteile, insbesondere in den Westen der Ukraine, geflohen.cite-ref-485[485]
Erstmals lieĂ die âVolksrepublik Luganskâ am 9. August 2022 verlautbaren, dass im Falle der bis auf die Grundmauern zerstĂśrten Stadt Popasna erwogen werde, den Ort, in welchem vor dem Krieg 19.000 Menschen gelebt hatten, nicht wiederaufzubauen.cite-ref-486[486]
Russische Filtrationslager
Zehntausende Menschen wurden 2022 in die besetzten ukrainischen Gebiete oder nach Russland evakuiert respektive deportiert. Alle wurden in Filtrationslagern einvernommen, von manchen Männern fehlte danach jede Spur. AngehĂśrige erfuhren weder den Ort noch den Grund der Arretierung. Schon ein Bart galt als verdächtig und die Bezeichnung des russisch-ukrainischen Krieges als âBĂźrgerkriegâ sei den Lagerinsassen wortwĂśrtlich eingeprĂźgelt worden.cite-ref-487[487]cite-ref-488[488]
Terror 2014â2021
Regierungsfeindliche Kräfte verĂźben Anschläge und Sabotageakte an Bahnlinien, Pipelines oder RekrutierungsbĂźros. Auch Privatpersonen, die sich in BĂźrgerinitiativen engagieren, waren davon betroffen.cite-ref-489[489] Im Dezember 2014 gab es alleine in Odessa sechs Bombenanschläge.cite-ref-490[490] In der Hauptstadt Kiew sprach BĂźrgermeister Klitschko im Januar 2015 von âzehn Anrufen täglichâ an BehĂśrden, in denen Bombenanschläge auf Regierungsgebäude, U-Bahn-Stationen, Kaufhäuser oder BahnhĂśfe gemeldet wĂźrden: âFast alles Falschmeldungen, aber es gibt ein Interesse, uns zu destabilisieren, Unruhe und Angst unter den Menschen zu verbreiten.âcite-ref-491[491]
Im Oktober 2018 saĂen 30 Russen in der Ukraine in Haft, einige davon wegen Terroranschlägen, die sie 2015 in Charkiw und Odessa verĂźbt hatten.cite-ref-492[492]
Kontrollierte Ăbergänge an der Kontaktlinie bis 2021
Die OSZE habe laut dem Leiter der Mission Anfang November 2017 volles Verständnis fĂźr die Sicherung der Ăbergänge durch die Regierung, um zu verhindern, dass Waffen und Personen, die die Ăbergänge nicht benutzen sollten, sie querten. Die Ukrainer hätten aber das Recht, diese Ăbergänge zu benutzen, und seien häufig auch darauf angewiesen. Die Kontaktlinie mit einer Länge von 500 Kilometern verfĂźgte auch im FrĂźhling 2018 Ăźber nur fĂźnf Ăbergänge, wobei sich in der Luhansker-Region weiterhin nur der FuĂgängersteg befand. Die Leute gäben trotzdem nicht auf, sagte Alexander Hug von der OSZE, und Ăźberquerten bis zu 40.000 Mal pro Tag die Kontaktlinie. Durchschnittlich eine Million Menschen Ăźberquerten die Kontaktlinie jeden Monat, so eine UNO-Stelle im Januar 2019.cite-ref-493[493]
Im Mai 2021 verschärften die separatistischen Kräfte die Bedingungen fĂźr die âEinreiseâ. Im September 2019 hatten die Menschen noch 330.000 Mal die Grenze bei Stanyzja Luhanska Ăźberquert, im September 2021 nur noch 25.000 Mal. Bei den Ăbergängen im Gebiet Donezk fiel die Zahl von 7.690.000 Ăbergängen von Januar bis September 2019 auf gerade noch 28.000 von Januar bis September 2021.cite-ref-enteignung-494-0[494]
Rolle Russlands ab 2014
Russland wurde von Beginn des Konfliktes an vorgeworfen, die Unruhen im Osten der Ukraine zu schĂźren; der ukrainische Präsident Poroschenko nannte den Konflikt âvon auĂen provoziertâcite-ref-495[495] und hatte schon im April 2014 die Vermeidung einer drohenden russischen Invasion allen anderen politischen Zielen Ăźbergeordnet.cite-ref-496[496]cite-ref-497[497]
Fßr das militärische Eingreifen Russlands im Donbass hätten sich schon bei der Besetzung der Krim die Anzeichen gemehrt, anstelle eines offenen Krieges schleuste Russland Spezialkräfte, Kriegsgerät aller Art sowie ganze Bataillone von SÜldnern ein, so Andreas Kappeler.cite-ref-498[498]
Die drei ehemaligen Präsidenten der Ukraine Leonid Kutschma, Wiktor Juschtschenko und Leonid Krawtschuk riefen am 22. Juni 2014 Putin auf, die Aggression gegen die Ukraine einzustellen, und sprachen von erwarteten âkonkreten Schrittenâ zur Deeskalation. Sie forderten im Weiteren âdie SĂśldner aus Russlandâ zur RĂźckkehr in ihre Heimat auf.cite-ref-499[499]cite-ref-juscht-500-0[500] Juschtschenko erklärte bei dieser Gelegenheit, es handle sich um einen nicht erklärten Krieg (âUndeclared war against Ukraine is currently under wayâ).cite-ref-juscht-500-1[500]
Die Strategie Russlands war es â wie auch vom russischen Generalstabschef in einem Artikel erläutert â, durch einen breiten Einsatz von politischen, Ăśkonomischen, informationellen, humanitären und anderen nichtmilitärischen Mitteln ein mĂśgliches Protestpotential der BevĂślkerung auszunutzen, ergänzt durch âverdeckte militärische MaĂnahmenâ, darunter informationelle Aktionen und den Einsatz von Spezialeinsatzkräften.cite-ref-501[501] In einem Dokument aus dem Kreml von Februar 2014 wird eine Strategie beschrieben, die russischsprachigen Gebiete von der Ukraine abzuspalten. Dabei mĂźsse man den Zerfall der zentralen Regierungsgewalt nutzen, um auf der Krim und in der Ostukraine separatistische Kräfte zu unterstĂźtzen und Ăźber die Forderung nach einer FĂśderalisierung und Souveränisierung der Gebiete einen Anschluss an Russland zu erreichen.cite-ref-502[502] Entsprechend unterschieden sich die wahrnehmbaren Taten Russlands sowie die den âKonflikt mit verursachende russische Propagandaâ deutlich von den offiziellen Verlautbarungen des Kremls.cite-ref-konfliktpropaganda-503-0[503]
Aus im Zeitraum Juli 2014 abgehĂśrten Gesprächen, welche die Strafermittler des Abschusses von Flug MH17 auswerteten und im November 2019 verĂśffentlichten, ging hervor, dass auch die Befehlskette der regierungsfeindlichen Kräfte nach Russland und bis zu Verteidigungsminister Schoigu reichte. Zeugenaussagen besagten, dass SchlĂźsselfiguren Anweisungen aus Russland erhielten. Schon in einer Aufzeichnung vom 3. Juli 2014 hatte Borodai gesagt: âNun, Sie haben weitreichende Pläne, aber nicht meine. Ich folge Befehlen und schĂźtze die Interessen nur eines Staates, der Russischen FĂśderation. Das ist im Endeffekt alles.âcite-ref-504[504] Die NZZ schrieb dazu:
âDie Mär vom Aufstand der Freiwilligen in der Ostukraine und Moskaus fehlendem Einfluss ist seit längerem entlarvt. Dass die obersten Funktionäre der selbsternannten ÂŤVolksrepublikenÂť Donezk und Luhansk regelmässig in Moskau ihre Direktiven abholen, ist kein Geheimnis. (âŚ) Nicht minder wichtig sind die Beweise dafĂźr, dass hochrangige Moskauer Funktionäre, neben Schoigu auch der FSB-Chef Alexander Bortnikow, fĂźr den Nachschub an militärischen Mitteln und an Personal gesorgt haben.âcite-ref-505[505]
Die britische Regierung hatte schon am 21. März 2014 als Antwort auf den Vorwurf Putins, es gebe angeblich gewaltsame Ăbergriffe im Staat, geantwortet: The single greatest destabilizing force in Ukraine right now is Russia. (Ăbersetzung: Die einzige bedeutende destabilisierende Kraft in der Ukraine in diesem Moment ist Russland.)cite-ref-506[506] Auf die von US-Präsident Obama bei verschiedenen Gelegenheiten âdiplomatisch-vorsichtigâ geäuĂerte âBesorgnisâ Ăźber die âangeblicheâ russische Einmischung im SĂźdosten der Ukraine hatte Präsident Putin regelmäĂig nur geantwortet, dass die geäuĂerte Vermutung auf âunglaubwĂźrdigenâ Informationen beruhe.cite-ref-507[507]cite-ref-508[508]cite-ref-509[509]cite-ref-510[510]
Nachdem 2014 mehr und mehr Freischärler aus Russland in die Ukraine gelangt waren, war das grĂśĂte ukrainische und deutsche Anliegen an Russland eine bessere Ăberwachung seiner Grenze.cite-ref-einsickern-unterbinden-161-2[161] Russland kĂźndigte im Mai 2014 an, dies zu erĂśrtern, auch während der Feuerpause vom 20. bis 30. Juni, blieb aber entweder âtatenlos oder traf wirkungslose MaĂnahmenâ.cite-ref-nzz-feuerpause-35-2[35] Verlautbarungen aus Moskau umschifften diesen Punkt immer wieder.cite-ref-nyt29062014-174-3[174] Russland wollte auch einen Monat später, am 24. Juli, weiterhin keine Ausweitung der geplanten Beobachtermission auf die ganze Grenze zulassen, wie es mehrere OSZE-Mitglieder angestrebt hatten. Russland akzeptierte bis 2019 lediglich die Beobachtung von zwei Zonen von je einigen hundert Metern Breite, auf Hunderte von Kilometern der Grenze.cite-ref-us-osce24-175-1[175] Neben dem von Russland nicht verhinderten Fluss von Kriegsmaterial und Freiwilligen Ăźber die Grenze beschuldigten nach der Ukraine auch die USA Ende Juli Russland des direkten Beschusses der Ukraine von Russland aus.cite-ref-511[511]
Der schwedische Historiker und Russlandexperte Stefan Hedlund erläuterte im August 2014 die fortgesetzte Taktik des Kremls, die Beobachter in kleinen Eskalationen mit den Grenzquerungen von Kriegsmaterial âvertrautâ zu machen und so fortzusetzen: Als Grundlage dienten kleine Schritte der Eskalation, âauf die mit zunehmend ermĂźdender Routine Verurteilungen folgen. Der Kreml hat den Boden fĂźr einen hĂśheren Einsatz bereitet â fĂźr eine offenere Operation bei Tageslicht, ohne dass dadurch schärfere Sanktionen provoziert wĂźrden.âcite-ref-hedlund-512-0[512] Eine Steigerung der Intervention Russlands erfolgte insbesondere Ende August 2014, was es den Rebellenmilizen erlaubte, die Geländeverluste durch Hilfe aus Russland zu stoppen.
Nach zuvor nie genannten GrĂźnden, warum die Grenze nicht zu kontrollieren sei, machte Russland im Dezember 2014 nicht näher spezifizierte âVerpflichtungen in Zusammenhang mit den (nicht anerkannten) Wahlen in der Ostukraineâ zur Voraussetzung fĂźr eine internationale Kontrolle der Grenze. Zusätzlich verwahrte sich Lawrow gegen Kritik an Russland unter Berufung auf das Prinzip der Nichteinmischung in âinnere Angelegenheitenâ.cite-ref-513[513]cite-ref-514[514]
Das UNHCHR hatte im Herbst 2014 erhebliche Bewegungen von âmilitärisch gekleideten Personenâ Ăźber die russisch-ukrainische Grenze festgehalten und unter Vermeidung der Formulierung, dass es sich um russische Truppen handle, geschrieben: âThe continuing presence of a large amount of sophisticated weaponry, as well as foreign fighters that include servicemen from the Russian Federation, directly affects the human rights situation.â (Die Menschenrechts-Situation wird direkt durch die Anwesenheit von hochentwickelten Waffen und ausländischen Kämpfern, inbegriffen Soldaten der Russischen FĂśderation, beeinträchtigt.)cite-ref-reutersun-471-1[471] Im Januar 2015 erklärte Präsident Poroschenko, es stĂźnden 9000 russische Soldaten in der Ukraine.cite-ref-515[515] Als âInvasions-Hubâ war der Ort Chkalova nordĂśstlich von Taganrog in der Oblast Rostow bekannt.cite-ref-516[516] Journalisten untersuchten die Spuren des Artilleriebeschusses im Juli 2014 und kamen zum Ergebnis, dass es tatsächlich russische Truppen gewesen seien, die vom Territorium Russlands aus Ziele in der Ukraine mit Artillerie beschossen hätten, um die Niederlage der Freischärlerverbände zu verhindern.cite-ref-517[517] Ein Bericht des britischen Royal United Services Institute nannte eine Beteiligung von 117 militärischen Einheiten der russischen Streitkräfte bis Februar 2015, um insgesamt 42.000 Soldaten in Rotationen seit August 2014 in der Ukraine anwesend zu halten. Die russischen Besatzungen der Kampfpanzer vom Typ T-72B3 wussten, dass es zum Kampf in der Ukraine geht, als ihre Gruppen zusammengestellt wurden.cite-ref-nzz-92835-300-1[300]cite-ref-faz-13463017-518-0[518]cite-ref-519[519] Im Mai 2015 bestätigte auch die OSZE, dass reguläre russische Soldaten als Kampftruppen in den Konflikt involviert sind.cite-ref-520[520]
Im Rahmen der Beobachtungen der OSZE wurde im August 2018 erstmals von einer Drohne eine nächtliche Grenzquerung schwerer Lastwagen von Russland in die Ukraine und zurßck klar auswertbar dokumentiert, auf einem der unzähligen Feldwege entlang der 400 Kilometer langen Grenze. Nur sporadisch flogen Drohnen der OSZE in diesem riesigen Gebiet, lieferten dazu nicht immer einwandfreie Bilder und wurden auch beschossen.cite-ref-oszenacht-521-0[521]
Per Dekretcite-ref-nowaja18419-522-0[522] verfĂźgte Präsident Putin im April 2019 die erleichterte Ausstellung von russischen Reisepässen an Bewohner der regierungsfeindlichen Gebiete. Das Vorgehen war aus SĂźdossetien bekannt, das später russisch besetzt wurde,cite-ref-523[523] und erinnerte an die illegale Verteilung russischer Pässe auf der Krim. Die Vorgehensweise ist in der Literatur als Passportisierung (âpasportizatsiyaâ, паŃпОŃŃиСаŃиŃ) bekannt und kĂśnnte auf die gesamte Ukrainecite-ref-nowaja18419-522-1[522] ausgedehnt werden.cite-ref-524[524]cite-ref-525[525]cite-ref-526[526]
Nach Ansicht der Politologin Gwendolyn Sasse bewirkte der Krieg bis 2018 âdas Gegenteil von dem [âŚ], was Russland durch seine UnterstĂźtzung fĂźr die âVolksrepublikenâ zu erreichen hoffte: Die Idee vom ukrainischen Staat ist gestärkt worden und vereint weite Teile des Landes mehr als je zuvorâ.cite-ref-527[527] Das russische Ziel fĂźr die Ukraine war in der Darstellung des Slawisten Ulrich Schmid nicht das heutige ukrainische, sondern das âarmenische Szenarioâ gewesen, das einer eingeschränkten Souveränität unter russischer Kontrolle.cite-ref-528[528]
Russische Propaganda
Das UN-Hochkommissariat fĂźr Menschenrechte schrieb Mitte April 2014, die Propaganda im Fernsehen Russlands habe parallel zu den Entwicklungen auf der Krim signifikant zugenommen, darunter vĂślkerrechtlich verbotene Hasspropaganda: Media monitors indicated a significant raise of propaganda on the television of the Russian Federation, which was building up in parallel to developments in and around Crimea. Cases of hate propaganda were also reported.cite-ref-529[529] Die russische Propaganda habe Monate zuvor begonnen, als die Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens der Ukraine mit der EU anstand.cite-ref-530[530]
âDie ersten 20 Minuten der Nachrichten sind teilweise reine Hasspropagandaâ, wertete der Politikwissenschaftler Andreas Umland Anfang März 2014, während die SĂźddeutsche Zeitung von âinszeniertenâ und sogar frei erfundenen Berichten spricht.cite-ref-531[531]cite-ref-preise-erfunden-532-0[532] Der Ukraine-Historiker Andreas Kappeler stellte fest: âEine unheimliche Propaganda-Maschinerie⌠es ist einfach kaum vorzustellen, die LĂźgengeschichten, die da erzählt werden.âcite-ref-533[533] Und: âAlle Umfragen (dazu) weisen darauf hin, dass es nie innerethnische Antagonismen zwischen Russen und Ukrainern gab. Heute aber gibt es den Konflikt, und er wird durch Propaganda erzeugt.âcite-ref-konfliktpropaganda-503-1[503] Es wurde eine in Russland allgemein verbreitete Faschismus-Rhetorik verwendet; so wurde der bewusst an deutsche Aktionen im Zweiten Weltkrieg erinnernde Begriff âStrafaktionâ von Rossija 1 bis August 500 Mal verwendet.cite-ref-schimpfwort-534-0[534]cite-ref-535[535] Der Historiker Timothy Snyder spricht von Nonstop-Propaganda und Phrasen-Recycling. Er beschuldigt Putin, Ukrainer irrefĂźhrend als ârussische Landsleuteâ zu bezeichnen und deren SchutzbedĂźrftigkeit vor den âFaschistenâ in Kiew zu postulieren.cite-ref-536[536]
Präsident Putin selber nannte die Vorkommnisse in der Ukraine âTerror, Morde und Pogromeâ und die Menschen, die Ăźber dieses Land bestimmten (gemeint war die Ăbergangsregierung), âNationalisten, Neonazis, Russophobe und Antisemitenâ.cite-ref-537[537]cite-ref-538[538]cite-ref-539[539] Verärgerte Vertreter der jĂźdischen Gemeinden selbst schrieben einen offenen Brief an Putin und forderten ihn auf, die âbeliebig ausgewählten LĂźgen und Beschimpfungenâ zu stoppen. Sie schrieben: âWir leben in einem demokratischen Land und kĂśnnen uns Meinungsunterschiede leistenâ, auch wenn sie nicht in allem einig seien und die Stabilität der Ukraine angegriffen sei; angegriffen âvon der russischen Regierung, namentlich von Ihnen persĂśnlichâ.cite-ref-540[540]
Die russische Zeitung Wedomosti berichtete Anfang Mai 2014, Präsident Putin habe dreihundert Journalisten fßr ihre Krim/Ukraine-Berichterstattung mit bestimmten Orden ausgezeichnet.cite-ref-541[541] Die Website der Zentralen Wahlkommission der Präsidentschaftswahl wurde manipuliert und das Bild eines Nationalisten eingeschleust, der angeblich die Präsidentenwahl gewonnen habe, der aber tatsächlich weniger als 1 Prozent der Stimmen erhalten hatte. Die ukrainischen BehÜrden konnten diese Manipulation rßckgängig machen, im russischen Fernsehen wurde die Grafik mit der Falschmeldung, ein Nationalist sei zum Präsidenten der Ukraine gewählt worden, jedoch gezeigt.cite-ref-542[542]
Am 11. und 12. Juni behaupteten russische Fernsehsender, ukrainische Verbände hätten Brandangriffe mit weiĂem Phosphor bei Semeniwka durchgefĂźhrt. Der russische AuĂenminister Sergei Lawrow forderte eine Untersuchung. Menschenrechtler stellten fest, dass ein Teil der Aufnahmen, die das russische Fernsehen zu der Geschichte ausgestrahlt hatte, US-amerikanische Angriffe im Irak von 2004 zeigte. Auch zeigten die Originalaufnahmen nach dem Urteil der Menschenrechtler keinen Brandangriff.cite-ref-543[543]
Journalisten nahmen nach einem Abflauen der Propaganda Anfang Juli bald wieder eine deutliche Verstärkung der BemĂźhungen wahr.cite-ref-544[544] So trat im russischen Staatsfernsehen am 11. Juli eine angebliche Augenzeugin auf, die von der Ăśffentlichen Kreuzigung und anschlieĂenden Ermordung eines dreijährigen Kindes durch ukrainische Truppen in Slowjansk berichtete. Der Vorfall lieĂ sich weder bestätigen, noch passten die beschriebenen Ărtlichkeiten zu denen in Slowjansk. Journalisten vermuteten einen Zusammenhang mit einer ähnlichen Geschichte, die der rechtsradikale Nationalist Alexander Dugin auf Facebook zwei Tage zuvor verbreitet hatte.cite-ref-545[545]cite-ref-546[546] Offizielle Vertreter der Vereinigten Staaten von Amerika beschuldigten am 22. Juli die russische Regierung, einen starken Druck auszuĂźben, damit Untergebene und Russland freundlich gesinnte Elemente die Medienlandschaft manipulieren, um die russische Version der Ereignisse zu verbreiten.cite-ref-wp22072014-207-1[207]
In russischen Staatsmedien traten auch ausländische Politiker als Unterstßtzer Russlands und als vermeintlich wichtige Experten auf, die in ihren Heimatländern jedoch den politischen Rändern zugeordnet werden. Dazu gehÜren aus Deutschland Christoph HÜrstel, Gunnar Lindemann und Andreas Maurer. Letzterer behauptete zum Beispiel, die Armee der Ukraine fßhre Krieg gegen die BevÜlkerung der besetzten Ostukraine. Solche Propagandaauftritte dienen laut Anton Schechowzow dazu, der russischen BevÜlkerung den Anschein zu vermitteln, Russland sei international nicht isoliert und werde auch im Westen unterstßtzt.cite-ref-547[547]cite-ref-548[548]cite-ref-549[549]
Auch noch im Februar 2015 sprach Präsident Putin von einem âGenozidâ in Bezug auf die Gasversorgung im Donbas. In Moskau wurde mit einer Demonstration am Jahrestag der Maidan-Toten am 22. Februar 2015 vor einem Maidan in Russland gewarnt. Ăber die versammelten Demonstranten wurde von einigen Medien bemerkt, sie hätten keine eigene Meinung gehabt, wären zur Teilnahme aufgefordert oder gar dafĂźr bezahlt worden.cite-ref-550[550]
Die russische Propaganda verbreitete das Narrativ der ukrainischen âNazisâ durchgehend bis zur Invasion 2022. Schockierte Familienmitglieder von durch die Kontaktlinie getrennten Familien stellten fest, dass die Menschen auf russischer Seite die Propaganda fĂźr glaubwĂźrdiger hielten als die Berichte der eigenen Familienmitglieder.cite-ref-551[551] Die OSZE-Mission hingegen bestätigte die Einhaltung von Menschen- und BĂźrgerrechten in der Ukraine und konnte keine Verfolgung der russischen Sprache und ethnischer Russen feststellen.cite-ref-552[552]
Offizielle Verlautbarungen
Russlands Präsident Putin erklärte vor der Wahl vom 25. Mai 2014 stets, dass âjuristisch gesehenâ Wiktor Janukowytsch der legitime Präsident der Ukraine sei. Das Verlassen des Landes sei keine verfassungsmäĂige Grundlage fĂźr seine Absetzung gewesen, da dieser Fall so nicht in der Verfassung der Ukraine festgeschrieben sei wie z. B. Krankheit oder Tod.cite-ref-553[553] Gleichzeitig erklärte Putin, dass er fĂźr Janukowytsch keine politische Zukunft mehr sehe.cite-ref-zeit-r-ckgabe-554-0[554] Janukowytsch nannte später die Abtrennung der Krim eine TragĂśdie und forderte von Putin deren RĂźckgabe an die Ukraine.cite-ref-zeit-r-ckgabe-554-1[554]
Der Vertreter Russlands bei der Vereinbarung vom 21. Februar, Wladimir Lukin, bezeugte die Vereinbarung nicht mit seiner Unterschrift.cite-ref-nzz-die-m-r-555-0[555] Das offizielle Russland berief sich dennoch immer wieder auf dieses gescheiterte Abkommen, so auch noch im September 2014.cite-ref-556[556]
Putin selbst benannte die Vorgänge in der Ukraine bei seiner Rede vom 18. März 2014 als âTerror, Mord und Pogromâ, ausgefĂźhrt von âNationalisten, Antisemiten, Neonazis und Russophoben, die in der aktuellen Regierung in Kiew Ăźber das Leben in der Ukraine bestimmenâ.
Putin erwähnte in seiner Rede vom 18. März auch, dass die Menschen in der Ukraine gelitten hätten unter den zuvor korrupten Regierungen und dem Kampf um HonigtĂśpfe. âMan kann verstehen, warum die Ukrainer Veränderungen wolltenâ.cite-ref-putin-18-3-557-0[557] Putin verstehe âsehr gut, wer mit friedlichen Parolen auf den Maidan gekommen ist gegen Korruption, ineffiziente Staatsverwaltung und gegen die Armut und fĂźr das Recht auf demokratische Prozedurenâ.
Am 29. März sagte Sergei Lawrow, Russland habe ânicht die geringste Absichtâ, mit seinen Truppen die Grenze zur Ukraine zu Ăźberqueren. In einem Telefongespräch mit US-Präsident Barack Obama warnte Wladimir Putin vor âExtremistenâ in Kiew und zeigte sich zudem besorgt Ăźber eine âäuĂere Blockadeâ Transnistriens. Auch dort wolle Russland aber nicht militärisch eingreifen.cite-ref-558[558] Nach einem Treffen mit John Kerry am 30. März in Paris nannte Sergei Lawrow eine fĂśderalisierte Ukraine eine Bedingung fĂźr Gespräche mit der ukrainischen Ăbergangsregierung. Kiew mĂźsse sich auĂerdem verpflichten, nicht der NATO beizutreten.cite-ref-559[559]
Am 8. April äuĂerte Putin die Hoffnung, âdass die Ăbergangsregierung in Kiew nichts tun werde, was später nicht korrigiert werden kannâ.cite-ref-560[560] Einige Tage vorher hatte Russland bekanntgegeben, den Vertrag Ăźber die Aussendung des von der US-Regierung finanzierten Radiosenders Voice of America Ăźber Mittelwelle nicht verlängern zu wollen.cite-ref-561[561] Am 15. April 2014 kritisierte der russische Präsident Wladimir Putin das militärische Vorgehen der ukrainischen Ăbergangsregierung âgegen das eigene Volkâ und verlangte in einem Telefonat mit Ban Ki-moon, dass die UNO âdas verfassungswidrige Vorgehen der Machthaber in Kiew verurteilenâ mĂźsse.cite-ref-spiegel150414-562-0[562]
Am 23. April betonte der russische AuĂenminister Lawrow, ein Angriff auf russische BĂźrger sei ein Angriff auf die Russische FĂśderation, und verwies auf SĂźdossetien, wo Russland im Kaukasuskrieg 2008 eingegriffen hatte.cite-ref-563[563] Er zeigte sich weiterhin Ăźberzeugt, dass die USA die Fäden in der Ukraine ziehen.cite-ref-564[564]
Am 12. Mai forderte Russland die âfriedlicheâ Umsetzung der Resultate des fragwĂźrdigen Referendums vom 11. Mai, fĂźr das Putin noch Tage zuvor eine Verschiebung vorgeschlagen hatte. AuĂenminister Lawrow sagte, dass von Russland nicht erwartet werden kĂśnne, sich von den Separatisten abzuwenden: âVon Russland kann nicht verlangt werden, dass es die Milizen ohne weiteres hinzunehmen zwingt, dass sie entweder endgĂźltig ausgerottet werden oder sich auf Gnade und Ungnade ergeben mĂźssen.âcite-ref-565[565] Putin warf den ukrainischen Truppen am 28. August Gräueltaten vor, verglich sie mit denen der Nazis während der Belagerung von Leningrad und beglĂźckwĂźnschte anschlieĂend die Separatisten zu ihren Erfolgen. Man wolle nicht und werde nicht in einen solchen Krieg hineingezogen werden.
Am 29. August sagte Putin, die russischen Streitkräfte und ihre Kernwaffen wĂźrden jeder Aggression entgegentretencite-ref-566[566] und Russland sei weit davon entfernt, sich in irgendwelche groĂen Konflikte einzumischen. Am 1. September sagte der russische AuĂenminister Lawrow erneut zu, Russland habe keine Absicht, militärisch in der Ukraine zu intervenieren: âEs wird keine Militärintervention geben.â Die Regierung in Moskau wies auch die VorwĂźrfe der ukrainischen Regierung zurĂźck, Hunderte von Panzern und Tausende von Soldaten in die Ukraine verlegt zu haben.cite-ref-567[567]
Wie zuvor schon andere Nichtregierungsorganisationen in Russland wurden die SoldatenmĂźtter zu âausländischen Agentenâ erklärt, als sie Zahlen verĂśffentlichten, nach denen bis zu 15000 russische Soldaten schon zum Kampf in der Ukraine gewesen sein sollten.cite-ref-568[568]
Lawrow warnte am 4. September 2014 die NATO vor einer weiteren Annäherung an die Ukraine; am blockfreien Status der ehemaligen Sowjetrepublik dßrfe nicht gerßttelt werden.cite-ref-postition-569-0[569]
Auch während des G20-Gipfels in Australien im November stellte sich Putin einerseits auf den Standpunkt, es stĂźnden keine Russen in der Ukraine.cite-ref-570[570] Der Präsident verneinte jedoch nicht, er extemporierte auf die Frage, ob Russland die Separatisten mit Waffen und mit Soldaten unterstĂźtze.cite-ref-571[571] Er äuĂerte zusätzlich die BefĂźrchtung, die Ukraine âkĂśnnte ethnische Säuberungen durchfĂźhrenâ und âin den Neo-Nazismus abdriftenâ.cite-ref-572[572] Putin legte der Ukraine Ende Oktober nahe, falls sie die Einheit des Staates wolle, dann solle sie sich ânicht an den Besitz einzelner Ortschaften klammernâ â das wichtigste sei vielmehr, den Krieg unverzĂźglich zu beenden.cite-ref-nyt281014-279-1[279]
Am 4. Dezember 2014 hielt Putin die jährliche âRede zur Lage der Nationâ vor der FĂśderationsversammlung (den beiden Kammern des russischen Parlaments).cite-ref-573[573]cite-ref-574[574] Ein FAZ-Kommentar charakterisierte die mit Elementen von VerschwĂśrungstheorien versehene Rede âeine krude Mischung aus halsbrecherischer Rechtfertigung seiner Ukraine-Politik, der Stilisierung Russlands als Opfer westlicher WeltherrschaftsgelĂźste und Drohungen gegen Europa und vor allem gegen die Vereinigten Staatenâ.cite-ref-faz-13302190-283-1[283]cite-ref-575[575] Berthold Kohler, einer der vier Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, resĂźmierte nach der Rede, Putin fĂźhre âbereits einen neuen Kalten Krieg gegen den Westenâ; der Westen mĂźsse sich fragen, was fĂźr weitere âGroĂtatenâ Putin â mĂśglicherweise Ăźber Gebiete wie Ost-Ukraine, Moldawien oder das Baltikum hinaus â im Schilde fĂźhre.cite-ref-576[576]
Am 23. Dezember 2014 wurde nach einer Telefonkonferenz der sogenannten âNormandiegruppeâ, bestehend aus Petro Poroschenko, Putin, François Hollande und Angela Merkel, offiziell bekanntgegeben, dass innerhalb von Tagen die Minsker Friedensgespräche wiederaufgenommen wĂźrden.cite-ref-weihnachtsgespr-che-577-0[577] Beim Treffen am 24. Dezember einigte man sich auf einen Gefangenenaustausch (150 gefangene Soldaten der ukrainischen Armee gegen 225 âSeparatistenâ).
Lawrow betonte Anfang Februar 2015, die Gespräche mit Merkel und Hollande gäben Anlass zu einem gewissen Optimismus. Russland präsentierte er als armes Opfer westlicher Machenschaften. Seine mit wilden Behauptungen gespickte Rede empfanden manche als Paradebeispiel hybrider Kriegfßhrung.cite-ref-578[578]cite-ref-579[579]
Ende Mai 2015 unterzeichnete Putin ein Dekret, dass die Zahl der Toten in den Reihen der russischen Armee in Friedenszeiten als Offizielles Staatsgeheimnis zu gelten habe. Damit sollen offenbar Berichte ßber Tote in der Ostukraine unterbunden werden.cite-ref-580[580] Nach einer Klage von Menschenrechtsaktivisten bestätigte das Verfassungsgericht das Gesetz.cite-ref-581[581]
Putin warnte vor dem Beginn der FuĂball-Weltmeisterschaft 2018 die Ukraine davor, dass Kriegshandlungen während der Spiele âsehr schwere Folgen fĂźr die ganze ukrainische Staatlichkeit habenâ wĂźrden.cite-ref-582[582]
Im November 2021 bewertete Putin die âAnspannungâ des Westens als Zeichen dafĂźr, dass Russlands Einwände gegen die NATO-Osterweiterung âernst genommen wĂźrdenâ und bemerkte gegenĂźber seinen Beamten, dass die Anspannung aufrechterhalten werden mĂźsse, um âlangfristige rechtliche Sicherheitsgarantienâ vom Westen zu erhalten.cite-ref-2-583-1[583]cite-ref-3-584-0[584] Zuvor hatte Putins Stellvertreter im Sicherheitsrat, Dmitri Medwedew, erklärt, dass ein Dialog mit der Ukraine âĂźberflĂźssigâ (âsinnlosâ) sei.cite-ref-585[585] Russland forderte die NATO im Dezember erneut auf, die 2008 ausgesprochene BeitrittsmĂśglichkeit der Ukraine und Georgiens zu widerrufen sowie NATO-MilitärĂźbungen in russischer Grenznähe fĂźr die Zukunft auszuschlieĂen. Gleichzeitig begann Russland laut Angaben der Ukraine eine MilitärĂźbung im Asowschen Meer, bei der die russische Marine Teile des Meeres gesperrt hätte.cite-ref-586[586] Wenige Tage vor Weihnachten erklärte der russische Botschafter fĂźr die EU, dass Russland keine Invasion plane.cite-ref-587[587]
Russland forderte im Januar 2022 von der NATO Sicherheitsgarantien; das MilitärbĂźndnis solle keine weiteren Mitglieder aufnehmen und seine Truppen aus Osteuropa abziehen.cite-ref-588[588] Beim Treffen des NATO-Russland-Rates am 12. Januar kam es zu keinen substantiellen Vereinbarungen,cite-ref-589[589] der russische OSZE-Botschafter Alexander Lukaschewitsch warnte vor einem âVerschleppen der Verhandlungenâ, dies kĂśnne zu einer âunvermeidlichen Verschlechterung der Sicherheitslage ausnahmslos aller Staatenâ fĂźhren. Russland sei ein friedliebendes Land. âAber wir brauchen keinen Frieden um jeden Preis.âcite-ref-590[590] Präsidentensprecher Peskow beklagte sich am 16. und 17. Februar, kein einziger westlicher Vertreter erwähne je das âenorme Angriffspotentialâ der ukrainischen Streitkräfte. Die âprovokativen Aktionen Kiewsâ hätten zugenommen und dies kĂśnne âjederzeitâ die Situation explodieren lassen.cite-ref-591[591] Nach seiner Rede vom 21. Februar zur Anerkennung der Vasallenstaaten in Donezk und Luhansk folgte Putins Ansprache vom Morgen der Invasion am 24. Februar 2022, er nannte sie eine âmilitärische Spezialoperationâ.cite-ref-592[592]
Der russische Präsident drohte am 8. Juli im Kreml, dass Russland in der Ukraine ânoch gar nicht ernsthaft begonnen habeâ, es laufe auf eine âTragĂśdie fĂźr das ukrainische Volkâ hinaus.cite-ref-593[593]
Waffensysteme der russischen Streitkräfte in der Ukraine 2014â2021
Die russische Propaganda verbreitete die Legende, der plÜtzliche Besitz gepanzerter Fahrzeuge der regierungsfeindlichen Kräfte erkläre sich aus deren Erbeutung aus einem Depot bei Artemiwsk (Perewalsk). Tatsächlich jedoch war von fßnf Angriffen auf das Depot von Frßhling bis Sommer 2014 keiner erfolgreich gewesen. Die tatsächlichen meist nächtlichen Lieferungen von Kriegsmaterial von Russland ßber die Grenze war verschiedentlich von ukrainischen Stellen gemeldet worden,cite-ref-bpm97-594-0[594] jedoch erst im August 2018 von OSZE-Beobachtern erstmals in auswertbarer Form dokumentiert worden.cite-ref-oszenacht-521-1[521]
Der Abschuss von Malaysia-Airlines-Flug 17 erfolgte durch ein den russischen Streitkräften zuzuordnendes Buk-System.cite-ref-595[595] Schon ab August 2014 waren T-72-Panzer der nur von den russischen Streitkräften benutzten Version T-72B3 in der Ukraine eingesetzt wordencite-ref-596[596]cite-ref-597[597] sowie T-90A.cite-ref-598[598] Ebenso frĂźh war von ausschlieĂlich russischen Raketenwerfer-Systemen âTornadoâ die Rede, dieses System wird sogar im Memorandum zu den aus den Kampfgebieten zurĂźck zu ziehenden schweren Waffen gemäà Minsker Protokoll im September 2014 erwähnt.cite-ref-putin-krieg-599-0[599]cite-ref-600[600]
Zwei Beobachtungs-Drohnen der OSZE wurden von (pro-)russischen Truppen mittels konzentrierter Mikrowellen (also mit den neuesten High-Tech-Waffen einer modernen Armee) zum Absturz gebracht.cite-ref-janes-com-601-0[601]cite-ref-zeit-2015-03-03-602-0[602] Im Mai 2015 wurde eine russische IAI Searcher Feuerleit-Drohne Ăźber der Ukraine abgeschossen, die erst zum Jahreswechsel 2013/14 bei den russischen Streitkräften eingefĂźhrt worden war.cite-ref-603[603] Kurz darauf verĂśffentlichte Bellingcat eine (weitere) Lokalisierung eines modernen russischen Panzir-S1-Systems in Luhansk.cite-ref-604[604] Die seit September 2014 bekannte und im Spätherbst 2014 auf ukrainischer Seite vorsichtig gemeldete Präsenz von 240-mm-MĂśrsern des russischen Typs 2S4cite-ref-605[605] wurde im Juli 2015 nach einer Sichtung durch die OSZE bestätigt.cite-ref-606[606] Schon im August 2014 war das Wintores-ScharfschĂźtzengewehr beim VorstoĂ der russischen Truppen bei Ilowajsk im Einsatz gewesen,cite-ref-607[607] im FrĂźhjahr 2015 trug ein in der Ukraine gefangengenommener russischer Soldat ein solches Gewehr bei sich.cite-ref-608[608] Die OSZE dokumentierte nach frĂźheren Beobachtungen der ukrainischen Seite im August 2015 und August 2016 selber russische StĂśrstationen R-330ZH âSchitelâ, mit der Mobilfunknetze unterdrĂźckt werden kĂśnnen.cite-ref-609[609]cite-ref-610[610]cite-ref-611[611] Ende September 2015 meldeten die OSZE-Beobachter ein Waffensystem des Typs TOS-1 âBuratinoâ in der Ostukraine.cite-ref-612[612] Sie hatten den Mehrfachraketenwerfer am 26. September auf einem Ăbungsgelände der Separatisten, 31 km sĂźdwestlich von Luhansk, entdeckt.cite-ref-613[613] BPM-97 waren schon 2015 in Debalzewe eingesetzt worden.cite-ref-bpm97-594-1[594] Die OSZE dokumentierte 2018 im Weiteren die Anwesenheit eines Systems vom Typ Krassucha zur elektronischen StĂśrung und weitere 3 solcher russischen Systeme.cite-ref-614[614]
Russische âFreiwilligeâ 2014â2021
Zur Verschleierung der Anwesenheit russischer Soldaten in der Ukraine schieden diese nach Ăźbereinstimmenden Berichten offiziell aus dem Militärdienst aus, um danach mit einem inoffiziellen Vertrag in die Ukraine zu gelangen. Oft wurden die geleisteten Dienste trotzdem mit dem fĂźr die Streitkräfte Ăźblichen Begriff âDienstreiseâ bezeichnet. Neben diesen Zeitsoldaten waren offenbar aber auch gewĂśhnliche Rekruten der russischen Streitkräfte, also Wehrpflichtige, in der Ukraine im Einsatz, deren Beteiligung an Kampfhandlungen laut dem Gesetz verboten ist. Damit nahmen auch nicht alle russischen Soldaten freiwillig am Krieg teil.cite-ref-silowiki-615-0[615] GegenĂźber der OSZE hatten Gefangene die Aussage gemacht, dass sie âBestandteil von russischen Einheiten seien, die im Rotationsverfahren in der Ukraine kämpfenâ.cite-ref-neverending-616-0[616] Nach Informationen von Fachleuten aus Kreisen der russischen Opposition um Boris Nemzow wurden fĂźr die angeblichen Freiwilligen 80.000 MonatslĂśhne zu eintausend Euro eingesetzt. Ein solcher Lohn entspricht fast dem Doppelten eines russischen Durchschnittseinkommens, gleichzeitig bedeutete diese Zahl, dass zehn Monate lang je 8000 Personen Lohn erhalten hatten.cite-ref-putin-krieg-599-1[599] In einem Bericht von Gazeta.ru war im Sommer 2015 von einem Gehalt von 140 Euro pro Tag die Rede sowie einem in Russland mit zahlreichen VergĂźnstigungen versehenen Veteranenstatus.cite-ref-gaz62desert-617-0[617]
Der Nachteil des inoffiziellen Status erĂśffnete sich den Soldaten und AngehĂśrigen insbesondere im Falle einer Verhaftung, Verwundung oder des Todes, da im Unterschied zu einem Vertragssoldaten keine offiziellen Untersuchungen, keine Renten und andere staatlichen Leistungen zu erwarten waren.cite-ref-faz-13463017-518-1[518]cite-ref-nzz-92835-300-2[300] Auch die beiden im Mai 2015 gefangenen russischen Soldaten, die in Kiew den Besuch des russischen Botschafters wĂźnschten, wurden von jenem ignoriert.cite-ref-618[618] In russischen Medien war davon die Rede, dass es âsinnvoller seiâ, freiwillig in der Ukraine eingesetzt zu werden, als in den Kasernen zu sitzen.cite-ref-619[619]
Aus Angst vor einem Einsatz in der Ukraine nahm aber die Zahl der FahnenflĂźchtigen zu: In der Republik Adygeja wurden im ersten Halbjahr 2015 nicht weniger als 62 Verfahren wegen unerlaubten Entfernens (bzw. eigenmächtiger Abwesenheit) von der Truppe und Desertion eingeleitet, verglichen mit 35 solcher Verfahren in den Jahren 2010â2014.cite-ref-gaz62desert-617-1[617]
Bereits im August 2014 sorgten frische, vorerst namenlose Gräber auf einem Friedhof in Pskow im Nordwesten Russlands fĂźr mediales Aufsehen. Lokale Medien berichteten, dass dort russische Soldaten von der Eliteeinheit der 76. Gardedivision der russischen Luftlandetruppen begraben wurden, die in der Ostukraine gestorben waren. Einige Verwandte der GetĂśteten bestätigten zunächst, dass die Soldaten bei der Schlacht um Luhansk ums Leben kamen, zogen ihre Aussagen jedoch wieder zurĂźck, nachdem sie eingeschĂźchtert worden waren. Von Russland hieĂ es weiterhin offiziell, dass keine russischen Soldaten in der Ukraine kämpften und es in der Fallschirmjägerbrigade keine neuen Todesfälle gegeben habe. Im Jahr 2018 wurden, finanziert vom russischen Verteidigungsministerium, die SandhĂźgel und namenlosen Kreuze auf dem Friedhof durch Grabsteine aus Granit mit Namen, Dienstabzeichen, Porträts in LebensgrĂśĂe und Kränzen des Militärs ersetzt. Solche Versorgungsgelder stehen nur Veteranen mit 20-jähriger BerufszugehĂśrigkeit und Teilnehmern an Kampfhandlungen zu.cite-ref-620[620]
Mitte Mai 2015 wurden bei Luhansk zwei AngehÜrige der russischen 3. Garde-Spezialaufklärungsbrigade festgenommen.cite-ref-621[621]
Im August 2015 wurde in einer russischen Internetquelle unbeabsichtigter Weise von einer Zahl von 2000 gefallenen und 3200 schwer verwundeten russischen MilitärangehĂśrigen berichtet; diese Quelle wurde nach kurzer Zeit gelĂśscht.cite-ref-622[622] Nicht offiziell dementiertcite-ref-623[623] wurde ein Bericht im Jahr 2017 von Wedomosti: Aufgrund von Fall-Anmeldungen beim Versicherer von AngehĂśrigen der russischen Streitkräfte lieĂen sich fĂźr die Gefechte von Ilowajsk im August 2014 die Verluste unter der russischen Truppen auf nicht Ăźber 170 Personen schätzen.cite-ref-624[624]cite-ref-625[625]
Ein Offizier der russischen Streitkräfte, Oleg Leontjew, bat im Jahr 2018 vor einem russischen Militärgericht um eine Strafmilderung in Anbetracht seiner Kampfhandlungen und Verdienste in der Ukraine. Dies galt als erstes vor Gericht protokolliertes Eingeständnis eines russischen Soldaten Ăźber die Truppenpräsenz Russlands in der Ukraine. Der wegen TĂśtung eines Soldaten unter merkwĂźrdigen Umständencite-ref-626[626] angeklagte Leontjew sagte, dass er auf dem Territorium des Nachbarstaates, wo russische Truppen offiziell nicht aktiv waren, an militärischen Operationen teilgenommen habe.cite-ref-627[627] Ein weiteres Gerichtsverfahren offenbarte 2021 detailliert die Logistik, welche Russland zur Versorgung der regierungsfeindlichen Kräfte betrieb und enthielt als deren Bezeichnung âmilitärische Einheiten der Streitkräfte der Russischen FĂśderation, stationiert auf dem Gebiet der DNR und der LNRâ. Nachdem Präsidentensprecher Peskow den Sachverhalt energisch dementiert hatte, erklärte das Gericht, diese Aussage des Angeklagten sei von ihm nicht inhaltlich geprĂźft worden.cite-ref-70lkw-628-0[628]
Finanzierung der Separatisten
Im April 2022 wurde angeblich Hausarrest gegen Wladislaw Jurjewitsch Surkow verhängt. Grund sei die Veruntreuung von Geldern, die fßr die ostukrainischen Separatisten gedacht waren.cite-ref-629[629] Zuvor hatte laut dem Nemzow-Bericht Igor Girkin mitgeteilt, dass er auf Druck des Kremls von seinem offiziellen Amt im Donbass zurßckgetreten sei. Er erklärte auch, dass Surkow im Donbass eine entscheidende Rolle spiele.cite-ref-630[630]
RĂźckhalt in der BevĂślkerung
Der RĂźckhalt in der BevĂślkerung fĂźr die Bewaffneten (âmehr oder minder starke Sympathie fĂźr die bewaffneten Besetzerâ) betrug im April 2014 gemäà einer Umfrage des Kyiv International Institute of Sociology (KIIS)cite-ref-631[631] etwa 11 Prozent. Laut einer anderen Umfrage der Domestic Initiatives Foundation vom 3. März 2014 war etwa in Donezk nur rund ein Drittel der BevĂślkerung fĂźr eine mĂśgliche Angliederung an Russland. In Luhansk und Odessa waren es 24 Prozent. Im weiteren Verlauf der Auseinandersetzung sprachen die Medien bis Mitte August 2014 von durchgehend schwindendem RĂźckhalt.cite-ref-632[632]cite-ref-633[633]cite-ref-634[634]cite-ref-635[635] Ein Problem, so ein russischer Agent in einem abgehĂśrten Telefonat, seien jene AngehĂśrigen, die kriminell seien, aber auch jener Teil der religiĂśsen russisch-orthodoxe Fanatiker, âdie jeglichen Bezug zur Realität verloren hättenâ.cite-ref-636[636] Auch im April 2015 nach Russland zurĂźckkehrende Freischärler erklärten, sie seien von der misstrauischen BevĂślkerung gelegentlich als Okkupanten bezeichnet worden.cite-ref-637[637] Mitte Juni 2015 fand sich der Chef der Donezker âVolksrepublikâ in einer spontanen Anti-Kriegs-Demonstration wieder. Der russische Journalist Pawel Kanygin von der Novaya Gazeta hatte darĂźber berichtet und wurde festgehalten, geschlagen und auf ein Feld an der russischen Grenze deportiert.cite-ref-638[638] Auch anderen Journalisten, die âungĂźnstigâ berichtet hatten, wurde eine benĂśtigte Akkreditierung verweigert. âWir machen hier die Regeln fĂźr unsere Gäste, wenn Sie das nicht mĂśgen, kommen Sie doch einfach nicht hierherâ lieĂ man einen niederländischen Journalisten wissen. Damit glich sich die Lage fĂźr Journalisten derjenigen in Russland an, wo Simon Ostrovsky von VICE News wegen seiner Recherchen fĂźr unerwĂźnscht erklärt worden war.cite-ref-639[639]
In den Jahren 2017/2018 legte der stellvertretende Leiter der OSZE-Mission wiederholt Wert auf die Feststellung, dass die BevĂślkerung nicht nur nicht wisse, warum dieser Konflikt angefangen hatte, sondern sie verstehe ebenso wenig, warum er nicht aufhĂśre.cite-ref-hugapril18-358-2[358]
Auswirkungen auf die Einwohner
Bis zum 6. Mai 2022 hatten nach Angaben des UN-FlĂźchtlingskommissars 5,8 Mio. Menschen das Land verlassen, etwa 400.000 davon wurden bis dahin als FlĂźchtlinge in Deutschland erfasst. Seitdem sich die russischen Truppen aus dem Gebiet um Kiew zurĂźckgezogen haben und die Kriegshandlungen vornehmlich im Osten und SĂźden des Landes stattfinden, kehren etwa 20.000 Menschen pro Tag zurĂźck (Zahlen von Ende April 2022).cite-ref-eisenbahn-revue-294-640-0[640]
Auch die Zahl der BinnenflĂźchtlinge ist hoch: Allein die ukrainische Eisenbahn (UZ) hat in den ersten zwei Monaten des Krieges etwa 4 Mio. Menschen, das sind etwa 10 % der BevĂślkerung der Ukraine, aus Ăśstlichen in westliche Landesteile gebracht. Die Eisenbahn ist auch von groĂer Bedeutung fĂźr Hilfstransporte. Damit wurde die Eisenbahninfrastruktur aber auch zu einem bevorzugten Ziel russischer Angriffe.cite-ref-eisenbahn-revue-294-640-1[640] So wurden bei dem russischen Angriff auf den Bahnhof von Kramatorsk am 8. April 2022, wo mehrere hundert Zivilisten auf die Evakuierung mit der Bahn warteten, 58 Menschen getĂśtet und Ăźber 100 weitere verletzt.cite-ref-641[641]
Ukrainische Armee und ihre Ausrßstung von Januar 2014 bis März 2022
Die ânicht einsatzfähige und kaputtkorrumpierteâcite-ref-642[642] Armee der Ukraine war zu Beginn 2014 in einem seit Jahren beklagten desolaten Zustand, sie war unterfinanziert und sowohl schlecht ausgebildet als auch ausgerĂźstet; die neueste Waffengeneration fehlte gar vollständig.cite-ref-643[643] Als mĂśglicher Gegner war schon in den Jahren zuvor Russland genannt worden.cite-ref-644[644] Den Ukrainern war das Bestreben Russlands, ârussische Erde zu sammelnâ, auch schon vor dem gegen Georgien gefĂźhrten Krieg bekannt, weshalb sie sich beispielsweise gegen die UnterstĂźtzung des Kosovo aussprachen.cite-ref-645[645]
Während des Krieges mit Georgien wuchsen in der Ukraine die BefĂźrchtungen betreffend der Krim, da die Beziehungen zu Russland seit der Orangen Revolution âden Charakter eines Dauerkonfliktsâ aufwiesen.cite-ref-646[646]
Im April 2014 bildeten sich paramilitärische Freiwilligenverbände, um die Armee zu unterstßtzen, die laut Alexander J. Motyl eine tatsächlich einsetzbare Truppenstärke von nur rund 6000 Mann aufgewiesen habe.cite-ref-647[647] Meist wurden die Freiwilligenbataillone nach denjenigen ukrainischen Regionen benannt, aus denen die meisten Rekruten stammten; in der Oblast Dnipropetrowsk wurde mit Unterstßtzung des Gouverneurs Ihor Kolomojskyj das Bataillon Dnipro aufgestellt.cite-ref-648[648]
Aus dem Donbass stammt das Bataillon Donbas, das von Semen Sementschenko gegrĂźndet wurde.cite-ref-649[649] Das Bataillon Asow, inzwischen Regiment Asow, wurde in Berdjansk in der Region des Asowschen Meeres aufgestellt. Das Sankt-Maria-Bataillon bildete sich aus christlichen Freiwilligen. Sie folgten damit der Linie des Patriarchen von Kiew, Filaret, der Putin in Aussagen im September 2014 als âneuen Kainâ und somit als âBrudermĂśrderâ und âbesessenâ bezeichnete.cite-ref-650[650]cite-ref-651[651]
Diese Einheiten waren formell dem ukrainischen Innenministerium bzw. der Nationalgarde unterstellt und kamen seit Mai 2014 in der Ostukraine zum Einsatz. Der Politiker Oleh Ljaschko vereidigte am 8. Juli in Dnipropetrowsk die Kampfeinheit Bataillon Schachtar.cite-ref-652[652]
Anfang Juli 2014 wurde bekannt, dass auch die rechtsextreme Organisation Prawyj Sektor (dt. âRechter Sektorâ) Ăźber einen paramilitärischen Freiwilligenverband verfĂźgte, der an den Kampfhandlungen beteiligt war.cite-ref-653[653]cite-ref-654[654]
In den acht Jahren von 2014 bis 2022 gab es groĂe Veränderungen. Es gab ukrainische Untersuchungen in Fällen von Militärs und Freiwilligen, die im Donbass Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen hatten. Die Freiwilligenbataillone wurden in die Befehlsstrukturen integriert. Ein spezieller Dienst fĂźr militärisch-zivile Zusammenarbeit wurde geschaffen, um Aktionen mit humanitären Organisationen und Anwohnern zu koordinieren.cite-ref-655[655] Von 2017 bis 2021 importierte die Ukraine nur 0,1 Prozent der weltweit gehandelten Waffen. ÂŤEs fehlt der Ukraine an Geld. Und viele Staaten weigerten sich, ihr Waffen zu liefern, um nicht den russischen Unmut anzuheizenÂť, so Pieter Wezeman vom Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI. Bei den von der ukrainischen RĂźstungsindustrie hergestellten Waffen handele es sich laut Wezeman nicht um hochmodernes Kriegsgerät und auch nicht um groĂe StĂźckzahlen. Gekauft hat die Ukraine von Frankreich, Polen und Litauen unter anderem Panzerabwehrwaffen, Transporthelikopter und â was am meisten Aufsehen erregte â tĂźrkische Drohnen. ÂŤEs sind allerdings bloss zwĂślf StĂźck â und keine SuperwaffenÂť, sagte der Sipri-Fachmann. Erst nach dem russischen Angriff auf die Ukraine nahmen die Waffenlieferungen â vor allem aus westlichen Ländern â deutlich zu.cite-ref-sipri-656-0[656]
Schon bei Ausbruch der Kämpfe hatte sich die Ukraine um Waffenlieferungen aus dem Westen bemĂźht. Obama verhinderte die vom Kongress bewilligte Lieferung von Panzerabwehrwaffen 2014. Israels AuĂenministerium hatte den Verkauf von Drohnen an die Ukraine aus RĂźcksicht auf die Beziehungen mit Russland untersagt.cite-ref-657[657] In den folgenden Jahren gelangten die ersten Waffen aus nicht-staatlichen Verkäufen in die Ukraine, zum Beispiel 100 StĂźck amerikanische Nachbauten sowjetischer Panzerfäuste vom Typ RPG-7 (PSRL-1). Mindestens fĂźnf osteuropäische Staaten lieferten sowjetisches Material. Litauen lieferte als einziges Land ab 2016 offiziell 40 Maschinengewehre fĂźr SchĂźtzenpanzer und 68 tragbare Maschinengewehre; 2017 folgten weitere Lieferungen.cite-ref-658[658]
Im Juni 2014 kßndigte eine Sprecherin des US-Verteidigungsministeriums die Entsendung einer kleinen Gruppe von Militärberatern in die Ukraine an, welche die mittel- und langfristigen Reformbedßrfnisse der Ukrainischen Streitkräfte beobachten sollen.cite-ref-659[659]
Im September entsandte das US-Verteidigungsministerium mehr als ein Dutzend MilitärangehÜrige nach Kiew, um den ukrainischen Sicherheitskräften Ratschläge zur Aufstandsbekämpfung und taktischer Militärplanung zu geben. Zu den Zielen der US-Militärs gehÜren auch Bewertungen von Sicherheitsanforderungen und die Suche nach Wegen zur Bereitstellung militärischer Ausrßstung durch die USA.cite-ref-660[660]
Aus GroĂbritannien begann 2015 durch einen privaten Anbieter die Lieferung von 75 ausgemusterten Saxon-Mannschaftstransportern in die Ukraine. Das Geschäft mit den als nicht fĂźr einen Fronteinsatz tauglich eingeschätzten Fahrzeugen war im Jahr 2013, also noch vor dem Krieg, zustande gekommen.cite-ref-661[661]cite-ref-662[662]
Laut der ukrainischen Parlamentspräsidentin Olena Kondratjuk hätten ab Beginn des Kriegs bis 2021 mehr als 13.500 Soldatinnen der ukrainischen Streitkräfte gegen prorussische Separatisten in der Ostukraine gekämpft.cite-ref-02-663-0[663]
Ab Herbst 2021 waren aufgrund eines erneuten russischen Truppenaufmarsches an der Grenze weitaus mehr NATO-Staaten bereit, die Ukraine direkt zu unterstĂźtzen: Waffen lieferten Estland (Javelin), USA, Lettland, Litauen (Stinger), Polen (Grom-MANPADS), Tschechien (Artilleriemunition), dazu GroĂbritannien (Panzerabwehr). Die USA stellen Radargeräte zur Artillerieortung, Aufklärungsdrohnen, Geländewagen sowie Panzerabwehrraketen, ScharfschĂźtzengewehre und KĂźstenpatrouillenboote bereit. Die TĂźrkei lieferte Kampfdrohnen des Typs Bayraktar TB2 und kĂźndigte die Lieferung von Kriegsschiffen an. Polen, Bulgarien und Montenegro sollen Munition fĂźr Waffen sowjetischer Bauart geliefert haben.
Zu Beginn des russischen Ăberfalls im Februar 2022 war die AusrĂźstung der ukrainischen Armee immer noch mangelhaft und wild zusammengewĂźrfelt; oft hatten viele Soldaten verschiedene AusrĂźstungen, die auch nicht alle vom Staat stammten und oft unzureichend waren,cite-ref-664[664]
Soldaten wurden von ihren Mßttern oder Ehefrauen mit Kampfausrßstung versorgt, die diese in Mitteleuropa eingekauft hatten.cite-ref-665[665] Viele Soldaten fuhren mit Privatfahrzeugen an die Front. Ex-Präsident Kutschma, jahrelanger Unterhändler mit Russland, bedauerte, dass es der Ukraine in den Jahren des hybriden russischen Krieges nicht gelungen war, jene weitreichenden schweren Waffen zu erhalten, welche als einzige Russland hätten abschrecken kÜnnen, eine Invasion zu beginnen.cite-ref-666[666]
Einflussnahme von ausländischen Freiwilligen auf die Kämpfe
Seit Beginn des Konfliktes in der Ostukraine nahmen ausländische Freiwillige an den Kämpfen teil. Aus mehreren Ländern (Russland, Tschetschenien, Bosnien) kämpfen Personen auf beiden Seiten.cite-ref-667[667] Verglichen allein mit der Zahl der Toten â seit Beginn der Auseinandersetzungen bis zum FrĂźhjahr 2015 mehr als 6000 â ist die Zahl dieser Freiwilligen gering. Einen wirklichen Einfluss auf den Verlauf hatten hingegen lediglich die vermeintlichen Freiwilligen aus Russland.
Auf Seiten der Ukraine
Laut Medienberichten kämpfen bis zu 300 Ausländer aus 18 Staaten auf Seiten der ukrainischen Truppen.cite-ref-nato-legion-668-0[668] Sie stammen aus Schweden, Frankreich, Kroatien, Belarus und auch aus Russland.cite-ref-669[669] Belarussische Freiwillige haben im Juli 2014 die Kampfgruppe âAtrjad Pahonjaâ aufgestellt.cite-ref-670[670] Später wurde die âTaktische Gruppe Belarusâ gegrĂźndet.cite-ref-671[671] Der Franzose Gaston Besson, ein bekannter Rechtsextremistcite-ref-672[672] und ehemaliger Kriegsveteran des Kroatienkrieges,cite-ref-673[673] rekrutierte Kämpfer fĂźr das Asow-Regiment. Es schlossen sich auch Freiwillige aus Georgien den ukrainischen Truppen an.cite-ref-674[674]
Die Hindustan Times berichtete am 27. März 2022, dass das Kastus-Kalinouski-Bataillon, bestehend aus belarussischen Freiwilligen, einen Eid auf die ukrainische Armee abgelegt habe.cite-ref-675[675] Die BBC berichtete von belarussischen Dissidenten, die der ukrainischen Armee beitraten, um einen Stellvertreterkrieg gegen ihr eigenes Regime zu fßhren.cite-ref-676[676] Nach Angaben des ZDF sollen es mindestens 200 gewesen sein.cite-ref-677[677]
Russische Anarchisten kämpfen, unterstßtzt von Antifaschisten, auf der Seite der Ukraine gegen Putin.cite-ref-678[678]
Auf Seiten der regierungsfeindlichen, prorussischen Kräfte
Viele russische paramilitärische Organisationen unterstßtzen den bewaffneten Kampf, darunter rechtsextreme Gruppierungen wie etwa die Russische Nationale Einheit.cite-ref-nato-legion-668-1[668]cite-ref-679[679] Andere ausländische Kämpfer kommen aus Deutschland,cite-ref-680[680] Serbien, Spaniencite-ref-681[681] oder Frankreich. Die serbischen Kämpfer geben eigenen Angaben zufolge an, sich fßr die russische Unterstßtzung im Bosnienkrieg bedanken zu wollen.cite-ref-682[682] Der Franzose Victor Alfonso Lenta, ein Ex-Militär, rekrutiert Kämpfer.cite-ref-nato-legion-668-2[668] Viele dieser Kämpfer haben antiwestliche, linksradikale und nationalistische Ansichten. Dies bestätigte auch ein Interview mit einem aus Brasilien stammenden Kämpfer.cite-ref-683[683] Auch in Italien werden Rechtsextreme rekrutiert, um auf russischer Seite gegen die Ukraine zu kämpfen. Im August 2018 nahm die italienische Polizei sechs Rechtsextreme fest und erhob Anklage gegen 15 weitere Personen wegen Rekrutierung von Kämpfern und illegalen Waffenbesitz im Auftrag eines fremden Landes. Einer der festgenommenen Männer ist Gabriele Carugati, der Sohn der Lega-Nord-Politikerin Silvana Marin. Angeklagt wurde auch der Rechtsextremist Andrea Palmieri, der bereits im März 2015 im italienischen Fernsehen ßber seine Kampfhandlungen in der Ostukraine erzählt hatte, sowie der ehemalige Soldat Antonio Cataldo, der in Russland trainiert hatte. Nach Angaben der Ermittler wurden die Angeklagten bezahlt, um in der Ostukraine zu kämpfen.cite-ref-684[684]cite-ref-685[685] Der Brite Benjamin Stimson wurde im Juli 2017 zu fßnf Jahren Haft verurteilt, nachdem er gestanden hatte, dass er 2015 illegal in die Ukraine eingereist war, um dort zusammen mit russlandtreuen Militärs terroristische Handlungen vorzubereiten und auszufßhren.cite-ref-686[686] Zusätzlich zur Bezahlung, welche diese SÜldner erwarten konnten, hätten Hintermänner fßr tote Ukrainer zusätzlich bezahlt; der Wert des Lebens des Feindes sei nicht null gewesen, sondern negativ, so Wiktor Jerofejew.cite-ref-687[687]
Tschetschenische Kämpfer auf beiden Seiten
Sowohl die ukrainische Regierung als auch die Separatisten werden von Gruppen tschetschenischer Kämpfer unterstĂźtzt. Im März 2014 bildete sich das Dschochar-Dudajew-Bataillon unter FĂźhrung von Issa Munajew, um sich und die Ukraine nach eigenen Angaben gegen die ârussische Aggressionâ zu verteidigen.cite-ref-688[688] Munajew fiel im Kampf um Debalzewe.cite-ref-689[689] Im Oktober 2014 wurde ein zweites tschetschenisches proukrainisches Bataillon gegrĂźndet, das nach dem WiderstandsanfĂźhrer des späten 18. Jahrhunderts, Scheich Mansur, benannt ist.cite-ref-690[690]
Gleichzeitig kämpft eine starke Gruppe, die zu der tschetschenischen Kadyrow-Regierung hält, fĂźr eine Abspaltung des Donbas.cite-ref-691[691]cite-ref-692[692] Das tschetschenische Oberhaupt Ramsan Kadyrow hatte schon fĂźr seinen Einsatz auf der Krim von Präsident Putin einen Orden verliehen bekommen dafĂźr, dass er die Krim âbei ihrer Selbstbestimmung unterstĂźtztâ hatte, was gegen eine komplette Freiwilligkeit der tschetschenischen Kämpfer spricht.cite-ref-693[693]
Boris Nemzow versuchte 2014, die Kadyrow-Freiwilligen, die ungehindert die Grenze zur Ukraine ßberquerten, in Russland vor Gericht zu stellen. Nemzow wurde im Februar 2015 von tschetschenischen Tätern ermordet; Auftraggeber dafßr wurden nicht ermittelt.cite-ref-694[694]
Nordkoreanische Soldaten auf Seiten Russlands
Seit Oktober 2024 gibt es Berichte, dass Nordkorea Russland nicht nur mit Munition und Waffen unterstßtzt, sondern auch rund 12.000 Infanteriesoldaten an Russland abgegeben hat, die in russischen Uniformen im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt werden sollen. Der sßdkoreanische National Intelligence Service hatte gemeldet, dass russische Schiffe die Soldaten nach Wladiwostok gebracht hätten und dass sie nun fßr den Einsatz an der ukrainischen Front ausgebildet wßrden. Nordkorea bekommt im Gegenzug von Russland ErdÜl und Lebensmittel geliefert und Unterstßtzung in seinem Raketen- und Atomprogramm. Nach einem Bericht der sßdkoreanischen Tageszeitung Chosun Ilbo seien bereits mehrere nordkoreanische Soldaten bei Kursk desertiert. In Donezk seien sechs Nordkoreaner bei einem ukrainischen Raketenangriff getÜtet und drei weitere verletzt worden.cite-ref-695[695]cite-ref-696[696]
Laut Einschätzung von Simon Gauseweg (Jurist mit Spezialisierung auf VĂślkerrecht, Europarecht und ausländisches Verfassungsrecht) ist es â Stand Oktober 2024 â fraglich, ob es sich bei Nordkoreas UnterstĂźtzung Russlands um eine direkte Kriegs- oder Konfliktbeteiligung handelt bzw. ob Nordkorea zur Kriegspartei im Russisch-Ukrainischen Krieg wurde, wenn die nordkoreanischen Soldaten unter russischem Kommando und in russischen Uniformen in den Krieg zogen.cite-ref-lto24-10-2024-7-1[7]
Im April 2025 bestätigten Nordkorea und Russland die Beteiligung nordkoreanischer Truppen am Krieg, insbesondere in der Region Kursk, auch offiziell. Zuvor war diese noch geleugnet worden.cite-ref-697[697]
FriedensbemĂźhungen und Einigungsversuche
Genfer Erklärung vom April 2014
Bei âGenfer Gesprächenâ zwischen den AuĂenministern der USA, Russlands, der AuĂenbeauftragten der EU und dem InterimsauĂenminister der Ukraine wurde am 17. April 2014 eine Vereinbarung getroffen, die Spannungen abbauen und die Sicherheit fĂźr alle BĂźrger wiederherstellen sollte. Es sollten alle illegal bewaffneten Gruppen in allen Regionen der Ukraine entwaffnet und besetzte Gebäude, StraĂen und Plätze geräumt werden. Alle Seiten wurden zum Gewaltverzicht aufgerufen und eine Amnestie fĂźr alle Teilnehmer, die keine Kapitalverbrechen begangen hatten, verkĂźndet. Beobachter der OSZE sollen die ukrainischen BehĂśrden bei der Umsetzung dieser Deeskalationsschritte in fĂźhrender Rolle unterstĂźtzen. Es wurde âein sofortiger, breiter nationaler Dialogâ gefordert. Der bereits âangekĂźndigte Verfassungsprozess wird transparent sein und niemanden ausgrenzenâ. Die Teilnehmer unterstrichen die Wichtigkeit der wirtschaftlichen und finanziellen Stabilität der Ukraine.cite-ref-698[698]
Wenige Tage später formulierten die Separatisten den Rßcktritt der Regierung als Voraussetzung fßr das Niederlegen der Waffen.cite-ref-699[699]
Beim Jahrestreffen des Europarates Anfang Mai 2014, an dem auch die AuĂenminister Russlands und der Ukraine, Sergei Lawrow und Andrij Deschtschyzja, teilnahmen, wurde vorgeschlagen, noch vor dem Wahltermin am 25. Mai eine zweite âGenfer Konferenzâ zur VersĂśhnung der Gegensätze abzuhalten. Lawrow forderte, dazu auch die prorussischen Aktivisten einzuladen, was der AuĂenminister der Ukraine zurĂźckwies.
âRunder Tischâ
Am 13. Mai 2014 flog der deutsche BundesauĂenminister Steinmeier zu Vermittlungsgesprächen mit dem Ziel der Einrichtung eines ârunden Tischesâ nach Kiew.cite-ref-700[700] Am 14. Mai wurde dort unter der Schirmherrschaft der OSZE und der Moderation des deutschen Exdiplomaten Wolfgang Ischinger das erste der geplanten Gespräche gefĂźhrt. Die Regierung in Kiew hatte dazu Experten aus der gesamten Ukraine eingeladen, jedoch keine Vertreter der Separatisten â die laut Wolfgang Ischinger, auch falls eingeladen, nicht gekommen wären.cite-ref-701[701]
Teilnehmer am ersten, zweieinhalb Stunden dauernden âRundtischgesprächâ waren: Interimspräsident Oleksandr Turtschynow, Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk, die frĂźhere Ministerpräsidentin Julija Tymoschenko, OSZE-Moderator Wolfgang Ischinger, die frĂźheren Präsidenten der Ukraine Leonid Kutschma und Leonid Krawtschuk sowie der Fraktionsvorsitzende der âPartei der Regionenâ im ukrainischen Parlament, Oleksandr Jefremow (ukr. ĐНокŃĐ°Đ˝Đ´Ń ĐĄĐľŃĐłŃĐšĐžĐ˛Đ¸Ń ĐŃŃоПОв).cite-ref-702[702]
Am 17. Mai fand in Charkiw die zweite Sitzung des Runden Tisches statt, die ebenfalls ergebnislos blieb.cite-ref-703[703] Am 21. Mai fand in Mykolajiw eine dritte Sitzung statt. Arsenij Jazenjuk schloss auf dieser Sitzung bilaterale Gespräche mit Russland aus und äuĂerte, es kĂśnnten allenfalls, wie seinerzeit in Genf, Gespräche unter Beteiligung der USA erfolgen.cite-ref-704[704]
Am 30. Juni 2014 erklärten die Präsidenten Frankreichs, der Ukraine, Russlands und die Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland nach gemeinsamen Telefonaten halboffiziell, die am Abend dieses Tages auslaufende Waffenruhe mßsse verlängert werden, um gemeinsam mit allen Beteiligten, unter Einbindung der OSZE, eine dauerhafte LÜsung des Konfliktes zu realisieren. Insbesondere sollten Russland und die Ukraine gemeinsam fßr eine Grenzßberwachung sorgen, und die Ukraine solle sich mit den Aufständischen an einen Tisch setzen.cite-ref-705[705]
FĂźr die Ukraine âwaren die Voraussetzungen jedoch nicht erfĂźlltâ; Poroschenko sagte in Kiew bei einer offiziellen Rede: âIm Verlauf von zehn Tagen haben wir dem Donbass, der Ukraine und der ganzen Welt gezeigt, dass wir diesen von auĂen provozierten Konflikt friedlich regeln wollen, jedoch haben die Aufständischen mit âverbrecherischen Tatenâ die einmalige Chance zunichtegemacht.cite-ref-706[706] Der Friedensplan bleibt in Kraft: Wir sind zur Einstellung des Feuers in jedem Moment bereit, sobald wir sehen, dass sich alle Seiten an die ErfĂźllung der Hauptpunkte des Friedensplans halten.âcite-ref-707[707] Dazu gehĂśre die Forderung nach Befreiung aller Geiseln, die noch in der Hand von prorussischen Kämpfern seien; stattdessen stellten die Aufständischen immer wieder eigene Bedingungen. Die OSZE werde ihre Arbeit nur nach dem Verschwinden von Waffen und Checkpoints wieder aufnehmen.cite-ref-708[708] Der Waffenstillstand war seitens der Separatisten einhundert Mal gebrochen worden und 27 ukrainische Soldaten hatten dabei ihr Leben verloren.cite-ref-bruchwst-183-2[183]
Verhandlungen des Protokolls von Minsk (âMinsk Iâ)
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Hauptartikel
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Protokoll von Minsk
Am 2. September 2014 traf sich im belarussischen Minsk erstmals eine trilaterale OSZE-Kontaktgruppe, die sich aus Vertretern der Ukraine, Russlands und der OSZE zusammensetzt. An diesem Treffen nahmen auch Repräsentanten der Separatisten aus Donezk und Lugansk teil.cite-ref-709[709] Am 3. September, wenige Tage vor dem NATO-Gipfel und dem Inkrafttreten neuer Sanktionen des Westens, einigten sich nach Medienberichten die Präsidenten Poroschenko und Putin telefonisch auf einen Waffenstillstand. Dem widersprach jedoch umgehend Putins Pressechef Peskow. Er sagte, dass Russland nicht direkt einen Waffenstillstand vereinbaren kĂśnne, weil es an dem Konflikt im Donbass gar nicht beteiligt sei. Auch aus der Ukraine kam umgehend Widerspruch: âDas ist ein Plan zur Vernichtung der Ukraine und zur Wiederherstellung der Sowjetunionâ, sagte Ministerpräsident Arseni Jazenjuk am 3. September 2014 in Kiew.cite-ref-710[710]cite-ref-faz-13132827-711-0[711]cite-ref-nzz-118376619-712-0[712]
Am 5. September wurde dennoch ein zwĂślf Punkte umfassendes Protokoll von Minsk zwischen der ukrainischen Regierung und den prorussischen Separatisten unterzeichnet. Die Konfliktparteien vereinbarten darin eine von der OSZE zu Ăźberwachende Waffenruhe und einen Gefangenenaustausch. Neben der OSZE war auch Russland an der Vereinbarung beteiligt. FĂźr die Ukraine unterzeichnete Kutschma das Dokument; als Vertreter des Donbass unterzeichneten Alexander W. Sachartschenko und Igor W. Plotnizki. Die ukrainische Seite verpflichtete sich zur Umsetzung eines Gesetzes Ăźber einen regionalen Sonderstatus.cite-ref-zeit-2014-09-07-713-0[713]cite-ref-714[714]
Gemäà Boris Litwinow, einem Vertreter der Separatisten in Donezk, sollen Sachartschenko und Plotnizki nur als Beobachter an dem Treffen teilgenommen haben. Ihre Unterschrift dokumentiere lediglich, dass sie die Vereinbarung zur Kenntnis genommen hätten.cite-ref-zeit-2014-09-14-715-0[715]
Am 16. September beschloss das ukrainische Parlament ein Gesetz Ăźber einen Sonderstatus der Konfliktregion in der Ostukraine sowie eine weitgehende Amnestie fĂźr die Separatisten. Staatspräsident Poroschenko hatte das Gesetz erst am Vormittag ins Parlament eingebracht. Das Gesetz Ăźber den Sonderstatus gilt fĂźr drei Jahre und verbrieft das Recht auf die eigene Sprache fĂźr die russischsprachige BevĂślkerung in den Regionen Donezk und Luhansk. Zudem soll die Selbstverwaltung dieser Regionen gestärkt werden und es ist eine enge Kooperation mit angrenzenden russischen Gebieten geplant. Das Gesetz gesteht den Regionen auĂerdem eigene Wahlen sowie die GrĂźndung einer eigenen Volksmiliz in den von den prorussischen Separatisten kontrollierten Regionen zu. Im Gegenzug sollen die Aufständischen in den nicht anerkannten âVolksrepublikenâ Donezk und Luhansk auf ihre Forderung nach Unabhängigkeit verzichten.cite-ref-nzz-118384651-716-0[716] Während der Parlamentssitzung in Kiew kam es zu Gewalttätigkeiten, an denen unter anderem die Organisation Prawyj Sektor, die Swoboda-Partei sowie die AutoMaidan-Bewegung beteiligt waren.cite-ref-717[717] Der Abgeordnete Witali Schurawski, ehemaliges Mitglied der Fraktion der Partei der Regionen, wurde von Protestierern kĂśrperlich angegriffen, in eine MĂźlltonne gestĂźrzt und mit Abfällen beworfen.cite-ref-718[718]
Am 19. September kam es zu einem mehrseitigen Treffen derselben Gruppen in Minsk, wobei alle teilnehmenden Gruppen zunächst ihre schon bekannten Forderungen stellten.cite-ref-719[719] Am 20. September wurde aber dann eine Einigung ßber die Einrichtung einer Pufferzone um die umkämpften Gebiete in der Ostukraine bekanntgegeben, deren Einhaltung kontrolliert werden soll.cite-ref-720[720]
Nachdem der in Minsk vereinbarte Waffenstillstand dreieinhalb Monate lang kaum eingehalten worden war (siehe oben), wurde erst kurz vor Weihnachten am 23. Dezember 2014 offiziell bekanntgegeben, dass noch in derselben Woche die Friedensgespräche von Minsk wiederaufgenommen wßrden.cite-ref-weihnachtsgespr-che-577-1[577]
Im Januar 2015 gab der SeparatistenfĂźhrer Alexander Sachartschenko nach der angeblichen Eroberung des Flughafens Donezk offen zu, sich nicht an die Waffenruhe zu halten und im Gegenteil eine Offensive durchzufĂźhren, mit dem Ziel, weiteres Territorium zu erobern.cite-ref-welt-136426443-721-0[721]
Minsk II
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Hauptartikel
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Minsk II
Anfang Februar 2015 lehnten Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande Waffenlieferungen an die Ukraine ab. Hollande bekräftigte, Frankreich sei nicht dafĂźr, dass die Ukraine der NATO beitritt.cite-ref-722[722] Am 5. Februar reisten Merkel und Hollande zunächst zu einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko nach Kiew, der sich einige Stunden zuvor mit Arseni Jazenjuk und dem US-AuĂenminister John Kerry zu Gesprächen getroffen hatte.cite-ref-723[723]cite-ref-spiegel-minsk-724-0[724] Danach reisten Merkel und Hollande weiter nach Moskau zu einem Treffen mit Putin.cite-ref-725[725]cite-ref-726[726] Nach einem fĂźnfstĂźndigen Dreiergipfel am 6. Februar 2015 kam als Ergebnis die Zusage zustande, den bislang gescheiterten Friedensplan von Minsk wiederbeleben zu wollen. Nach einem siebzehnstĂźndigen âVerhandlungsmarathonâ in der Nacht vom 11. auf den 12. Februar kamen die Beteiligten (Poroschenko, Putin, Hollande, Merkel und die MilizenfĂźhrer) zu einer Einigung. Die Einzelheiten wurden am späten Vormittag des 12. Februar bekannt gegeben: Demnach sollte das Verhandlungsergebnis vom September 2014 (âMinsk Iâ) vollständig durchgefĂźhrt werden.cite-ref-727[727] Laut âMinsk IIâ sollten ab Sonntag, 15. Februar 2015, 0:00 Uhr Ortszeit, die Waffen schweigen.
Die schweren Waffen sollten dann binnen 14 Tagen abgezogen und die Gefangenen binnen 19 Tagen freigelassen werden. Die ukrainische Armee sollte ihre schweren Waffen aus einem dem derzeitigen Frontverlauf entsprechenden Grenzgebiet abziehen. Fßr die Aufständischen galt Entsprechendes fßr die Grenze des von ihnen am 19. September 2014 besetzten Gebietes.
Am 24. August 2015 konferierten in Berlin aus Anlass des 24. Jahrestages der Selbständigkeit des ukrainischen Staates Merkel, Poroschenko und Hollande. Daraus resultierte die einheitliche Forderung, den Minsk-II-Vertrag vom Februar einzuhalten.cite-ref-728[728]
Nach dem russischen Einmarsch 2022
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Hauptartikel
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Waffenstillstandsverhandlungen und Vermittlungsinitiativen zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine
Nach dem russischen Einmarsch im Februar 2022 fanden Verhandlungen in Belarus und in der Tßrkei statt. Die Ukraine brachte unter anderem den Verzicht auf einen NATO-Beitritt als Option ein, es war jedoch unklar, wie belastbare Sicherheitsgarantien aussehen kÜnnten, nachdem das Budapester Abkommen von 1994 die Annexion der Krim nicht verhindert hatte. Die weiteren Verhandlungen in der Tßrkei zeigten (Stand August 2022) keinen ernsthaften politischen Willen Russlands, ßber eine Neutralität der Ukraine zu verhandeln.cite-ref-729[729] Nach einem Bericht von Reuters habe es zu Beginn des Krieges eine vorläufige Einigung mit einem Verzicht der Ukraine auf einen NATO-Beitritt gegeben, diese sei jedoch von Putin abgelehnt worden.cite-ref-730[730]
OSZE-Beobachtermissionen und VermittlungsbemĂźhungen
Der Schweizer Bundespräsident und Präsident der Organisation fßr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), Didier Burkhalter, forderte am 24. Februar 2014 in einer Rede vor dem UN-Sicherheitsrat eine internationale Kontaktgruppe zur Ukraine unter dem Dach der OSZE zu bilden, der die wichtigsten Akteure angehÜren sollten, um zu erreichen, dass die russische und die ukrainische Seite direkt miteinander sprächen.cite-ref-731[731] Burkhalter rief sodann am 3. März 2014 in einer Rede vor dem UNO-Menschenrechtsrat in Genf dazu auf, die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine zu respektieren. Russland lehnte generell Hilfe der OSZE an die Ukraine und somit auch eine Beobachtermission der OSZE entschieden ab, begrßndet mit der gemäà Russland angeblich nicht legitimen ukrainischen Regierung.
Anfang März 2014 entschieden die OSZE-Mitgliedstaaten auf Anfrage der Ukraine unbewaffnete Militärbeobachter zur DurchfĂźhrung von OSZE-Inspektionen nach dem Wiener Dokument der Verhandlungen Ăźber vertrauens- und sicherheitsbildende MaĂnahmen von 2011 (WD 11) zu entsenden. Der Zutritt zur Krim wurde den Beobachtern verwehrt.cite-ref-732[732]
Russland lieĂ nach seiner Annexion der Krim zu, dass der ständige Rat der OSZE am 21. März auf Anfrage der Ukraine und unter Zustimmung aller 57 Mitgliedstaaten die Entsendung einer OSZE-Beobachtermission mit erweiterten Befugnissen in die Ukraine â ohne die Krim â (OSCE Special Monitoring Mission (SMM)) beschloss.cite-ref-733[733] Ziel der SMM ist, Informationen zu sammeln, Bericht Ăźber die Sicherheitslage zu erstatten und vor Ort Ăźber konkrete Vorfälle zu berichten. Die SSM bestand je nach Zeitpunkt aus rund 500 bis 1200cite-ref-alexanderh-734-0[734] zivilen, unbewaffneten Beobachtern aus mehr als 40 OSZE-Teilnehmerstaaten und bis 400 lokalen Mitarbeitern aus der Ukraine, die als Ăbersetzer, Verwaltungsassistenten und Berater arbeiten. Das ursprĂźnglich sechsmonatige Mandat wurde jährlich verlängert, letztmals im März 2021.cite-ref-735[735] Der Sitz der Mission ist Kiew, das Mandat der Mission umfasst aber das gesamte Territorium der Ukraine und die Beobachter arbeiten in den zehn grĂśĂten Städten der Ukraine (Donezk, Dnipro, Luhansk, Charkiw, Cherson und Odessa sowie Lemberg, Stanislau, Czernowitz und Kiew) 350 Beobachter arbeiteten 2015 alleine in den Donezker und Luhansker Regionen.cite-ref-ssm-736-0[736]
Auch noch nach der Zustimmung Russlands behauptete die russische Propaganda âeinen Mangel an Neutralität der OSZEâ; laut russischen staatlichen Medien existiere in der OSZE âeine gewisse politische Direktive [âŚ] die Ukraine zu einem Territorium zu machen, auf dem keine Rechtsnormen gelten.âcite-ref-737[737] Unabhängig von der Beobachtungsmission wurde im Juli 2014 eine separate und zunächst auf drei Monate begrenzte Mission zur Beobachtung zweier russischer GrenzĂźbergänge in Gukowo und Donezk aufgestellt, die nur ein Teil einer mehrere Schritte umfassenden Deklaration war â aus russischer Sicht ausschlieĂlich âeine Geste guten Willensâ.cite-ref-738[738]cite-ref-739[739]cite-ref-740[740]
Der Umfang dieser Mission wurde von westlichen OSZE-Mitgliedern anfangs als vollkommen unzureichend kritisiert.cite-ref-us-osce24-175-2[175] OSZE-Präsident Didier Burkhalter forderte am 29. August 2014 eine Untersuchung ßber den wachsenden Strom militärischen Personals und Ausrßstung aus Russland in das Konfliktgebiet; er wiederholte, die Souveränität und die territoriale Integrität der Ukraine mßssten jederzeit geachtet werden.cite-ref-741[741]
Anfang Dezember 2016 machte der Leiter der OSZE-Beobachtungsmission, Alexander Hug, in der schärfest mĂśglichen diplomatischen Form deutlich, dass âMänner in Uniformen und AnzĂźgenâ, welche behaupteten, die Interessen der Menschen zu vertreten, fĂźr die Zivilisten in den Konfliktgebieten verantwortlich seien und diese Verantwortung nicht wahrnähmen. Auch humanitäre Hilfe wĂźrde behindert. Auch noch im Februar 2018 sprach Hug identisch von einem Krieg, in dem die Menschen nicht verstĂźnden, warum sie beschossen wĂźrden und dass die Menschen nicht an kĂźnstlich gezogene Linien glaubten; sie misstrauten nicht den Zivilisten auf der anderen Seite, sondern Entscheidungsträgern und sagten: âDas ist nicht unser Konflikt.âcite-ref-hug2-18-51-1[51] Ein Bericht der Nowaja gaseta beschrieb Anfang August 2018 die Gebiete der âVolksrepublikenâ als Horte der Armut und Hoffnungslosigkeit ohne eine MĂśglichkeit zu menschenwĂźrdiger Arbeit, die Region wĂźrde âsozial und wirtschaftlich zerstĂśrtâ.cite-ref-742[742]
Russland hatte selbst die AusrĂźstung von Beobachtern mit Feldstechern verhindert, während die fĂźr die Ăberwachung wichtigsten Werkzeuge, die Langstreckendrohnen, von August 2016 bis April 2018 Ăźberhaupt nicht eingesetzt wurden: 2016 waren mehrere Drohnen von Boden-Luft-Raketen Ăźber nicht von der Regierung kontrollierten Gebiet abgeschossen worden. Kurz vor Einstellung der FlĂźge hatte eine Drohne auch einen russischen Zhitel-StĂśrsender aufgenommen.cite-ref-743[743] Erst im Jahr 2018 wurden die FlĂźge wieder aufgenommen. Der damalige Missionsleiter Alexander Hug sprach von unbequemen Fakten fĂźr âgewisse Leuteâ. Nach einem zweifachen Abschuss im Juni 2016 hatten die Beobachter trotz aller diplomatischen ZurĂźckhaltung davon geschrieben, dass einmal die Indizien stark auf einen Abschuss aus Rebellengebiet hingewiesen hätten (âevidence strongly suggested one of them was hit from a rebel positionâ).cite-ref-744[744]
Die Ăberwachung der beiden Grenzstellen Gukowo und Donezk durch 22 Mitarbeiter wurde am 30. September 2021 nicht verlängert.cite-ref-745[745] Ein Beitrag der Berichte kĂśnnte sein, âdass kleine Vorfälle in der Ostukraine nicht als Anlass genommen werden, eine grĂśssere Eskalation zu rechtfertigenâ, die Ăśffentlichen Berichte erschwerten es zudem, âBehauptungen in die Welt zu setzen, die nicht der Realität entsprechenâ, so der ehemalige Leiter der Beobachtermission.cite-ref-hug22-746-0[746]
Am 2. September 2014 leitete die damalige Ukraine-Beauftragte der OSZE, die Schweizer Diplomatin Heidi Tagliavini die Gespräche der OSZE-Kontaktgruppe in Minsk, die den Waffenstillstand vom 5. September 2014 vorbereitete.cite-ref-747[747]cite-ref-748[748] Didier Burkhalter forderte eine Ausweitung der OSZE-Beobachtermission im Osten der Ukraine sowie deren Ausweitung zur Ăberwachung der Grenze. Zusätzlich solle die OSZE zur ÂŤVersĂśhnung, zum Wiederaufbau und zu ReformenÂť in der Ukraine beitragen.cite-ref-749[749] Der Sicherheits- und Verteidigungsrat der Ukraine hatte am 18. Februar 2015 beschlossen, sich um Blauhelm-Truppen in Form einer EU-Polizeimission zu bemĂźhen.cite-ref-750[750] Auch der Ukraine-Beauftragte der USA befĂźrwortete 2017 eine bewaffnete UN-Truppe.cite-ref-751[751] Unter dem Schutz einer Friedensmission sollten auch demokratische Wahlen in den Gebieten legitime Lokalregierungen ermĂśglichen, mit denen Kiew verhandeln kĂśnnte. Russland will keine Mission, welche die Grenze nach Russland kontrolliert.cite-ref-752[752]cite-ref-753[753] In der sehr beschränkten Mission nur entlang der Waffenstillstandslinie nach der Idee Russlands wĂźrde eine UNO-Mission gemäà Konrad Schuller fĂśrmlich das von den anti-ukrainischen Milizen besetzte Gebiet âbeschĂźtzenâ.cite-ref-754[754] Es wurde erwartet, dass die Ukraine Ende September 2018 einen Resolutionsentwurf zu Friedenstruppen bei der UNO-Generalversammlung vorstellt.cite-ref-755[755]
Die Chefunterhändlerin Heidi Tagliavini wurde im Juni 2015 durch den Üsterreichischen UN-Botschafter in New York, Martin Sajdik, abgelÜst.cite-ref-756[756] Im April 2017 starb ein OSZE-Beobachter, als ein Fahrzeug vermutlich auf eine Mine fuhr.cite-ref-757[757]
Eine Aufarbeitung der erhobenen Daten zu Waffenstillstandsverletzungen fand bis im April 2018 nicht statt; es gab keinen Prozess, durch welchen Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen worden wären; eine Waffenstillstandsverletzung hat gemäà dem Leiter der Mission unbefriedigender Weise kaum Disziplinarverfahren oder andere Konsequenzen zur Folge und es entstĂźnden dadurch auch kaum politische âUnkostenâ fĂźr die politischen Verantwortungsträger, selbst in jenen Fällen, in denen die Verantwortlichen zweifelsfrei bekannt sind.cite-ref-hugapril18-358-3[358] Ein halbes Jahr später wechselte die Leitung der Beobachtermission; Alexander Hug Ăźbergab die Leitung an den Briten Mark Etherington. Das Fazit Hugs war: âEs gibt keinen Willen, diesen Konflikt zu beenden.â Gleichzeitig widersprach er der Moskauer Darstellung eines innerukrainischen Konflikts; der Krieg sei âkein einheimischer Konfliktâ.cite-ref-759[759]
Ab Juli 2020 wurden die Waffenstillstandsverletzungen wirklich reduziert. Bis im November lagen die Zahlen im Bereich von 5 Prozent des Vorjahres. 2021 verschlechterte sich die Situation wieder. Im Dezember 2021 gab es fĂźnfmal mehr Waffenstillstandsverletzungen als im Dezember 2020, so waren es am 22. Dezember 613.cite-ref-760[760] Der ehemalige Leiter der OSZE-Beobachtungsmission hoffte auf einen positiven Effekt fĂźr LĂśsungen aufgrund der erneuten weltweiten Aufmerksamkeit im Februar 2022.cite-ref-hug22-746-1[746]
Behinderung der OSZE-Beobachtungsmissionen
Am 26. Mai verlor die OSZE den Kontakt zu einem ihrer SMM-Beobachterteams in der Region Donezk; kurze Zeit später wurde ein weiteres Team der OSZE im Raum Luhansk von prorussischen Separatisten verschleppt, sodass fßr einen ganzen Monat insgesamt neun OSZE-Mitarbeiter festgehalten wurden. Beide Teams wurden erst am 27. bzw. 28. Juni freigelassen,cite-ref-761[761] dies unter Mitwirkung Alexander Borodais, der Anfang Juni das Verschwinden der Beobachter noch als skandalÜs, weil mÜglicherweise als eine (ukrainische) Provokation eingeschätzt hatte.cite-ref-762[762]
OSZE-Beobachter wurden nach dem Waffenstillstand von Minsk am 5. September wiederholt beschossen. Wer fĂźr die Angriffe verantwortlich ist, war oft nicht klar.cite-ref-763[763] Insbesondere zwei Beobachtungs-Drohnen wurden von prorussischen Truppen mittels konzentrierter Mikrowellen â also mit den neuesten High-Tech-Waffen einer modernen Armee â zum Absturz gebracht,cite-ref-janes-com-601-1[601]cite-ref-zeit-2015-03-03-602-1[602] zum mutmaĂlichen Absturzort einer weiteren Drohne wurde der OSZE der Zugang verweigert.cite-ref-764[764]
Die im ersten und zweiten Minsker Abkommen vereinbarte Ăberwachung der russischen Grenze kam nie zustande.cite-ref-oszegrenze-765-0[765]
Im Sommer 2015 nahmen organisierte Behinderungen der OSZE zu: Im Juli wurden 30 Fahrzeuge der OSZE und des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) in Donezk von der âBevĂślkerungâ einsatzunfähig gemacht, wobei die bewaffneten Vertreter der Separatisten es unterlieĂen, die Fahrzeuge zu schĂźtzen. Im August wurden weitere vier Autos komplett zerstĂśrt. Ukrainische Quellen sprachen von Versuchen, die OSZE aus dem Donbass zu verdrängen.cite-ref-766[766]cite-ref-767[767]cite-ref-768[768]cite-ref-769[769]
Der stellvertretende Leiter der OSZE-Mission, Alexander Hug, teilte im März 2016 in einem Interview mit, dass sich keine der beiden Seiten wirklich an die âSicherheitszoneâ beiderseits der Minsker Kontaktlinie halte, in der Truppenbewegung eigentlich verboten seien. Die Beobachter wĂźrden bei ihren Inspektionen vor allem durch pro-russische Kräfte behindert. Bedrohungen und EinschĂźchterungen gegen die Beobachter kämen ausschlieĂlich durch pro-russische Separatisten vor.cite-ref-770[770]
Spionageverdacht
Laut Recherchen des ARD-Magazins Fakt wurden Mitglieder der OSZE-Beobachtermission in der Ukraine vom russischen Inlandsgeheimdienst FSB ausspioniert. Der FSB habe Mitarbeiterlisten und Kurzdossiers mit privaten Informationen ßber die OSZE-Mitarbeiter, wie Familienstand, Angaben zum Gesundheitszustand, Charaktereigenschaften und genauer Aufenthaltsort in der Ukraine erhalten. Auch Einschätzungen zu persÜnlichen Gewohnheiten und Vorlieben wurden in den Dossiers erfasst, etwa Details ßber bevorzugte Frauentypen, Anfälligkeiten fßr Alkohol und die finanzielle Situation. Dem Magazin liegt dazu die Kopie eines Datenträgers vor, der sich zuvor im Besitz eines russischen FSB-Beamten befunden habe. Darßber hinaus habe der FSB interne OSZE-Dokumente, detaillierte Pläne von OSZE-Einrichtungen, Berichte ßber besondere Vorkommnisse sowie die Kommunikation des stellvertretenden Leiters der Mission, Alexander Hug, erhalten. Nach Recherchen des Magazins kÜnnten die Dokumente von einem der Mitarbeiter der OSZE-Mission an russische Agenten weitergeleitet worden sein, ausgehend von den Dokumenteneigenschaften.cite-ref-771[771]cite-ref-772[772] Die Sprecherin der OSZE-Mission kßndigte eine Untersuchung an.cite-ref-773[773]
Wahlbeobachtungen
Vom ukrainischen AuĂenministerium wurde die OSZE eingeladen, die auf den 25. Mai 2014 vorgezogene Präsidentschaftswahl zu beobachten.cite-ref-774[774]cite-ref-775[775] Am 19. September 2014 erĂśffnete das OSZE-BĂźro fĂźr demokratische Institutionen und Menschenrechte (Office for Democratic Institutions and Human Rights â ODIHR) formell eine Wahlbeobachtungsmission fĂźr die Parlamentswahlen am 26. Oktober 2014 auf Einladung des ukrainischen AuĂenministeriums. Die Mission wird von der Italienischen Politikerin Tana de Zulueta geleitet und besteht aus 16 Experten in Kiew und 80 Langzeitbeobachtern im ganzen Land.cite-ref-776[776]
Siehe auch
:
Präsidentschaftswahl in der Ukraine 2014
Internationale Reaktionen
Siehe auch
:
Liste von Auslandshilfen fĂźr die Ukraine seit 2014
Reaktionen internationaler Organisationen
Vereinte Nationen
Am 17. März 2014 verurteilte UN-Generalsekretär Ban Ki-moon die Gewalt in der Ostukraine. Er rief alle Beteiligten dazu auf von Gewalt abzusehen und sich zu Gewaltfreiheit und einem nationalen Dialog zur Suche nach einer politischen und diplomatischen LÜsung zu verpflichten.cite-ref-777[777]
Am 4. September tagte auf Antrag Russlands der UN-Sicherheitsrat in New York (Dringlichkeitssitzung) zur Lage der Menschen in der Konfliktregion. Das UN-FlĂźchtlingshilfswerk UNHCR hatte zuvor, basierend auf russischen Angaben, mitgeteilt, dass seit Jahresbeginn 730.000 Menschen aus der Ostukraine in Russland Zuflucht gesucht hätten. 168.000 Ukrainer hätten sich als FlĂźchtlinge registrieren lassen. Man habe aber keine MĂśglichkeiten zur ĂberprĂźfung der russischen Angaben âWir haben keine Helfer dort, sondern leisten nur technische UnterstĂźtzung.â Der Vertreter der Ukraine warf Russland Zynismus vor: âKeines dieser Probleme wĂźrde bestehen, wenn Sie sich nicht in die Angelegenheiten eines souveränen Landes einmischen wĂźrden.â US-Vize-Botschafterin Rosemary DiCarlo warf Russland Heuchelei vor. âRussland kann das alles beenden. Die Gewalt endet an dem Tag, an dem Russland seine Hilfe fĂźr die Aufständischen einstellt.â Moskau mĂźsse die Ukraine respektieren, die Besetzung der Krim beenden und mit der Destabilisierung der Ostukraine aufhĂśren.
Europäische Union
Nach der gewaltsamen Belagerung des ukrainischen Parlaments durch Mitglieder des Rechten Sektors schloss sich die EU-AuĂenbeauftragte Catherine Ashton am 29. März den Aufrufen zur Abgabe aller illegaler Waffen im Land an die ukrainischen BehĂśrden an.cite-ref-778[778]cite-ref-779[779]
In einem Interview erklärt EU-Währungskommissar Olli Rehn am 6. April, der Ukraine sei nie gesagt worden, sie mĂźsse âsich zwischen Europa und Russland entscheidenâ.cite-ref-rehn-780-0[780]
Am 16. Juli 2014 verschärften sowohl die EU als auch die USA ihre Sanktionen gegenĂźber Russland.cite-ref-obama16-781-0[781]cite-ref-eu16-782-0[782] Die EU verabschiedete am 6. September 2014 weitere Wirtschaftssanktionen gegen Russland, die am 12. September 2014 in Kraft traten.cite-ref-welt-132141314-783-0[783] Betroffen von den Sanktionen sind neben dem Zugang zu den EU-Finanzmärkten fĂźr russische Finanzinstitute und Banken (gilt fĂźr alle Banken mit einem staatlichen Anteil von mindestens 50 Prozent) insbesondere russisch staatlich gelenkte ErdĂślunternehmen wie Rosneft, Transneft und Gazprom Neft. Die EU untersagte des Weiteren die Ausfuhr fĂźr Spezialtechnik zur ĂlfĂśrderung und verbot kĂźnftige RĂźstungslieferungen.cite-ref-784[784]
Am 12. September verschärfte die EU nochmals ihre Sanktionen gegen Russland und die Separatisten der Ostukraine, erneut im Einklang mit den USA.
Am 16. September 2014 ratifizierte das EU-Parlament das Assoziierungsabkommen mit der Ukraine. Die Russland direkt oder indirekt betreffenden wirtschaftlichen Teile des Abkommens (âFreihandelsabkommenâ) wurden allerdings aufgeschoben. Russland wurde bei den Abkommen nicht eingebunden, was die Beziehungen zwischen der EU und Russland weiter belastete.
Die AuĂenminister der EU beschlossen am 17. November in BrĂźssel eine Verschärfung der Sanktionen gegen prominente Mitglieder der Separatisten in der Ukraine.
Die Europäische Kommission warnte Russland nach den amerikanischen BefĂźrchtungen einer Invasion im Dezember 2021, die EU wĂźrde, falls Russland in die Ukraine einmarschieren werde, ebenfalls StrafmaĂnahmen verhängen.cite-ref-785[785]
Die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Staaten warnten Russland im Dezember 2021 vor einer militärischen Offensive in der Ukraine, ohne konkrete Sanktionen zu nennen, die im Falle einer russischen Invasion in der Ukraine folgen wßrden.cite-ref-786[786]cite-ref-787[787]
Am 23. November 2022 erklärte das Europäische Parlament Russland als staatlichen Unterstßtzer des Terrorismus.cite-ref-788[788]cite-ref-789[789]
Vor dem Wintereinbruch 2022 stellt sich die Frage: Werden die Staaten der Europäischen Union der Ukraine helfen, wenn dem vom Krieg zerrßtteten Land das Gas ausgehen sollte und die Menschen frieren mßssten? Die Ukraine ist kein EU-Mitglied und die westlichen Staaten wollen ihre Industrien retten, auch wenn die russischen Gaslieferungen nach Europa gänzlich ausbleiben sollten.cite-ref-spiegel-16072022-790-0[790]
Die Sanktionen gegen Russland wurden in ihrer Wirkung teils kritisiert. So hätten sie ihre Wirkung verfehlt, da Russland sich seit 2023 wieder im wirtschaftlichen Wachstum befinde.cite-ref-791[791]
NATO
Während die NATO 1997 noch 100.000 Soldaten in Europa stationiert hatte, ging die Anzahl bis 2014 auf 25.000 zurĂźck.cite-ref-stentputinsrussland184-792-0[792] In den Staaten der Osterweiterung wurde jedoch das Besatzungslimit von maximal 5.000 stationierten Truppen eingehalten. Im März 2014 begannen in Polen und Rumänien die FlĂźge der NATO zur Ăberwachung der Krise.cite-ref-793[793] Am 23. März 2014 erklärte der Oberkommandierende der NATO, Philip Breedlove, die russischen Streitkräfte an der Grenze zur Ukraine seien so stark, dass sie im Konflikt um die abtrĂźnnige Region Transnistrien auch eine Bedrohung fĂźr die frĂźhere Sowjetrepublik Moldau darstellen kĂśnnten. Die Allianz mĂźsse Ăźber die Stationierung und Einsatzbereitschaft ihrer Kräfte nachdenken. Das gelte besonders fĂźr das Baltikum.cite-ref-nato-794-0[794] In Reaktion auf die russische Annexion der Krim setzte die NATO im April 2014 ihre zivile und militärische Zusammenarbeit auf praktischer Ebene mit Russland aus. Politisch-diplomatische Beziehungen, etwa im Rahmen des NATO-Russland-Rates, sollten jedoch aufrechterhalten werden.cite-ref-795[795]cite-ref-796[796]
Die NATO fĂźhrte am 4./5. September 2014 in Newport in Wales ein Gipfeltreffen durch, zu dem der ukrainische Präsident Poroschenko als Gast anreiste. Russland war nicht eingeladen. NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sagte zum Auftakt: âWir haben es mit einem dramatisch veränderten Sicherheitsumfeld zu tun. Im Osten greift Russland die Ukraine an.â Der Krieg in der Ostukraine â und die Frage, wie die NATO darauf reagieren soll â stand im Zentrum des Treffens. Folgende Ziele wurden bei dem Treffen formuliert: Stärke gegenĂźber Russland demonstrieren; der Regierung in Kiew UnterstĂźtzung signalisieren; Entwicklung eines Aktionsplans fĂźr eine stärkere Präsenz der NATO in ihren osteuropäischen Mitgliedstaaten und Aufbau einer als âSpeerspitzeâ bezeichneten Eingreiftruppe, die innerhalb von zwei bis drei Tagen kampfbereit sein soll. Der NATO-Generalsekretär forderte Ăźberdies von Russland, das Land solle seine Truppen von der Grenze zur Ukraine abziehen, das Einsickern von Waffen und Kämpfern in das Land stoppen, die UnterstĂźtzung von bewaffneten Separatisten einstellen sowie konstruktive politische BemĂźhungen fĂźr eine LĂśsung beginnen.cite-ref-797[797] Russland wurde vorgeworfen, mit Soldaten und Kriegsgerät direkt in die Kämpfe zwischen Separatisten und ukrainischen Regierungstruppen einzugreifen. Nach NATO-Darstellung gebe es Beweise fĂźr eine massive Militärpräsenz Russlands im Nachbarland.cite-ref-postition-569-1[569]
Vom 11. bis zum 28. September 2014 veranstaltete die NATO, unter Leitung des US European Command, das ManĂśver ÂťRapid Trident 14ÂŤ (Schneller Dreizack) auf einem nahezu 400 km² groĂen truppen-bungsplatz-jaworiwTruppenĂźbungsplatz50.05383223.608246 bei Jaworiw im äuĂersten Westen der Ukraine. Bei der kombinierten Land- und LuftwaffenĂźbung waren etwa 1300 Soldaten aus 16 Nationen, darunter auch drei Soldaten der deutschen Bundeswehr, beteiligt.cite-ref-798[798]cite-ref-799[799]
Auf dem NATO-Gipfel 2016 in Warschau änderte das BĂźndnis seine Strategie von âRĂźckversicherungâ zu âAbschreckungâ. Im Januar 2017 stationierte die NATO vier Bataillone mit insgesamt drei- bis viertausend Mann in Polen und den baltischen Staaten. Die Entsendung nach Polen war die grĂśĂte Verlegung von US-Truppen nach Europa seit 1991.cite-ref-stentputinsrussland184-792-1[792]
2022 wurde auf Grund der anhaltenden Kampfhandlungen sowie einer massiven Präsenz russischer Streitkräfte an der ukrainischen Grenze der NATO-Russland-Rat reaktiviert.cite-ref-zdfheute-12122022-800-0[800] Am 10. Januar tagte zur Vorbereitung des am 12. Januar 2022 in BrĂźssel geplanten Treffens die NATO-Ukraine-Kommission. âRussland setzt seinen militärischen Aufmarsch fort, mit Zehntausenden kampfbereiten Truppen, die fĂźr schwere Fähigkeiten gerĂźstet sindâ, sagte der NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Die Teilnahme der stellvertretenden Ministerpräsidentin der Ukraine Olga Stefanishyna sollte Kiew vor dem Treffen des NATO-Russland-Rats in die Gespräche zur LĂśsung des Konflikts einbinden.cite-ref-801[801] Ungeachtet der zunehmenden Spannungen mit Russland hält die NATO an der Selbstbestimmung der Staaten Europas sowie an Gesprächsangeboten zu Stationierungen und Waffensystemen fest.cite-ref-faz-10012022-802-0[802] Russland forderte Sicherheitsgarantien fĂźr Russland und stellte weitere unannehmbare Forderungen betreffend der NATO-Staaten.cite-ref-803[803] In einem Interview mit ZDFheute sagte Stoltenberg, dass die Gespräche nicht einfach gewesen seien, âaber sie waren offen und wurden frei gefĂźhrtâ.cite-ref-zdfheute-12122022-800-1[800]
Die NATO-Staaten Ăźbergaben am 26. Januar ihre Antworten auf eine schriftlich formulierte Anfrage Moskaus zu den von Russland geforderten Sicherheitsgarantien. Einen Verzicht auf die Mitgliedschaft der Ukraine in der NATO wiesen die Vereinigten Staaten darin zurĂźck.cite-ref-welt-28012022-804-0[804] Die NATO schlug in ihrer Antwort vor, die nach einem Spionagestreit geschlossenen Vertretungen in Moskau und BrĂźssel wieder zu Ăśffnen. AuĂerdem wolle das BĂźndnis die bestehenden militärischen Kommunikationskanäle in vollem Umfang nutzen, um die Transparenz zu fĂśrdern und Risiken zu verringern. In einem ersten Schritt zur Deeskalation solle man sich gegenseitig Ăźber ManĂśver und Atompolitik im NATO-Russland-Rat verständigen.cite-ref-805[805]cite-ref-welt-28012022-804-1[804]
Reaktionen einzelner Staaten
Siehe auch
:
Liste von Auslandshilfen fĂźr die Ukraine seit 2014
Deutschland
Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich am 16. März 2014 gegenĂźber Putin fĂźr mehr OSZE-Beobachter vor allem in der unruhigen Ostukraine ausgesprochen, und von ihm dieses Zugeständnis erreicht.cite-ref-806[806] Am 22. März 2014 traf BundesauĂenminister Steinmeier in Donezk den damaligen Gouverneur Serhij Taruta sowie den vermĂśgenden Unternehmer Rinat Achmetow. Von der Kiewer Ăbergangsregierung forderte er, die Rechte aller BevĂślkerungsgruppen zu sichern, die Milizen zu entwaffnencite-ref-807[807] und sich von extremistischen Kräften zu distanzieren.cite-ref-808[808]
Die deutsche Bundesregierung lobte im April 2014 die bisherige ZurĂźckhaltung der ukrainischen Ăbergangsregierung beim aktuellen Vorgehen gegen die prorussischen Kräfte in der Ostukraine.cite-ref-809[809] Infolge der Ukrainekrise verfĂźgte die deutsche Bundesregierung einen Exportstopp fĂźr RĂźstungsgĂźter nach Russland.cite-ref-810[810] Am 27. Juni erwähnte Bundespräsident Joachim Gauck aus Anlass einer AusstellungserĂśffnung zum hundertjährigen Jahrestag des Attentats von Sarajevo explizit die Krise in der Ukraine: âDer Widerstand Russlands gegen eine Annäherung der Ukraine an die Europäische Union hat uns mit Denk- und Verhaltensmustern konfrontiert, die wir auf unserem Kontinent fĂźr längst Ăźberwunden hielten. Was wir heute erleben, ist altes Denken in Macht- und Einflusssphären â bis hin zur Destabilisierung fremder Staaten und zur Annexion fremder Territorienâ.cite-ref-811[811]
Am 1. September 2014, zum 75. Jahrestag des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges, hielt Gauck eine Rede in Danzig. Darin kritisierte er, Russland habe die Partnerschaft mit dem Westen de facto aufgekĂźndigt. Gauck hielt der Regierung in Moskau zudem indirekt vor, nicht nur die Halbinsel Krim annektiert zu haben, sondern auch die Separatisten in der Ostukraine militärisch zu unterstĂźtzen. âDie Geschichte lehrt uns, dass territoriale Zugeständnisse den Appetit von Aggressoren oft nur vergrĂśĂernâ, warnte der Bundespräsident.cite-ref-812[812]
Im September 2014 bereitete die Bundesregierung eine Lieferung mit medizinischer Ausrßstung, Feldlazaretten und Schutzwesten an die Ukraine vor. Der Bßrgermeister der ukrainischen Hauptstadt Kiew, Witali Klitschko, hatte zuvor erklärt, die ukrainische Fßhrung bitte seit drei Monaten bei den NATO-Staaten vergeblich um Unterstßtzung.cite-ref-813[813]
Angela Merkel hielt im Anschluss an die Brisbaner G20-Konferenz in Sydney 2014 eine Rede, in der sie vor einem Wiederaufleben des Kalten Krieges und einer Aufteilung der Welt in Einflusssphären warnte: Es gehe sonst nicht um die Ukraine allein und deren Assoziation an die EU, sondern auch um Georgien, Moldawien, Serbien und andere Staaten. Sie erinnerte auch an die Verhältnisse in der DDR, wo man immer erst in Moskau habe nachfragen mßssen, bevor man etwas unternahm. Im Dezember 2014 appellierten 60 PersÜnlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur unter dem Namen Wieder Krieg in Europa? Nicht in unserem Namen! an die Mitglieder des Deutschen Bundestages, auf Ausgleich und Dialog mit Russland zu setzen. Der Appell zog wegen des als unkritisch beschriebenen Umgangs mit Russlands Militäroperationen und der Annexion der Krim Kritik auf sich und lÜste einen Gegenaufruf von 100 Wissenschaftlern aus.cite-ref-814[814]
Auf der 51. MĂźnchner Sicherheitskonferenz im Februar 2015 verwies Merkel darauf, dass der Konflikt militärisch nicht zu gewinnen sei: âDas Problem ist, dass ich mir keine Situation vorstellen kann, in der eine verbesserte AusrĂźstung der ukrainischen Armee dazu fĂźhrt, dass Präsident Putin so beeindruckt ist, dass er glaubt, militärisch zu verlieren.âcite-ref-815[815] Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte Anfang März 2015, die Sanktionen gegen Russland wĂźrden so lange aufrechterhalten, bis das zweite Abkommen von Minsk komplett umgesetzt sei, also bis zur Ăbernahme der Kontrolle der russisch-ukrainischen Grenze durch die Ukraine.cite-ref-816[816] Dies galt auch noch eineinhalb Jahre später: Im Oktober 2016 sollte ein Treffen mit Putin, Poroschenko, Hollande und Merkel in Berlin âdie Umsetzung der Minsker Vereinbarungen bewertenâ.cite-ref-817[817] Das einzige Resultat ein Jahr zuvor war, dass die regierungsfeindlichen Gebiete auf ihre Wahlen verzichteten und sich somit nichts änderte.cite-ref-bilanzverh-47-1[47]
Während der Verschärfung der Lage im Jahr 2021 forderte Deutschland im April den Abzug der russischen Truppen.cite-ref-818[818] Ab November, als die USA von Kriegsgefahr sprachen, klaffte die Einschätzung schon weiter auseinander.cite-ref-819[819] Die Deutsche Ampelkoalition sandte bis Mitte Januar mehrdeutige Signale, nur âein bisschenâ (der Spiegel) drohte Olaf Scholz Russland mit Konsequenzen bei einem russischen Einmarsch.cite-ref-820[820] Kevin KĂźhnerts Aussage, es gebe in der Ostukraine âglĂźcklicherweise noch keinen heiĂen Konflikt, noch keinen Kriegâ, wurde als mangelhaftes Durchdringen von Tatsachen bei der SPD kommentiert.cite-ref-821[821] Die von der deutschen Bundesregierung Ende Januar 2022 zugesagte Lieferung von 5000 Gefechtshelmen wurde von der ukrainischen Regierung als rein symbolische Geste gewertet. Den Export âletaler Waffenâ hatten sowohl Bundeskanzler Olaf Scholz als auch AuĂenministerin Annalena Baerbock ausgeschlossen.
Die ukrainische Regierung bat die Deutsche Bundesregierung im Januar und Februar 2022 durch ihren Botschafter Andrij Melnyk, u. a. mit einem offiziellen Schreiben mit genauer Aufzählung von benĂśtigter Waffentechnik,cite-ref-822[822] das ukrainische Militär auszurĂźsten.cite-ref-823[823]cite-ref-824[824] Als Reaktion auf den russischen Angriff Ende Februar 2022 auf die Ukraine hat Deutschland eine massive Aufstockung der Wehrausgaben angekĂźndigt: Ein einmaliges SondervermĂśgen in HĂśhe von 100 Milliarden Euro und das Ziel, zukĂźnftig mehr als zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Verteidigung zu investieren. AuĂerdem soll die Abhängigkeit von russischem Erdgas u. a. durch zwei neue FlĂźssigerdgas-Terminals reduziert werden.cite-ref-825[825]
Ăsterreich
Der Ăśsterreichische Bundeskanzler Karl Nehammer (ĂVP) schloss sich dem 2022 fälligen Sanktionspaket der Europäischen Union an. AuĂenminister Alexander Schallenberg (ĂVP) merkte an, dass Sanktionen eine Art Bestrafung sind, welche man nicht im Vorfeld verhängen kann und soll.cite-ref-826[826] Der Ăśsterreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen kritisiert die Entscheidung, russische Truppen in die Ost-Ukraine zu entsenden, als eklatante Verletzung der Souveränität und territorialen Integrität der Ukraine.cite-ref-827[827]
Schweiz
Die Schweiz verurteilte 2014 die Annexion der Krim durch Russland. Das Land beschloss eine Einfuhrunterbrechung fĂźr Kriegsmittel aus Russland und der Ukraine. Ăberdies veranlasste der Bundesrat als Folge der Angliederung der Krim durch Russland ein Einfuhr- und Ausfuhrverbot gewisser SchlĂźsselgĂźter zur Ăl- und GasfĂśrderung sowie Anlagebeschränkungen fĂźr die Krim. Grund der Haltung gegen Sanktionen sei die GlaubwĂźrdigkeit der Schweiz als Anbieter der Guten Dienste sowie als OSZE-Vorsitz, um ihre Vermittlerrolle nicht zu gefährden. Die Schweiz fĂźhrte den Courant normal (gewohnte Tagesgeschäfte) durch, das heiĂt, dass die Strafen der EU nicht Ăźber die Schweiz umgangen werden sollten.cite-ref-828[828]cite-ref-829[829]
Die Schweiz forderte Russland 2022 nach dessen Anerkennung der Volksrepubliken auf, die Anerkennung zurßckzunehmen. Nach dem Einmarsch verurteilte sie die russische Aggression nicht nur diplomatisch, sondern zusätzlich mit einer Erklärung beider Parlamentskammern.cite-ref-830[830] In einem in diesem Umfang einmaligen Schritt schloss sie sich den EU-Sanktionen an, der Bundespräsident erklärte: Einem Aggressor in die Hände zu spielen, ist nicht neutral.cite-ref-v-lkerrechtlichabgekl-rt-831-0[831]
Nach seiner Emeritierung an der ETH Zßrich machte Michael Ambßhl als ehemaliger oberster Diplomat der Schweiz Vorschläge zur Beilegung des Konflikts zwischen den Kriegsparteien.cite-ref-832[832]
Vereinigte Staaten
US-Präsident Barack Obama forderte am 28. März 2014 Russland auf, seine Truppen von der ukrainischen Grenze abzuziehen.cite-ref-833[833] Der Direktor des US-Geheimdienstes CIA, John Brennan, war am 12. und 13. April 2014 in Kiew und hatte sich auch mit Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk und seinem Vize Witalij Jarema getroffen.cite-ref-834[834] Die USA stellten sich auf die Seite der ukrainischen Ăbergangsregierung, als diese begann, militärisch gegen Separatisten vorzugehen, nachdem diese systematisch und bewaffnet staatliche Einrichtungen besetzt hatten.cite-ref-spiegel150414-562-1[562] Der amerikanische Regierungssprecher Jay Carney bezeichnete das militärische Vorgehen Kiews am 16. April als âausgewogenâ.cite-ref-835[835] Am 21. April 2014 verĂśffentlichte das US-amerikanische AuĂenministerium eine Serie von Fotos, die Russlands Verwicklung in die Aufstände in der Ostukraine belegen sollen. Die verĂśffentlichten Bilder sollen belegen, dass einige der bewaffneten Kämpfer in der Ostukraine russische Militärs oder Offiziere des russischen Geheimdienstes seien.cite-ref-836[836] Am 24. April 2014 warf US-AuĂenminister John Kerry Russland eine gezielte Destabilisierung der Ukraine vor. Russland versuche den demokratischen Prozess im Nachbarland zu behindern. Die russische Regierung behaupte zwar, sie sei an einer Stabilisierung der Lage interessiert, dies sei aber eine Täuschung. In Wahrheit habe Russland mit Provokationen und Drohungen die Instabilität in der Ukraine vergrĂśĂert.cite-ref-837[837] Kerry warnte Russland vor einem âschweren und teuren Fehlerâ, sollte es an seinem Vorgehen nichts ändern.cite-ref-838[838]
Am 16. Juli 2014 gaben die USA eine Verschärfung ihrer Sanktionen gegen Russland bekannt, mit der Begrßndung, Russland habe den Zustrom von Kämpfern und Waffen fßr die Separatisten nicht gestoppt. Die Sanktionsrunde richtet sich gegen die staatliche Wneschekonombank und die Gazprombank sowie gegen die Energiekonzerne Novatek und Rosneft und gegen acht Rßstungskonzerne.cite-ref-obama16-781-1[781]cite-ref-839[839] Auch die EU verschärfte ihre Sanktionen am gleichen Tage.cite-ref-eu16-782-1[782]
Im September 2014 setzte die US-amerikanische Regierung weitere Sanktionen gegen Russland in Kraft. Betroffen sind russische Finanzinstitute und Banken, insbesondere die Sberbank sowie russische RĂźstungsunternehmen und Unternehmen der ErdĂślfĂśrderung.cite-ref-840[840] Anfang Dezember 2014 verabschiedete der US-Kongress mit nur 10 Gegenstimmen eine Resolution, wonach Russland in der Ukraine jeden einzelnen der 10 Punkte der Schlussakte von Helsinki gebrochen hätte.cite-ref-841[841] Eine Woche später beschloss er einstimmig den âUkraine Freedom Support Actâ.cite-ref-842[842] Das Gesetz sieht erstmals RĂźstungsexporte fĂźr die Ukraine vor. Der Kongress genehmigt der US-Regierung im laufenden Haushaltsjahr 100 Millionen US-Dollar und jeweils 125 Millionen US-Dollar in den darauf folgenden beiden Jahren. Mit diesen Mitteln solle die USA die ukrainischen Streitkräfte mit âPanzerabwehrwaffen, Munition, Artillerieaufklärungsradar, Feuerleitsysteme und Ăberwachungsdrohnenâ ausstatten, um âdie Souveränität und territoriale Unversehrtheit der Ukraine wiederherzustellenâ. Weiterhin wird die US-Regierung dazu aufgefordert, fĂźr ukrainische Waffenproduzenten, die bisher vor allem nach Russland exportierten, âangemessene alternative Märkteâ zu finden.cite-ref-843[843] Am 16. Dezember 2014 erklärte Präsident Barack Obama das Gesetz unterzeichnen zu wollen. Er habe zwar Bedenken, weil sich die USA in diesem Fall nicht mit ihren VerbĂźndeten Ăźber neue StrafmaĂnahmen abgestimmt hätten, das Gesetz verschaffe ihm aber einen Spielraum fĂźr neue Sanktionen.cite-ref-844[844]
US-Senator John McCain kritisierte die Rede Angela Merkels auf der MĂźnchner Sicherheitskonferenz, in der sie fĂźr eine VerhandlungslĂśsung warb, als âTorheitâ und verglich Merkels Ablehnung von Waffenlieferungen an die Ukraine mit der Appeasement-Politik der britischen Regierung gegenĂźber Nazi-Deutschland in den 1930er-Jahren.cite-ref-845[845]cite-ref-846[846] US-Vizepräsident Joe Biden warnte auf der MSC âentschieden vor Uneinigkeit der Europäer in der Ukraine-Kriseâ. Er sagte ferner, die US-Regierung werde der Ukraine weiter militärische AusrĂźstung liefern, ging aber nicht auf die Forderung der US-Senatoren ein, auch tĂśdliche Waffen zu liefern.cite-ref-847[847]
US-Präsident Biden teilte im Dezember 2021 Putin in einem Gespräch mit, dass die USA im Falle eines Einmarsches ihre NATO-Kapazitäten in Osteuropa erhĂśhen und Sanktionen verhängen, aber selbst nicht militärisch eingreifen wĂźrden.cite-ref-848[848]cite-ref-849[849] Die Vereinigten Staaten verstärkten im Januar und Februar 2022 ihre militärische Präsenz in den an die Ukraine grenzenden NATO-Staaten. 3000 zusätzlichen Soldaten wurden (Stand Mitte Februar) nach Polen beordert; mindestens 1700 weitere sollten folgten. Die US-Armee verlegte auĂerdem 1000 Soldaten von Deutschland nach Rumänien.cite-ref-850[850]
Heiliger Stuhl
Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine und der Eskalation des Krieges besuchte Papst Franziskus die Russische Botschaft beim Heiligen Stuhl, was als âbeispielloser Schrittâ bezeichnet wurde.cite-ref-851[851] Franziskus telefonierte mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und brachte seine âTrauerâ zum Ausdruck, während der Vatikan versuche, âRaum fĂźr Verhandlungenâ zu finden.cite-ref-852[852] âDer Heilige Stuhl ist bereit, alles zu tun, um sich in den Dienst des Friedens zu stellenâ, sagte der Papst und kĂźndigte an, Anfang März zwei hochrangige Kardinäle mit HilfsgĂźtern in die Ukraine zu schicken.cite-ref-853[853] Bei diesen Sondergesandten handelt es sich um Kardinal Konrad Krajewski, Leiter der Apostolischen Almosenverwaltung, und Kardinal Michael Czerny, Leiter des päpstlichen BĂźros fĂźr Migration, Caritas, Gerechtigkeit und Frieden. Diese Mission, die mehrere Reisen umfasste,cite-ref-854[854]cite-ref-855[855] wurde als hĂśchst ungewĂśhnlicher Schritt der vatikanischen Diplomatie angesehen.cite-ref-856[856] Papst Franziskus weihte am 25. März 2022 sowohl Russland als auch die Ukraine dem Unbefleckten Herzen Mariens.cite-ref-857[857] Der Papst nahm am 7. Kongress der Weltreligionen und der traditionellen Religionencite-ref-858[858] am 13.â15. September 2022 in der kasachischen Hauptstadt Nur-Sultan (am 17. September 2022 umbenannt in Astana) teil, um zusammen mit den weiteren Religionsoberhäuptern fĂźr den Frieden zu beten.cite-ref-859[859] Franziskus hat seit Beginn des Krieges den Frieden immer wieder angemahntcite-ref-860[860] und wĂźrde nach unbestätigten Berichten gerne mit dem Patriarchen Kyrill von Moskau ins Gespräch kommen.
VĂślkerrecht und gerichtliche Klagen
Zahlreiche Wissenschaftler und Journalisten sehen in dem russischen Vorgehen seit 2014 einen Verstoà gegen das VÜlkerrecht. Dabei sind mehrere vÜlkerrechtlichen Verträge einschlägig:
⢠Die Charta der Vereinten Nationen von 1945 enthält in Artikel II, Absatz 4 ein generelles Gewaltverbot: âAlle Mitglieder unterlassen in ihren internationalen Beziehungen jede gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit eines Staates gerichtete [âŚ] Androhung oder Anwendung von Gewalt.âcite-ref-861[861]
⢠Im Budapester Memorandum sagte Russland der Ukraine 1994 im Gegenzug zur Ăberstellung sämtlicher auf deren Territorium befindlicher Nuklearwaffen der ehemaligen Sowjetunion zu, ihre Souveränität und ihre bestehenden Grenzen zu achten. Der amerikanische Militärexperte David S. Yost sieht die Verletzung des Memorandum im Rahmen einer allgemeinen Missachtung internationaler Verträge durch Russland, wie auch des INF-Vertrags.cite-ref-862[862] Der russische Politikwissenschaftler Vladislav Belov verweist demgegenĂźber darauf, dass das Memorandum von der Staatsduma nicht ratifiziert wurde. Somit sei es nur als Willenserklärung der damaligen russischen Regierung unter Boris Jelzin, nicht aber als vĂślkerrechtlich bindend anzusehen.cite-ref-863[863]
⢠In der NATO-Russland-Grundakte von 1997 sagte Russland zu, auf die Androhung oder Anwendung von Gewalt âgegen irgendeinen anderen Staat, seine Souveränität, territoriale Unversehrtheit oder politische Unabhängigkeit in einer Weise, die mit der Charta der Vereinten Nationen oder der in der Schlussakte von Helsinki enthaltenen Erklärung Ăźber die Prinzipien, die die Beziehungen der Teilnehmerstaaten leiten, unvereinbar istâ, zu verzichten. Es werde âdie Souveränität, Unabhängigkeit und territoriale Unversehrtheit aller Staaten sowie ihr naturgegebenes Rechtâ achten, selbst zu bestimmen, wie sie ihre Sicherheit, die Unverletzlichkeit ihrer Grenzen und das Selbstbestimmungsrecht der VĂślker sichern.cite-ref-864[864] Damit sicherte Russland der Ukraine das Recht auf freie BĂźndniswahl zu.cite-ref-wd-2-3010-006-22-865-0[865]
Europäischer Gerichtshof fßr Menschenrechte
Am 13. März 2014 legte die Ukraine beim Europäischen Gerichtshof fĂźr Menschenrechte (EGMR) eine erste Staatenbeschwerde (Art. 33 EMRK) gegen die Russische FĂśderation ein; bis Februar 2022 folgten neun weitere,cite-ref-866[866] wobei teilweise vorläufige MaĂnahmen erlassen wurden. Am 22. Juli 2021 legte auch die Russische FĂśderation Staatenbeschwerde gegen die Ukraine ein.cite-ref-867[867] Am 16. Dezember 2020 erklärte der Gerichtshof die erste Staatenbeschwerde der Ukraine von 2014 zur Krim weitgehend fĂźr zulässig;cite-ref-868[868] endgĂźltige Entscheidungen stehen noch aus. Daneben wurden beim EGMR Tausende von Individualbeschwerden eingereicht.cite-ref-869[869]
Der EGMR urteilte im Januar 2023, dass die sogenannten âseparatistischen Gebieteâ spätestens ab dem 11. Mai 2014 direkt unter der Kontrolle Russlands standen.cite-ref-870[870] Als Beweise fĂźhrte das Gericht die Anwesenheit von russischem Militärpersonal ab April 2014 und die groĂangelegte Stationierung russischer Truppen ab August 2014 an. Das Gericht weist russische Versuche zurĂźck, die âVolksrepulbikenâ als legitime Vertreter der lokalen BevĂślkerung des Donbass darzustellen.cite-ref-871[871]
Internationaler Strafgerichtshof
Die AnklagebehĂśrde beim Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) beschäftigt sich seit dem 25. April 2014 mit dem russisch-ukrainischen Krieg. Durch zwei Erklärungen von 2014 und 2015 erkannte die Ukraine, selbst genau wie Russland nicht Vertragspartei des IStGH-Statuts, die Gerichtsbarkeit des IStGH an (Art. 12 Abs. 3 des IStGH-Statuts).cite-ref-872[872] Die AnklagebehĂśrde Ăźbernahm die VorprĂźfung (Art. 15 Abs. 2 des IStGH-Statuts) und berichtete darĂźber ab 2014,cite-ref-873[873] wobei auf der Krim und in der Ost-Ukraine Anhaltspunkte fĂźr Kriegsverbrechen (Art. 8 des IStGH-Statuts), auf der Krim auch fĂźr Verbrechen gegen die Menschlichkeit (Art. 7 des IStGH-Statuts) gesehen wurden. Seit dem 17. März 2023 ist ein internationaler Haftbefehl gegen Wladimir Putin und seine âKinderrechtsbeauftragteâ Marija Alexejewna Lwowa-Belowa wegen mutmaĂlicher Kriegsverbrechen in Kraft.
Internationaler Gerichtshof
Terrorismusfinanzierung und Rassendiskriminierung (2017)
Das erste Verfahren wurde am 16. Januar 2017 von der Ukraine initiiert und stĂźtzte sich auf zwei internationale Ăbereinkommen: das Internationale Ăbereinkommen zur Bekämpfung der Finanzierung des Terrorismus (ICSFT) von 1999 und das Internationale Ăbereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Rassendiskriminierung (CERD) von 1965.cite-ref-874[874] Die Ukraine warf Russland vor, prorussische bewaffnete Gruppen in der Ostukraine finanziell zu unterstĂźtzen und ethnische Ukrainer sowie Krimtataren auf der annektierten Halbinsel Krim zu diskriminieren.cite-ref-875[875]
Am 19. April 2017 erlieĂ der Internationale Gerichtshof (IGH) einstweilige Anordnungen bezĂźglich der DiskriminierungsvorwĂźrfe auf der Krim.cite-ref-876[876] Das Gericht ordnete mit 13 zu 3 Stimmen an, dass Russland âdavon absehen muss, Beschränkungen fĂźr die Fähigkeit der krimtatarischen Gemeinschaft aufrechtzuerhalten oder zu verhängen, ihre repräsentativen Institutionen, einschlieĂlich des Medschlis, zu bewahrenâ. Einstimmig wurde Russland aufgefordert, âdie VerfĂźgbarkeit von Bildung in ukrainischer Sprache sicherzustellenâ.cite-ref-877[877]
Das Hauptverfahren endete am 31. Januar 2024 mit einem weitgehend fĂźr Russland gĂźnstigen Urteil.cite-ref-878[878] Der IGH stellte nur geringfĂźgige VerstĂśĂe fest: Russland hatte mit 13 zu 2 Stimmen seine Verpflichtungen unter Artikel 9 Absatz 1 des ICSFT verletzt, indem es versäumt hatte, Informationen Ăźber mĂśgliche Terrorismusfinanzierung zu untersuchen. BezĂźglich CERD fand das Gericht ebenfalls mit 13 zu 2 Stimmen, dass Russland durch die Umsetzung des Bildungssystems auf der Krim die Artikel 2 Absatz 1(a) und 5(e)(v) der Konvention verletzt hatte, da die ukrainischsprachige Bildung nicht ausreichend gewährleistet wurde.cite-ref-879[879]cite-ref-880[880]
Missbrauch der VĂślkermordkonvention (2022)
â
Hauptartikel
:
Ukraine versus Russische FĂśderation (2022)
Am 26. Februar 2022, nur zwei Tage nach Beginn der russischen Invasion, reichte die Ukraine eine zweite Klage ein, die auf der Konvention Ăźber die VerhĂźtung und Bestrafung des VĂślkermordes von 1948 basierte.cite-ref-881[881] Die Ukraine argumentierte, dass Russland fälschlicherweise behauptet habe, in den Oblasten Luhansk und Donezk finde ein VĂślkermord statt, und diese Behauptung als Rechtfertigung fĂźr die militärische âSpezial-Operationâ verwendet habe.cite-ref-882[882]
Der IGH erlieĂ am 16. März 2022 mit 13 zu 2 Stimmen einstweilige Anordnungen, die Russland aufforderten, âdie militärischen Operationen, die es am 24. Februar 2022 auf dem Gebiet der Ukraine begonnen hat, unverzĂźglich einzustellenâ.cite-ref-883[883] Das Gericht stellte fest, dass die Ukraine ein plausibles Recht habe, ânicht militärischen Operationen durch die Russische FĂśderation zum Zwecke der Verhinderung und Bestrafung eines angeblichen VĂślkermords auf dem Gebiet der Ukraine unterworfen zu werdenâ.cite-ref-884[884]
Am 2. Februar 2024 entschied der IGH ßber die von Russland erhobenen Einreden zur Zuständigkeit.cite-ref-885[885] Das Gericht erklärte sich zuständig fßr die Prßfung, ob die Ukraine VÜlkermord begangen hat, verwarf jedoch die Zuständigkeit fßr Fragen bezßglich der russischen Gewaltanwendung und der Anerkennung der selbsternannten Volksrepubliken.cite-ref-886[886] Das Gericht stellte fest, dass diese Aspekte nicht unter die VÜlkermordkonvention fielen, sondern andere Regeln des VÜlkerrechts beträfen.cite-ref-887[887]
Internationaler Seegerichtshof
Am 25. Mai 2019 ordnete der Internationale Seegerichtshof (ISGH) nach Art. 290 Abs. 5 SRĂ die Freilassung von drei ukrainischen Kriegsschiffen und deren Besatzung an, die am 25. November 2018 von Russland in der StraĂe von Kertsch beschlagnahmt worden waren.cite-ref-888[888] Die Festsetzung durch Russland wurde dabei vom Seegerichtshof nicht als militärische Handlung, sondern als MaĂnahme der Strafverfolgung angesehen; anderenfalls wäre der Seegerichtshof nicht zuständig gewesen.cite-ref-889[889]
Opfer
â
Hauptartikel
:
Opfer des Russisch-Ukrainischen Krieges
Die ersten Todesopfer des Russisch-Ukrainischen Konflikts starben während der Annexion der Krim durch die Russische FÜderation im Februar 2014.cite-ref-890[890] In den nachfolgenden Jahren kamen tausende von Zivilisten und AngehÜrige unterschiedlicher Streitkräfte im von Russland unterstßtzten bewaffneten Konflikt im Osten der Ukraine ums Leben oder wurden verwundet.cite-ref-891[891] Die UNO ging im Herbst 2016 von rund 32.000 Toten und Verletzten aus.cite-ref-892[892]cite-ref-893[893]
Die als Beobachter abgestellte OSCE bzw. OSZE dokumentierte folgende zivile Opferzahlen (getĂśtete Zivilisten) pro Jahr: 2084 im Jahr 2014, 954 im Jahr 2015, 112 im Jahr 2016, 117 im Jahr 2017, 55 im Jahr 2018, 27 im Jahr 2019, 26 im Jahr 2020 und 18 im Jahr 2021.cite-ref-894[894] Im Zeitraum von 2017 bis einschlieĂlich 2020 dokumentierte die OSCE auĂerdem insgesamt 548 durch den Konflikt verletzte Zivilisten.cite-ref-895[895]cite-ref-896[896]
Im Zeitraum von 2014 bis zur russischen Invasion im Februar 2022 verschwanden auf der Krim und im Donbass etwa 2.000 Menschen.cite-ref-897[897]
Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine Ende Februar 2022 starben innerhalb einer kurzen Zeitspanne Zehntausende Zivilisten und AngehÜrige der russischen und ukrainischen Streitkräfte oder wurden verwundet. Während Russland im April 2022 etwa 13.500 russische Gefallene vermeldete (die Zahl wurde kurz nach ihrer VerÜffentlichung wieder dementiert),cite-ref-898[898] gab die Ukraine die Zahl der bei Kampfhandlungen getÜteten russischen Soldaten im Mai 2022 mit 23.000 Personen an.cite-ref-899[899] Im September 2022 meldete die Ukraine 52.650 Tote auf russischer Seite.cite-ref-900[900] Die CIA schätzte die Zahl der russischen Gefallenen Mitte Juli 2022 auf etwa 15.000.cite-ref-901[901] Das entsprach der Schätzung der britischen Regierung von Ende Mai.cite-ref-902[902] Die Ukraine meldete im August 2022 eine Zahl von rund 9.000 toten Soldaten,cite-ref-903[903] wohingegen die russische Seite Mitte April 2022 die Zahl der bei Kampfhandlungen verstorbenen ukrainischen Streitkräfte auf mehr als 23.000 bezifferte.cite-ref-904[904] Nach ukrainischen Angaben fanden im Zuge der russischen Invasion bis Anfang August 2022 12.000 bis 28.400 Zivilisten den Tod.cite-ref-905[905] Das OHCHR meldet im September 2022 rund 5.800 bestätigte Todesfälle; es geht jedoch davon aus, dass die tatsächlichen Todesfälle weit ßber dieser Zahl liegen.cite-ref-906[906]
Siehe auch
Literatur
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2015
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2017
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2024
⢠Simon Shuster: Vor den Augen der Welt: Wolodymyr Selenskyj und der Krieg in der Ukraine. Ăbersetzung Henning Dedekind, Karsten Petersen, Thomas Stauder. Goldmann Verlag, MĂźnchen 2024, ISBN 978-3-442-31724-0.
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2025
⢠Steffen Dobbert, Ulrich Thiele: Nord Stream: Wie Deutschland Putins Krieg bezahlt. Klett-Cotta, 2025, ISBN 978-3-608-12371-5.
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Berichte im HĂśrfunk
⢠Florian Kellermann: Auf den Spuren der Separatisten. Deutschlandfunk, 14. Mai 2014.
⢠Gesine DornblĂźth, Thomas Franke: Russland und die Ukraine â Zuspitzung am Asowschen Meer, Deutschlandfunk â âHintergrundâ vom 19. September 2018.
Dokumentarfilme
⢠ZDF/Arte: Mit offenen Karten â Spezial Ukraine, Video, 25 min, 3. März 2022 (ââMit offenen Kartenâ widmet dem beispiellosen Angriff Putins auf die Ukraine eine Sonderausgabe. Moderatorin Emilie Aubry blickt auf die Geschichte der Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine.â)
⢠Eberhard Karls Universität Tßbingen: Thesencheck: Diese 8 Behauptungen ßber den Krieg in der Ukraine sind falsch auf YouTube, 1. März 2023 (mit Historiker Klaus Gestwa).
⢠Norma Percy (Produzentin): Wer ist Wladimir Putin? (Originaltitel: Putin vs the West), drei Teile, Arte 2023cite-ref-922[922]
Weblinks
Wikinews: Portal:Ukraine-Krieg
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Wiktionary: Ukrainekrieg
â Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Commons
: Russisch-Ukrainischer Krieg
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
⢠Ukraine-Analysen, herausgegeben von der Forschungsstelle Osteuropa, dem Zentrum fßr Osteuropa- und internationale Studien, der Deutschen Gesellschaft fßr Osteuropakunde, dem Deutschen Polen-Institut, dem Leibniz-Institut fßr Agrarentwicklung in TransformationsÜkonomien und dem Leibniz-Institut fßr Ost- und Sßdosteuropaforschung.
⢠Abductions and Torture in Eastern Ukraine (PDF), Bericht von Amnesty International ßber Menschenrechtsverletzungen im Konflikt um die Ost-Ukraine, Juli 2014
⢠Ukraine-Krieg 2022 â Ukraine-Konflikt 2021/2022, Dossier mit HintergrĂźnden und Analysen der Landeszentrale fĂźr politische Bildung Baden-WĂźrttemberg (LpB BW)
⢠Hintergrundliteratur zum Krieg in Osteuropa, Hintergrundliteratur zum Krieg in Osteuropa â Update 24.2.2023, Auswahlbibliographien des Schweizerischen Sozialarchivs
⢠Historiker Baberowski: âAuf diesen Moment wartet Putinâ. In: T-Online. 27. September 2022, abgerufen am 27. September 2022: âVerliert Putin den Krieg in der Ukraine? Von wegen, sagt der Historiker JĂśrg Baberowski. Im Interview mit t-online warnt er vor den wahren russischen Hardlinern.â
Einzelnachweise
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cite-note-1412. Die georgische Region ist international nicht als unabhängig anerkannt. Entsendung von 300 Soldaten in zwei Bataillonskampfgruppen, die im März 2022 durch Meuterei den Einsatz verweigerten und abgezogen wurden. Daraufhin wurde Präsident Bibilow im April 2022 abgewählt; siehe dazu Maximilian Hess: Restive Caucasus Sees Signs of Discontent with Putinâs War. Foreign Policy, 25. Mai 2022, abgerufen am 4. Juni 2022 (englisch).
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ОдиНО в ĐОнйаŃŃĐľ в пОŃНоднио вОŃĐľĐźŃ ĐťĐľŃ? Ркак ŃŃĐž ŃвŃСанО Ń Đ˝ŃноŃноК вОКнОК? (âWas ist in den letzten acht Jahren im Donbass wirklich geschehen? Und was hat das mit dem aktuellen Krieg zu tun?â), Meduza, 2. März 2022 (russisch).
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